"Das geht einfach nicht"

Pfiffe gegen Gomez: Löw hat kein Verständnis

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Mario Gomez erwischte gegen Argentinien nicht seinen besten Tag.

Düsseldorf - Das Drehbuch schien perfekt: Miro Klose verabschiedet sich umjubelt in den Ruhestand - und Rückkehrer Gomez zeigt: „Hey, ich bin da!“ Doch drei vergebene Torchancen verzeihen ihm viele Fans nicht.

Mit Beifallsstürmen bedankten sich die Fans bei ihrem sichtlich bewegten Tor-Liebling Miroslav Klose - unbarmherzige Pfiffe gab es dagegen gleich wieder für den Mann ohne Lobby. Mario Gomez war nach drei vergebenen Torchancen und einem missglückten Comeback im Vier-Sterne-Trikot des Fußball-Weltmeisters für Viele im Rund der Hauptschuldige für das 2:4 gegen Partyschreck Argentinien.

„Ich glaube, es ist auch ein Stück weit mittlerweile normal“, sagte der inzwischen 29-Jährige zu seiner Déjà-vu-Rolle als Sündenbock, gegen die ihn schon immer allein Tore zu schützen vermochten. Die Pfiffe bei der Auswechslung empfand Gomez selbst „gar nicht so dramatisch“, wie er später in den Stadionkatakomben versicherte: „Viele haben vielleicht gedacht, dass ich ein Tor mache nach dieser langen Zeit. Dann hatte ich diese zwei großen Chancen und habe das Tor nicht gemacht. Es ist so im Fußball.“

Gomez vergibt drei Großchancen

Joachim Löw mochte die Publikums-Reaktion nicht unkommentiert stehenlassen. Er schützte seinen Angreifer und tadelte die Kritiker: „Grundsätzlich geht es einfach nicht, dass ein Spieler der deutschen Nationalmannschaft ausgepfiffen wird, nur weil er die eine oder andere Chance liegengelassen hat“, sagte der Bundestrainer zum Foul der Fans, die er belehrte: „Mario hat sieben Monate verletzt gefehlt, hat ein einziges Pflichtspiel bestritten. Ich weiß das als Trainer richtig gut einzuschätzen, dass er nicht in Topform sein kann.“

Trotzdem hätte es ein Abend mit einem perfekten Drehbuch werden können: Weltmeister Klose sagt nach 13 Jahren mit 137 Länderspielen und 71 Toren als hochdekorierter WM-Rekordschütze (16 Treffer) auf Wiedersehen - und kurz nach der Verabschiedung im Stadion zeigt sein Erbe: „Hey, ich bin da!“ Aber im ersten Spiel nach dem WM-Titelgewinn ging schließlich nicht nur bei Gomez der Plan nicht auf. „Ich war sehr motiviert. Ich habe mich gut gefühlt“, erzählte der Angreifer des AC Florenz und ergänzte: „Jetzt haben wir ein Spiel verloren, sicherlich auch, weil ich die beiden Bälle nicht reingemacht habe.“

Er meinte seine ersten zwei Schüsse. Beim ersten habe er den Ball „gut getroffen“, aber Torwart Sergio Romero sei „stehengeblieben und hat ihn gut gefischt. Und beim zweiten hat er noch den großen Zeh hinbekommen“, haderte Gomez. Die dritte Großchance versemmelte er im Anschluss bereits verunsichert kläglich mit links. Stürmerpech! „Ich habe oft genug in meiner Karriere erlebt, dass Dinger reingehen, die eigentlich nicht reingehen. Und Bälle, wo jeder denkt, der muss reingehen, die hält der Torwart fantastisch“, schilderte Gomez.

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25 Tore hat der Angreifer in 60 Länderspielen erzielt, sein erstes übrigens 2007 in Düsseldorf mit einem Flugkopfball bei einem 3:1 gegen die Schweiz. Sein letzter Torjubel liegt aber schon mehr als zwei Jahre zurück, dreimal traf er bei der EM 2012. Und einen Weltmeister-Bonus genießt der Mann, der das Turnier in Brasilien mangels Fitness und Spielpraxis verpasst hatte, nicht. „Ich war jetzt nicht bei der WM dabei, bei diesem großen Erfolg. Und die Leute erwarten natürlich schon, dass ich ein Tor mache, wenn ich spiele und die Chancen dazu habe. Aber es ist kein Wunschkonzert.“

Mario Götze, der Siegtorschütze im Finale von Rio, kam für ihn ins Spiel (58. Minute), umjubelt und auch prompt wieder gefeiert als Torschütze zum 2:4. Das wird vor dem Start in die EM-Qualifikation am Sonntag in Dortmund gegen Schottland die Debatte um einen klassischen Mittelstürmer (Gomez), das System mit der falschen Neun (Götze) oder die WM-Lösung (Thomas Müller) im Angriff neu entfachen. Löw wird sie immer wieder neu beantworten. Ohne Klose braucht er Gomez: „Ich weiß, was er kann. Er wird noch ein bisschen brauchen, um in guter Form zu sein. Es wäre ja verrückt, wenn es nicht so wäre.“

dpa/sid

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