„Ich hatte wunderbare Jahre“

Heute letzter DFB-Auftritt des Kapitäns: Danke, Basti!

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Der WM-Sieg 2014 war sein größter DFB-Moment.

Mönchengladbach - Zwölf Jahre lang durfte Fußball-Deutschland die kurvenreiche Karriere des blonden Burschen zum leicht ergrauten Leitwolf miterleben. Am Mittwoch tritt der Weltmeister in seinem 121. Länderspiel ab. Danke, Bastian Schweinsteiger!

Auf dem Papier ist es nur ein Testspiel, das die deutsche Mannschaft am Mittwochabend (20.45 Uhr, bei uns im Live-Ticker) gegen Finnland bestreitet. Emotionsgeladen sind solche Partien selten, doch diesmal dürfte sich die Situation ein wenig anders gestalten, denn für ihren Kapitän ist es der letzte Einsatz als Nationalspieler. Zwölf Jahre lang war Bastian Schweinsteiger fester Bestandteil der DFB-Auswahl. Ganz Fußball-Deutschland durfte die kurvenreiche Karriere des blonden Burschen, der beim Sommermärchen 2006 für Furore sorgte, zum leicht ergrauten Leitwolf, der seine Mannschaft 2014 zum WM-Titel führte, miterleben. Am Mittwoch tritt der Weltmeister in seinem 121. Länderspiel ab. Danke, Basti!

Es hätten seit seinem Debüt am 6. Juni 2004 sogar 175 Begegnungen sein können, wenn der ehemalige Spieler des FC Bayern nicht so oft gefehlt hätte. Doch gerade in der jüngeren Vergangenheit plagte sich der 32-Jährige häufig mit Verletzungen herum, die letzte hätte ihn beinahe die EM in Frankreich gekostet. „Schade, dass ich diese Zahl nicht erreicht habe“, lächelte Schweini gestern, betonte jedoch: „Ich bin aber auch so sehr glücklich.“

Der Bundestrainer mit seinem Bald-Ex-Kapitän: Joachim Löw (r.) und Bastian Schweinsteiger.

Das kann er auch. Am 13. Juli 2014 gelang ihm, was vielen großen Spielern verwehrt blieb: Schweinsteiger wurde Weltmeister. Und dank seiner aufopferungsvollen Leistung im Finale wird sein Name immer mit diesem Titel verbunden sein. „Er hat viel für diese Mannschaft getan“, betonte Jogi Löw. Der Bundestrainer setzte stets auf den Mann, der zu Beginn seiner Karriere auf dem Flügel wirbelte, inzwischen aber im Zentrum angekommen ist – wenn er denn spielen darf. Bei seinem Verein Manchester United ist der Ex-Münchner völlig außen vor. Böse Worte in diese Richtung gibt es von Schweini aber trotzdem nicht. „Mein absoluter Traum ist es, für Manchester United zu spielen und dabei zu helfen, die Ziele zu erreichen“, erklärt der Stratege und betont, mit ManU-Coach Jose Mourinho „kein Problem“ zu haben.

Wie lange reicht seine Luft? Das letzte Pflichtspiel bestritt der (Noch-)Kapitän während der EM. „Ich weiß nicht, wie viele Minuten ich spielen werde. Mal schauen, wie lange die Luft hält“, lächelt Schweinsteiger. „Ich freue mich, so einen Abschied zu bekommen. Ich hatte mit der Nationalelf wunderbare Jahre und verspüre tiefe Dankbarkeit“, meint der scheidende Anführer. Was bleibt beim Blick zurück auf die lange DFB-Laufbahn? „Die WM 2006 im eigenen Land, der WM-Titel 2014, Kapitän der Nationalmannschaft – als kleiner Junge träumt man von so was“, sagt Schweinsteiger mit einem Strahlen im Gesicht und bedankte sich auch bei den Fans. „Das Schönste in all den Jahren waren die Fans, die immer mitgefiebert haben, bei jedem Turnier. Das zu sehen, war großartig.“

Bastian Schweinsteiger mit ­Kanzlerin Angela Merkel.

Doch jene Fans lassen ihren Liebling bei seinem letzten Auftritt ein wenig hängen. Erst 20.000 Karten sind für die Partie am Abend verkauft, der Borussia-Park wird wohl nur zur Hälfte gefüllt sein. Doch auch das stört Schweini nicht: „Ich weiß, dass das Stadion nicht ausverkauft sein wird. Aber es wird trotzdem eine gute Atmosphäre, ich freue mich auf morgen.“ Ein letztes Mal wird er seine Mannschaft aufs Feld führen, ein letztes Mal die Hymne singen. Vielleicht sogar noch ein Tor schießen, bevor er sich verabschiedet. Danke, Basti!

Bastian Schweinsteiger: Vom Debüt bis ins WM-Finale …

  • Juni 2004: Gemeinsam mit Podolski feiert Schweinsteiger als 19-Jähriger gegen Ungarn (0:2) sein DFB-Debüt.
  • Juli 2006: Beim Sommermärchen trumpft Schweinsteiger im Spiel um Platz drei auf: Er erzielt zwei Tore beim 3:1 gegen Portugal.
  • Juni 2008: Sein einziger Platzverweis: Schweini sieht bei der EM gegen Kroatien (1:2) wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte.
  • Juni 2008: Erstes Finale mit Tränen: 0:1-EM-Niederlage gegen Spanien.
  • Juni 2009: Schweinsteiger führt die Nationalelf gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (7:2) erstmals als Kapitän aufs Spielfeld.
  • Juli 2014: Blutverschmiert führt er Deutschland gegen Argentinien (1:0) zum WM-Sieg.
  • Juli 2016: Mit einem unglücklichen Handspiel leitet Schweinsteiger das Aus im EM-Halbfinale gegen Frankreich (0:2) ein.

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