Rekordnationalspieler glaubt an EM-Titel

Matthäus über EM-Kader-Nominierung: Das ist Löws Geheimnis

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Lothar Matthäus.

München - Lothar Matthäus spricht über die Nominierung des EM-Kaders, die Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag bekannt geben wird.

Update vom 30. Mai: Am Dienstag präsentiert Bundestrainer Jogi Löw den finalen Kader für die EM 2016 in Frankreich. Wir haben bereits zusammengefasst, wie die Präsentation abläuft und wer die Wackelkandidaten sind. Und: Wir berichten im Live-Ticker von der Pressekonferenz um 12.30 Uhr.

Er ist das, was Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller & Co. gerne werden wollen: Welt- UND Europameister. Lothar Matthäus gewann 1990 die WM, zehn Jahre zuvor auch die EM. Mit 150 Partien ist der heutige Sky-Experte deutscher Rekordnationalspieler. In Frankreich ist Matthäus vor Ort als Experte für die ausländischen TV-Sender ITV und beIN Sports. Im Rahmen eines Sky-Gesprächs äußerte sich der 55-Jährige über das DFB-Team, dessen vorläufiger EM-Kader am Dienstag bekanntgegeben wird (wir berichten im Live-Ticker!).

Herr Matthäus, in rund drei Wochen startet die EM – mit dem Top-Favoriten Deutschland?

Matthäus: Ich habe drei: Deutschland, Frankreich und Belgien. Spanien traue ich den Titel auch zu, Italien ebenfalls. Während eines Turniers kann sich sehr viel sehr schnell ändern. Aber die drei sind meine Top-Favoriten.

Wie würden Sie aktuell die Form des DFB-Teams beschreiben?

Matthäus: Die Qualifikation war durchwachsen, aber das ist normal nach so einem riesigen Erfolg wie 2014. Irgendwann lässt die Spannung mal nach, dazu hat die Mannschaft wichtige Spieler verloren. Da ist noch Luft nach oben – aber das wissen auch Trainer und Team. Und wenn ich sehe, welche Spieler wieder mit dabei sein werden, bin ich sicher, dass wir wieder viel Freude haben werden.

Nimmt Jogi Löw neben den vier Münchnern Müller, Neuer, Boateng und Götze noch einen FCB-Star mit? Joshua Kimmich vielleicht?

Matthäus: Kimmich ist für mich ein Spieler, dem – ähnlich wie Gladbachs Mo Dahoud oder Dortmunds Julian Weigl – die Zukunft in der Nationalmannschaft gehört. Doch wo war er jetzt in den wichtigen Spielen beim FC Bayern zum Schluss? Da war er nicht mehr dabei. Vielleicht war das Vertrauen in ihn doch nicht mehr so groß. Doch für die Zukunft sehe ich Kimmich ohnehin nicht in der Innenverteidigung, auch nicht als rechten Verteidiger. Die Position kann er auch bekleiden, wenn er ein hochintelligenter Spieler ist. Einer, der schnell und robust ist, das Spiel lesen kann und gute lange Bälle über die erste Pressinglinie des Gegners hinweg spielt.

EM 2016: Gruppen, Spielplan und Termine im Überblick

Die Gegenwart im Mittelfeldzentrum heißt dann Bastian Schweinsteiger. Auch wenn er nicht zu 100 Prozent fit werden sollte: Muss Jogi Löw ihn allein seiner Persönlichkeit wegen mitnehmen?

Matthäus: Nur den Typen brauchst du nicht. Wenn er nicht spielen kann, nimmst du ihn auch nicht mit. Aber bei der WM haben wir gute Erfahrungen mit Bastian gemacht. Da brauchte man ihn in der Gruppenphase auch nicht unbedingt – aber in den K.o.-Spielen. Aufgrund seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung, seines Stellenwertes. Wenn Löw eine Chance sieht, dass Schweinsteiger während des Turniers näher ans Team rankommt, kann er noch wichtig werden.

Wen sehen Sie als Kapitän und Wortführer in der Verantwortung, wenn Schweinsteiger ausfällt?

Matthäus: Neuer, obwohl ich eigentlich nie gerne einen Torhüter als Kapitän habe. Aber Manuel ist ja fast ein halber Feldspieler. Dazu zähle ich auch Boateng, Hummels und Müller. Khedira hatte zuletzt auch mal die Binde. Aber wenn du Bayern-Spieler bist und vier, fünf Vereinskollegen um dich herum hast, ist das etwas anderes, als wenn du der einzige aus Italien bist. Dann ist die Nähe nicht ganz so da.

Als Weltmeister ist die Erwartungshaltung eine ganz andere an das Team. Wie geht man damit um?

Matthäus: Ich glaube, dass der Teamgeist innerhalb der Mannschaft hervorragend ist. Genauso wie bei der WM. Da hat man gesehen, wie sich jeder Einzelne auf der Bank mitgefreut hat, obwohl er selbst lieber auf dem Platz gestanden hätte. Dieser Spirit ist einzigartig.

Ist dieser Spirit das entscheidende Qualitätsmerkmal einer Turniermannschaft?

Matthäus: Ja, aber das hängt auch mit dem Trainer zusammen. Jogi Löw macht das sehr gut, er findet die richtige Mischung. Er hat klare Vorstellungen, aber lässt den Spielern auch mal Freiheiten, übergibt ihnen Eigenverantwortung. Die Mannschaftsführung ist ein entscheidender Faktor. Wenn du das Vertrauen des Trainers spürst, gibst du es auf dem Platz gerne zurück. Dann missbraucht man dieses Vertrauen nicht. Doch warum sollte ich für einen Trainer durchs Feuer gehen, der mir immer nachspioniert?

Unsere Nationalspieler gehen inzwischen seit fast zehn Jahren für Jogi Löw durchs Feuer. Was ist sein Geheimnis?

Matthäus: Seine Art. Er ist authentisch, offen, ehrlich und korrekt. Und das kommt bei den Spielern an.

In unserem Übersichtsartikel finden Sie alle Informationen zur EM 2016 in Frankreich: Spielplan, Termine, Ergebnisse, Gruppen und Kurzporträts der Austragungsorte. Außerdem haben wir alle wichtigen Fakten und Hintergründe zu den Stadien der EM 2016 zusammengestellt. Und: Wir bieten Ihnen die wichtigsten Infos zum Kader von Deutschland bei der EM 2016. Alle aktuellen Nachrichten erfahren Sie außerdem auf unserer Themenseite zur Fußball-EM 2016 in Frankreich bei tz.de.

Aufgezeichnet von: Sven Westerschulze

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