Löws Rechnung mit vielen Unbekannten

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Joachim Löw

Köln - Rund sechs Wochen vor dem EM-Start sorgt sich Bundestrainer Joachim Löw um den Fitnesszustand einiger seiner Stammkräfte.

Die Vorbereitung auf die EURO 2012 gerät für Joachim Löw immer mehr zu einer Rechnung mit vielen Unbekannten. Nicht nur, dass Bayern München mit dem Einzug ins Finale der Champions League die ursprünglichen Pläne der Bundestrainers für das Turnier in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) durchkreuzt hat, auch diverse Verletzungen einiger Stammkräfte treiben Löw eine Woche vor der Nominierung seines EM-Kaders offenbar Sorgenfalten auf die Stirn.

Mittlerweile ist der 52-Jährige äußerst skeptisch, ob Torjäger Miroslav Klose und Abwehrrecke Per Mertesacker rechtzeitig zum ersten Gruppenspiel gegen Portugal am 9. Juni in Lwiw fit werden. „Um sie mache ich mir intensiv Gedanken. Sie haben jetzt mehrere Wochen nicht gespielt und trainiert, sie waren lange verletzt. Deshalb müssen wir sehen, ob es machbar ist, sie in zwei, drei Wochen Trainingslager auf den ganz, ganz hohen Rhythmus zu bringen, den sie für ein Turnier brauchen“, sagte Löw im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Klose von Lazio Rom hat nach einem Muskelriss im Oberschenkel seit dem 18. März kein Spiel bestritten, Mertesacker fehlt dem FC Arsenal wegen einer Knöchel-OP seit dem 11. Februar. „Ich traue ihnen zu, dass sie bis zum ersten EM-Spiel wieder in Topform sein können. Aber ich werde bewerten müssen, ob sie uns schon im ersten Spiel gegen Portugal helfen können oder ob vielleicht ein anderer Spieler in einer besseren Verfassung ist“, sagte der Bundestrainer.

Bei den ebenfalls lange verletzten Mario Götze und Bastian Schweinsteiger hat der Bundestrainer indes weniger Sorge. „Auch ihm fehlt natürlich die Praxis, aber er ist ein Spielertyp, der relativ schnell seinen Rhythmus findet und sich schnell ins Spiel integrieren lässt“, so Löw über Götze. Und Schweinsteiger sei ein Spieler, „den man mit am höchsten belasten kann. Wenn er nicht gerade akut verletzt ist, dann ist seine Energie unglaublich“.

Mehr Sorgen macht sich Löw um Thomas Müller, der nach wie vor weit entfernt von seiner Top-Form ist. Der WM-Torschützenkönig müsse in seiner offensiven Rolle unglaublich weite Wege zu gehen, erklärte der Bundestrainer den Substanzverlust des Bayern-Profis. Löw macht sich aber selbst Mut: „Ich habe ja schon drei Turniere hinter mir und weiß, dass es immer Spieler gibt, die ohne große Spielpraxis in eine Vorbereitung starten.“

Dass die Bayern durch ihre Teilnahme am Europacup-Endspiel (19. Mai) das Regenerationstrainingslager auf Sardinien (11. bis 18. Mai) komplett verpassen, müsse im Hinblick auf die EM nicht unbedingt ein Nachteil sein, so Löw. Er betonte, dass es für ihn „auch ein gutes Gefühl“ sei, Spieler im Champions-League-Finale zu haben. Um die Verfassung der Bayern-Profis müsse er sich nicht sorgen.

Das sieht auch Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge so, der noch einen anderen Aspekt hervorhob. „Vielleicht hilft der Nationalmannschaft in diesem Jahr sogar der Sieg von Bayern München gegen Real Madrid, weil es auch ein Zeichen an die Spanier war, dass die Deutschen im direkten Duell nun nicht mehr bereits sind, die weiße Flagge zu hissen.“

An der Costa Smeralda fehlen neben den Münchnern zunächst auch noch die Profis von Borussia Dortmund, die am 12. Mai gegen die Bayern das DFB-Pokalfinale bestreiten, sowie Mesut Özil und Sami Khedira (beide Real Madrid) als auch die angeschlagenen Klose und Mertesacker, da die Spielzeiten in Spanien, Italien und England jeweils erst am 13. Mai enden. Der Kölner Lukas Podolski muss zudem möglicherweise am 11. und 15. Mai noch in die Relegation.

„Dreieinhalb Wochen Vorbereitung mit dem kompletten Team wären ideal gewesen, aber als Nationaltrainer muss ich mich auf die Situation einstellen“, sagte Löw, der aber darauf vertraut, dass seine Spieler „stärker mit unserer Philosophie vertraut sind. 2008 hätten wir so eine zerstückelte Vorbereitung gar nicht verkraftet.“

Der Bundestrainer plant den Großteil der Vorbereitung zunächst ohne die acht Münchner Nationalspieler, die mit den Bayern am 22. Mai noch ein Freundschaftsspiel gegen den deutschen EM-Gruppengegner Niederlande bestreiten müssen und vermutlich erst am 25. Mai im zweiten Trainingslager in Südfrankreich zum DFB-Team stoßen. Im Länderspiel gegen die Schweiz in Basel will Löw auf die Bayern noch verzichten, erst bei der WM-Generalprobe am 31. Mai in Leipzig gegen Israel seine EM-Wunschformation testen.

sid

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