"Es gibt Wichtigeres als Tore"

Gomez der Gewinner unter Verlierern

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Mario Gomez.

Berlin - Nicht nur sein Tor-Comeback im DFB-Team macht Mario Gomez zum Gewinner unter den Verlierern gegen England. Der inzwischen 30 Jahre alte Stürmer ist zufrieden mit sich selbst.

Sein erstes Länderspieltor seit fast vier Jahren hätte Mario Gomez gerne gegen einen Sieg eingetauscht. „Ein bisschen komisch und auch ein bisschen dumm“ sei es gewesen, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den Auftakt ins EM-Jahr nicht siegreich gestaltet habe, meinte der Stürmer von Besiktas Istanbul.

Gomez selbst darf sich als Gewinner sehen und fühlen nach dem 2:3 im EM-Test gegen England. Und das nicht nur wegen seines Treffers zum zwischenzeitlichen 2:0. „Man sieht, dass er befreit wirkt. Ich bin glücklich darüber, weil er ein Topstürmer und ein Topmensch ist und uns nach vorn bringen kann“, betonte Ersatz-Kapitän Sami Khedira.

Langer Ball von Khedira, Kopfball von Gomez - da schien der Klassiker vor 71 413 Zuschauern im Berliner Olympiastadion entschieden. „Tor hin oder her. Ich bin alt genug zu wissen, dass es Wichtigeres gibt“, sagte Gomez nach seinem 62. Länderspiel und seinem 26. Treffer für Deutschland: „Ich bin jetzt 30. Und auch wenn es mir nicht so viele glauben: Ich bin ein bisschen weggekommen davon, nur die Tore zu sehen.“ Wichtiger ist: Der gebürtige Schwabe ist nach schwierigen Monaten wieder zufrieden mit sich selbst. „Ich habe wieder Spaß am Fußball. Das war sicher eine Zeit lang nicht so“, sagte Gomez.

Nach seinem Abschied vom FC Bayern im Sommer 2013 war seine Karriere ins Stocken geraten. Beim AC Florenz kam der Stürmer nicht in die Spur, verlor seinen Platz im DFB-Team. „Von meiner Seite gab es auch nie Groll, dass ich nicht bei der WM dabei war, weil ich einfach nicht in der Verfassung war“, sagte der selbstkritische Torjäger. „Ich habe mir selber gesagt, dass ich wieder in die Verfassung kommen muss, in der ich schon mal war und in die ich kommen kann.“

In der Türkei, als Leihspieler bei Besiktas Istanbul, fand Gomez diese Verfassung. 19 Tore hat er in der Süper Lig erzielt, keiner traf öfter. „Er hat wieder das Näschen für Tore“, lobte Joachim Löw: „In Italien war er häufig verletzt, er hatte keinen guten Wettkampfrhythmus. In der Türkei spielt er fast immer, das merkt man auch.“ Und plötzlich ist Gomez auch im Nationalteam wieder ein wichtiger Mann. „Er hat ein super Tor gemacht und gut gearbeitet“, attestierte ihm Kollege Thomas Müller. Für Khedira ist der echte Mittelstürmer Gomez ein alter, neuer Trumpf für die DFB-Elf: „Man muss verschiedene Varianten haben.“

Ein wenig erinnert der Gomez des Jahres 2016 an den aus seiner Zeit in Stuttgart. „Sami-Flanke, ich mache das Tor. Junge wilde VfB-Zeit - da sind wir längst drüber“, sagte Gomez mit einem Lächeln: „Aber von der Fitness bin ich wieder da, das ist schön. Der ganze Aufwand hat sich gelohnt, ich habe immer dran geglaubt. Und ich versuche, jetzt da weiterzumachen.“ Denn nach seinem DFB-Comeback, das ihm einige Experten nicht mehr zugetraut hatten, ist der Torjäger für die EM eine echte Alternative. „Ich glaube schon, dass er mit dem Tor untermauert hat, dass er, wenn er die Chance kriegt, in der Lage ist, diese zu nutzen, dass er dieses Selbstbewusstsein hat“, sagte Löw.

Der erfahrene Stürmer selbst sieht das Verhältnis zum Bundestrainer auf einer guten Basis: „Ich bin in einem gutem Kontakt mit dem Trainer. Und ich weiß, was er von mir erwartet. Das habe ich jetzt geschafft, das muss ich halten.“ Dann wird Gomez zu jenen 23 Spielern gehören, die in Frankreich versuchen wollen, nach dem vierten WM-Titel auch den vierten EM-Titel nach Deutschland zu holen.

„Ich muss mich natürlich auch noch steigern. Das werde ich versuchen“, versprach Gomez. „Ich habe wieder diese Power, um die Wege zu machen für ein gutes Spiel.“ So schied der 30-Jährige trotz der Niederlage gegen die Engländer zufrieden aus Berlin, „weil ich gemerkt habe, dass ich wieder dem Gegenspieler wehtun kann“.

dpa

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