Löw verteidigt Niersbach - intern unter Druck

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Joachim Löw hat in Wolfgang Niersbach höchstes Vertrauen. Foto: Andreas Gebert

Die Diskussionen um die vermeintlich gekaufte WM 2006 gehen weiter. Der in die Kritik geratene DFB-Chef Wolfgang Niersbach bekam jetzt Unterstützung vom Bundestrainer - und Druck aus dem eigenen Verband. Sein Vorgänger muss vorerst keine Anzeige durch den DFB fürchten.

Frankfurt/Main (dpa) - Bundestrainer Joachim Löw hat dem DFB-Präsidenten demonstrativ den Rücken gestärkt. Ansonsten aber bekam Wolfgang Niersbach am Dienstag in der nach wie vor ungeklärten Frage um die Vergabe der WM 2006 zum ersten Mal auch Druck aus dem eigenen Verband zu spüren.

"Ich erlebe den DFB nun schon seit mehr als elf Jahren, in denen ich für ihn tätig sein darf, als äußerst seriös geführten Verband. Dafür steht für mich in erster Linie Präsident Wolfgang Niersbach, zu dem ich größtes Vertrauen habe und der uns bei der Nationalmannschaft sein Vertrauen auch in Phasen, in denen es mal nicht so gut läuft, immer spüren lässt", betonte Löw in einer Erklärung, die er der Deutschen Presse-Agentur gab. Der Weltmeister-Trainer ist sich sicher: "Auf sein Wort ist zu hundert Prozent Verlass."

Vertreter der Landesverbände übten dagegen zum ersten Mal auch öffentliche Kritik an Niersbach und seinem Krisenmanagement. "Die Stimmung ist sicherlich nicht die allerbeste im Augenblick", sagte Eugen Gehlenborg, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes sowie Präsident des Norddeutschen Fußballverbandes, der "Rheinischen Post". Der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands, Hans-Ludwig Meyer, warf dem DFB-Boss sogar Verfahrensfehler vor. Niersbach hätte bereits vor einem halben Jahr "auf das Präsidium zugehen müssen", sagte Meyer dem "Flensburger Tageblatt".

Niersbach hatte nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Sommer interne Ermittlungen eingeleitet, um den Verbleib einer dubiosen 6,7-Millionen-Euro Zahlung des DFB an die FIFA aus dem Jahr 2005 zu klären. Darüber hatte er das Präsidium laut Meyer aber nicht informiert. Was schief gelaufen sei, müsse aufgeklärt werden, forderte Gehlenborg. "Die erhobenen Anschuldigungen treffen uns alle schwer. Es muss eine schnelle und gründliche Untersuchung geben."

Zuvor hatten sich Gehlenborg, Meyer und ihre Kollegen aus den anderen Landesverbänden in Frankfurt am Main getroffen. Bislang war Kritik an Niersbach aus dieser Richtung nur unter der Hand geäußert worden.

Mittlerweile könnten die Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2006 auch ein Thema im Sportausschuss des Bundestages werden. "Wenn Herr Niersbach in den Ausschuss kommen möchte, ist er herzlich willkommen. Ich würde dafür sogar eine Sondersitzung einberufen", sagte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag in einem Interview des Handelsblatts.

Der DFB-Chef selbst hatte am Montag die "Spiegel"-Vorwürfe, die Weltmeisterschaft 2006 sei mit Hilfe einer schwarzen Kasse gekauft worden, "kategorisch" zurückgewiesen. In Zürich wollte er sich am Dienstag nach der Dringlichkeitssitzung der FIFA vor zahlreichen TV-Kameras aber nicht äußern und verschwand wie die übrigen Mitglieder der Weltverbands-Exekutive durch die Tiefgarage.

Ob das für Niersbach und den DFB so unschöne Thema auf der Sitzung in der FIFA-Zentrale zur Sprache kam, blieb damit ungewiss. In der Heimat ist die Unterstützung für den DFB-Präsidenten aber ungeachtet der ersten Kritik aus den Landesverbänden weiterhin groß. "Ich finde es unfair, wie undifferenziert in den letzten Tagen hier teilweise berichtet wurde, welche Rückschlüsse gezogen wurden, ohne Beweise vorliegen zu haben", erklärte Löw.

Niersbach hatte dem Bewerbungs- und später dem Organisationskomitee der WM 2006 angehört. Der 64-Jährige und der DFB und sind vor allem wegen einer dubiosen Überweisung von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA in Erklärungszwang. "Ich bin sicher, dass die offenen Fragen geklärt werden", bemerkte Löw.

Ins Zwielicht geraten ist durch die ominöse Zahlung auch Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Informationen aus dem "Führungszirkel des DFB" sogar, der Verband prüfe eine Anzeige gegen Zwanziger wegen des Verdachts der Untreue. Das wies der DFB jedoch zurück. "Die heute über die Medien verbreitete Meldung, wonach der DFB eine mögliche Anzeige gegen den ehemaligen Verbandspräsidenten Dr. Theo Zwanziger prüfe, ist falsch und entbehrt jeder Grundlage", sagte der für Rechtsfragen zuständige Vize-Präsident Rainer Koch der Deutschen Presse-Agentur.

Koch verwies auf die externe Untersuchung einer Wirtschaftskanzlei und die interne Prüfung des Kontrollausschusses beim DFB. "Weitere Entscheidungen des DFB-Präsidiums können erst nach Vorliegen von Untersuchungsergebnissen erfolgen", sagte Koch.

sueddeutsche.de

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