Breiter Widerstand gegen RB Leipzig

Rangnick: "Muss man nicht verstehen"

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Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig und Red Bull Salzburg, versteht die breite Kritik an Red Bulls Engagement im Fußball nicht. 

Leipzig/München - Protestmärsche, Fanboykotte, offene Anfeindungen: Mit wachsendem Erfolg wird der Gegenwind für den finanzkräftigen Emporkömmlig RB Leipzig immer heftiger.

Gerade erst haben sich mehrere Fanklubs mit der bundesweiten Kampagne „Nein zu RedBull!“ verbündet und machen kräftig Stimmung gegen den Zweitliga-Aufsteiger. Vor dem ersten Zweitliga-Auswärtsspiel der Sachsen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei 1860 München soll es zudem eine Protestveranstaltung geben.

Verständnis haben die von einem österreichischen Getränkehersteller finanzierten Leipziger dafür natürlich nicht. „Das muss man nicht verstehen. Der aktuelle Trainer hat selbst zwei Jahre bei Red Bull gearbeitet“, sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick der Bild-Zeitung zur Aktion der Münchner Fans: „Und ohne die zugeschossenen Millionen von Investor Hasan Ismaik würde es die 60er nicht mehr auf der Profi-Landkarte geben.“

Fans der Löwen wollen sich am Sonntag im Stadtzentrum treffen und unter dem Motto „Alle gegen Kommerz!“ gemeinsam lautstark protestierend in der U-Bahn zum Stadion fahren. Erst in der Vorwoche hatten die Fans des VfR Aalen zu einem Boykott des Auswärtsspiels in Leipzig (0:0) aufgerufen. Auch in anderen Fanlagern sind ähnliche Aktionen geplant. In der jüngeren Vergangenheit wurden bereits mehrfach vereinbarte Testspiele auf Druck der Fans abgesagt.

Die Münchner Fans stören sich derweil auch nicht daran, dass ihr eigener Trainer Ricardo Moniz bis 2012 selbst noch bei RB Salzburg arbeitete - doch die Klubverantwortlichen sind bemüht, die Wogen zu glätten. „Es gibt halt Neider und Fans, die gegen einen angeblichen Retortenklub protestieren. Aber es ist legitim, was man bei RB Leipzig macht“, sagte 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer dem Münchner Merkur. Moniz meinte: „Leipzig hat keine Tradition, aber das ist egal. Für uns zählt nur das Sportliche.“

Genau wie für RasenBallsport. Doch für den Klub, der am Sonntag gegen die ebenfalls sieglosen Löwen den ersten Zweitligaerfolg einfahren will, wird es seit der Gründung vor fünf Jahren immer schwerer, sich auf die Entwicklung zu konzentrieren. Höhepunkt der Anfeindungen ist ein groß angelegter Zusammenschluss gegen das „Kunstprodukt“, das möglichst schnell in die Bundesliga will. Fanklubs aus Aalen, Aue, Braunschweig, Darmstadt, Heidenheim, Ingolstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Sandhausen und von 1860 München haben sich bereits verbündet.

„Wir wollen mit dieser Kampagne auf das Problem mit Red Bull im Fußball aufmerksam machen. Kreative Aktionen rund um die Spieltage sollen dabei Ausgangspunkt sein“, heißt es auf der Homepage des Bündnisses: „Genauso wollen wir aber das Thema der immer weiter fortschreitenden Kommerzialisierung unseres Fußballs in den Fokus rücken. RedBull ist da nur ein Rädchen im System - zurzeit das am stärksten polarisierende.“

Unterstützt wird die Kampagne auch vom Bündnis „ProFans“, das auch die Lizenzvergabe durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) in diesem Sommer kritisierte. „Leider zeigte sich schnell die Inkonsequenz der DFL, als diese nach einigen Schönheitskorrekturen innerhalb der Vereinsstrukturen und am Vereinslogo, die Lizenz dennoch vergab“, sagte „ProFans“-Sprecher Alex Schulz. Das Bündnis rief sogar offen dazu auf, „gegen RB Leipzig aktiv zu werden, die Kampagne zu unterstützen und dieser durch verschiedene Aktionen, Leben einzuhauchen“.

Selbst Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sich zu Wort gemeldet und sich unter anderem wegen RB für die Einführung des Financial Fair Play auch in Deutschland ausgesprochen. „Das Thema RB Leipzig, die ganze Diskussion, kann man relativ schnell zu den Akten legen - wenn man Financial Fair Play als Lizenzierung bitte auch in der Bundesliga einführt. Dann ist das Thema von selbst erledigt“, hatte Rummenigge der Sport Bild gesagt.

SID

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