Barca-Keeper spricht über seine Rolle

Ter Stegen im tz-Interview: "Das ist auf Dauer nicht genug"

Will noch auf den EM-Zug aufspringen: Marc-Andre ter Stegen ist derzeit einer von vier Torhütern im DFB-Kader.
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Will noch auf den EM-Zug aufspringen: Marc-Andre ter Stegen ist derzeit einer von vier Torhütern im DFB-Kader.

Berlin - Marc-Andre ter Stegen lebt seinen EM-Traum. Im tz-Interview spricht der Keeper über seine Rolle beim FC Barcelona, ein Duell mit dem FC Bayern und die Nationalmannschaft.

Mit einem Lächeln auf den Lippen schlendert Marc-André ter Stegen zum tz-Interview. Er kennt sich bestens aus im Team-Hotel der Nationalmannschaft, dem Grand Hyatt in Berlin.

Herr ter Stegen, wir haben gehört, Sie sind gerne hier.

ter Stegen: Ja. An das Hotel habe ich gute Erinnerungen. Im vergangenen Juni waren wir hier, als wir mit Barcelona das Champions-League-Finale gewonnen haben. An so einen Ort kehrt man natürlich mit einem Lächeln zurück.

Hätten Sie sich über ein Viertelfinale gegen Bayern gefreut oder wäre das ein perfektes Finale?

ter Stegen: Puh, das Finale ist noch weit hin. Natürlich wäre es nicht so toll gewesen, wenn wir die Bayern jetzt schon erwischt hätten. Aber einen leichten Gegner hätte es ohnehin nicht mehr gegeben. Ich glaube auch nicht, dass das Los Benfica für die Bayern so leicht ist, wie es vielleicht aussieht.

Bei Thomas Müller sagen einige, dass er in seiner aktuellen Form fast schon auf einer Stufe mit Ihrem Teamkollegen Lionel Messi steht. Ist er der Superstar der Bundesliga?

ter Stegen: Ich glaube, dass es in der Bundesliga viele sehr gute Spieler gibt - nicht nur bei den Bayern. Aber klar, Thomas hat seinen eigenen Stil, der sehr schwer zu berechnen ist. Er hat eine große Klasse. Das hat man auch bei seinem Tor zum 2:2 gegen Juventus gesehen. Er hat einfach diesen Riecher. Es steht außer Frage, dass er für Bayern München und die Nationalmannschaft einer der wichtigsten Spieler ist. Das wird er auch in der Zukunft noch zeigen. Vielleicht auch diesen Sommer in Frankreich.

Mit Blick auf die EM kämpfen Sie mit Bernd Leno und Kevin Trapp um die Plätze hinter Manuel Neuer. Wie sehen Sie sich im Ranking?

ter Stegen: Manu ist die Nummer eins, das ist ganz klar. Er ist der beste Torwart der Welt. Dahinter kämpfen wir um die Plätze. Wir haben viele Torhüter auf einem absoluten Top-Niveau. Einladungen zum DFB sind immer eine Belohnung.

Als Champions-League-Sieger muss es aber auch Ihr Anspruch sein, dauerhaft im Kader zu sein.

ter Stegen: Ansprüche sind eine Sache, aber die Entscheidung trifft der Trainer. Ich hoffe darauf, dass die Qualität, die ich zuletzt gezeigt habe, honoriert wird.

Tauschen Sie sich mit Bernd Leno aus? Ihr Verhältnis gilt als unterkühlt.

ter Stegen: Dieses Thema wird medial hochgedrückt. Wir versuchen beide unsere Leistung zu bringen und verhalten uns im Umgang miteinander professionell.

Bei Barça haben Sie fünf Titel in zwei Jahren gewonnen, spielen aber nur in den Pokalwettbewerben. Wie bewerten Sie Ihre Situation?

ter Stegen: Die Situation ist, wie sie ist. Der Trainer entscheidet und stellt die Mannschaft auf. Am Ende der Saison werde ich ungefähr 25 Spiele gemacht haben. Das ist nicht wenig, aber wenn ich vom DFB zurückkehre, werde ich in der Liga beim Clasico gegen Real Madrid wahrscheinlich wieder auf der Bank sitzen. Auf Dauer sind diese 25 Spiele pro Saison nicht genug für mich.

Würden Sie gerne mit Ligakeeper Claudio Bravo tauschen?

ter Stegen: Das ist keine Frage, die ich mir stelle und kein Ziel, das ich habe. Claudio ist sicherlich ein guter Torwart. Aber jeder möchte das Beste für sich herausholen und alle drei, vier Tage im Tor stehen. Das ist mein Ziel, das ist sein Ziel. Ich möchte den nächsten Schritt machen und mehr spielen. Deswegen ist die Situation klar: Wenn sich nichts ändert, müssen wir zwangsläufig reden. Im Fußball geht es manchmal sehr schnell.

In Gladbach haben Sie ein Jahr zusammen mit Max Kruse gespielt. Wundern Sie die Geschichten über ihn, die nun öffentlich wurden?

ter Stegen: Zuerst einmal gab es eine Reaktion des Bundestrainers, das ist ja auch sein gutes Recht, dabei geht es auch um Maßstäbe, die für eine Nationalmannschaft gelten. Daneben ist Max ein sehr spezieller und kreativer Fußballer. Mit seinen Fähigkeiten war er extrem wichtig für Mönchengladbach. Was er in seiner privaten Zeit macht, nun ja, bis zu einem gewissen Grad gilt doch: Jeder hat seinen eigenen Lebensstil. Er ist ein extrovertierter Typ, der in manchen Dingen an die Grenze geht. Er teilt gerne aus, er kann aber auch einstecken. Es zeigt Größe, dass er sich entschuldigt hat.

Interview: Sven Westerschulze

Sven Westerschulze

Sven Westerschulze

E-Mail:Sven.Westerschulze@tz.de

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