Maradona-Trainer und Ferguson-Freund: Krautzun wird 75

Eckhard Krautzun trainierte Teams in 11 verschiedenen Ländern. Foto: Alexander Heinl
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Eckhard Krautzun trainierte Teams in 11 verschiedenen Ländern. Foto: Alexander Heinl

32 Stationen in 11 verschiedenen Ländern: Das ist die Vita des deutschen Fußball-Trainers Eckhard Krautzun. Er war Nationaltrainer von Kenia, Tunesien, den Philippinen oder Kanada. Und er reist noch immer durch die Welt.

Heppenheim (dpa) - Einmal war Eckhard Krautzun sogar zu Gast beim Kaiser von Äthiopien. Der deutsche Fußball-Trainer, Beiname Weltenbummler oder Kosmopolit, trainierte in den 70er-Jahren die Nationalmannschaft von Kenia und ein wichtiges Spiel in Äthiopien lief leider völlig aus dem Ruder.

"Wir gingen mit 1:0 in Führung und danach fingen die Ausschreitungen an", erinnert sich Krautzun. "Die Zuschauer rissen die Zäune nieder, ich wurde von einem Stein am Kopf getroffen, selbst das Orchester am Spielfeldrand schlug mit seinen Trommelstöcken auf unsere Spieler ein." Die Partie wurde abgebrochen und die meisten Kenianer inklusive Krautzun saßen am Abend mit Kopfverbänden im Hotel. "Dann kam ein Mann in Uniform und sagte mir, seine Hoheit Kaiser Haile Selassie lädt uns in seinen Palast ein, um daraus nicht auch noch eine diplomatische Krise werden zu lassen. Wir sind dort wie Staatsgäste empfangen worden."

An diesem Mittwoch wird Krautzun 75 Jahre alt, er kann solche Anekdoten tagesfüllend erzählen. In seiner Vita stehen 32 Stationen in 11 verschiedenen Ländern.

Der Mann aus Heppenheim an der Bergstraße hat Diego Maradona trainiert, als der für viel Geld zu einem Jubiläumsspiel des saudischen Clubs al-Ahli Dschidda eingeflogen wurde. Er ist seit fast 40 Jahren mit Sir Alex Ferguson befreundet, weil sich beide mal bei einem Lehrgang in England kennengelernt haben.

Wenn man Krautzun nach seinem größten Erfolg als Trainer fragt, dann erzählt er nicht vom Bundesliga-Aufstieg mit 1860 München (1979), dem DFB-Pokalsieg mit dem 1. FC Kaiserslautern (1996) oder der WM-Qualifikation mit Tunesien (2001) - sondern von einem Job als Nationalcoach der Philippinen im Jahr 1992. "Dort hatte ich zwei Monate Zeit, um eine Mannschaft für die Südostasien-Spiele aufzubauen. Einige Spieler hatten keine Fußballschuhe, die Mannschaft verlor ihre Spiele vorher meist 8:0 bis 10:0. Doch dann haben wir das Wunder geschafft und sind bis ins Halbfinale gekommen."

Seit 15 Jahren arbeitet der Globetrotter nicht mehr als Trainer. Seinen Geburtstag feiert er in dieser Woche trotzdem wie auf der Durchreise. Noch bis zum Dienstag ist er in der Türkei und besucht mehrere Bundesliga-Clubs in ihren Trainingslagern. Gleich nächste Woche geht es dann weiter nach China, wo er noch immer drei- bis viermal im Jahr Sportlehrer und Nachwuchstrainer schult.

Im Auftrag des DFB bildet er auch hier noch regelmäßig Trainer aus Entwicklungsländern aus. Für die UEFA arbeitet er als Referent. Krautzun berät zwei Sportfirmen, er schaut sich mindestens zwei Spiele pro Wochenende an, er betreut die Traditionsmannschaft des DFB mit lauter früheren Nationalspielern. Wer ihm zuhört, unterbricht ihn irgendwann und fragt: Warum? Was treibt jemanden an, seit Jahrzehnten von Stadion zu Stadion und von Kontinent zu Kontinent zu jetten?

Krautzuns Antwort ist: "Abenteuerlust. Interesse an anderen Ländern, anderen Kulturen, anderen Kontinenten. Ich wollte schon immer ins Ausland. Da habe ich die Hälfte meines Lebens verbracht."

Für andere Trainer gilt das auch. Das Bemerkenswerte an Krautzun ist vielleicht, dass er sich nie bloß als Trainer begriffen hat. "Ich beschäftige mich sehr damit, was in den Ländern passiert, in denen ich tätig bin", sagt er. "Wer weiß schon, was ein Alawit ist? Oder wer sind die Jesiden? Warum sind die Kurden ein Volk, das keinen Heimatstaat hat? Und welcher Stamm in Kenia hat welche Geschichte?"

Wer in solchen Ländern arbeite, müsse wissen: "Dort bist du Diplomat, dort bist du Trainer, dort bist du manchmal einflussreicher als der Botschafter. Und besonders wichtig ist: Man muss sich anpassen können, tolerant sein und in stressigen Situationen cool bleiben."

In Kenia kam einmal "kurz vor dem Spiel die Mutter des Torwarts in die Kabine und sagte zu mir: Wir müssen einen Zauber vertreiben, der auf unserem Sohn liegt." Krautzun sah sie "mit irgendwelchen Knöchelchen ankommen" - aber er ließ es geschehen. In Tunesien führte er die Nationalmannschaft zur WM 2002, bis ihm der Verbandspräsident auf einmal die Auswahl der Spieler diktieren wollte. Krautzun trat sofort zurück - und war bei der WM nur Zuschauer.

Zur falschen Zeit am richtigen Ort: Das kennt er auch aus Deutschland. Krautzun war der Vorgänger von Jürgen Klopp in Mainz, der Vorgänger von Volker Finke in Freiburg, der Vorgänger von Otto Rehhagel in Kaiserslautern. Seine Nachfolger prägten jeweils eine Ära - nicht er. Aber der Weltenbummler sieht das mittlerweile so gelassen, wie man die Dinge eben sieht, wenn einem auf seinen Trainerstationen manchmal nicht bloß der Rausschmiss, sondern auch ein Erdbeben, ein Taifun oder ein Bürgerkrieg droht.

"Wenn ein Trainer Erfolg hat, heißt das auch, dass sein Vorgänger gute Arbeit geleistet hat", meint Krautzun. "Manchmal hat es eben geklappt, manchmal nicht. Ich habe da überhaupt keine Nachwehen. Ich verfolge immer noch die Karrieren der Spieler, die ich einmal trainiert habe: Jürgen Klopp, Bruno Labbadia oder Pele Wollitz. Überall, wo ich gearbeitet habe, bin ich gern gesehen."

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