Van Bommel schimpft Pseudo-Experten

Amsterdam - Nach der geglückten Generalprobe gegen Nordirland schimpft Mark van Bommel die "16 Millionen Bundestrainer" der niederländischen Nationalmannschaft und springt so seinem Schwiegervater zur Seite.

Die Zuschauer feierten eine große Party mit Tausenden Luftballons, aus 50.000 Kehlen ertönte „Viva Hollandia“, doch Kapitän Mark van Bommel setzte unvermittelt zum verbalen Rundumschlag an. Fans, Medien, Experten - niemand war nach dem in der Tat glanzvollen 6:0 (4:0) der Niederlande bei der EM-Generalprobe gegen Nordirland vor der Kritik des früheren Bayern-Stars sicher.

Unsere EM-Gegner: Es warten Robben, Ronaldo und Kvist

Unsere EM-Gegner: Es warten Robben, Ronaldo und Kvist

„So ist das eben in unserem kleinen Land. Wir haben 16 Millionen Bundestrainer. Schön, dass jeder mitfiebert. Aber jeder will auch mitreden“, schimpfte van Bommel, der seinem heftig kritisierten Nationaltrainer und Schwiegervater Bert van Marwijk zur Seite sprang. Die niederländischen Journalisten mitsamt deren Experten nahm der 35-Jährige dann direkt ins Gebet. „Kritisiert uns nur weiter“, sagte er energisch: „Das macht uns nur stärker.“

Mark van Bommel ist der Schwiegersohn von Bert van Marwijk

Die öffentliche Diskussion um den Platz im Sturmzentrum, die fast zum Politikum geworden war, drückte beim deutschen EM-Gegner nicht nur van Bommel aufs Gemüt. „Wurde eigentlich im Parlament schon darüber gesprochen“, fragte van Marwijk spöttisch. Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar verpasste sich nach dem verlorenen Zweikampf, der nie einer war, gar selbst einen Maulkorb. Der Schalker sei „im Moment nicht in der Stimmung für Interviews“, ließ der Pressesprecher ausrichten.

Dass van Marwijks Entscheidung für Robin van Persie nicht so falsch ist, zeigte sich beim Fußball-Feuerwerk gegen den allerdings bemitleidenswerten Weltranglisten-100. Nordirland. „In einigen Dingen bin ich bestätigt worden. Wir beginnen gegen Dänemark mit van Persie“, sagte der frühere Dortmunder Trainer, nachdem der englische Torschützenkönig vom FC Arsenal nicht nur zwei Tore selbst erzielt (11./29., Handelfmeter), sondern auch die beiden von Ibrahim Afellay vom FC Barcelona (37./51.) vorbereitet hatte.

Huntelaar dagegen war in 33 Minuten ohne Scorerpunkt geblieben. „Das heißt aber nicht, dass Huntelaar während des gesamten Turniers Ersatzstürmer ist und nie in der Startelf stehen wird“, sagte der Bondscoach. Die Chancen für den Schalker stehen trotzdem schlecht, auch wenn Spielmacher Wesley Sneijder das Spiel vom Samstag nicht als eindeutiges Argument für van Persie werten wollte: „Klaas-Jan kam beim Stand von 5:0 aufs Feld. Niemand wollte sich mehr verletzen, also haben wir nicht mehr so offensiv gespielt.“

Die Fans schwebten am Samstag dagegen auf Wolke sieben. Vor der „Todesgruppe“ mit Deutschland, Portugal und Dänemark haben sie keine Angst mehr, der erste Titel seit 1988 scheint für viele beschlossene Sache. „Wer Favorit ist, ist uns egal. Aber wir haben alle ein gutes Gefühl“, meinte der frühere Hamburger Nigel de Jong schmunzelnd.

„Wir dürfen das nicht überbewerten. Nordirland war nicht gut“, meinte dagegen van Bommel, ergänzte aber auch: „Wir haben eine starke Mannschaft. Wir können auswechseln, ohne schwächer zu werden. Und das brauchst du, wenn du Titel gewinnen willst.“ So sieht es auch van Marwijk. „Ich glaube, dass dieses Team besser ist als das, das bei der WM 2010 das Finale erreicht hat“, sagte er: „Wir sind vor allem in der Breite stärker geworden.“

Auf der Bank sitzen eben Spieler wie Huntelaar oder der vom HSV umworbene Dirk Kuyt. Hoffnung auf einen Platz in der ansonsten fixen Startelf darf sich noch Rafael van der Vaart machen. Der Ex-Hamburger hat gegen Spielmacher Sneijder keine Chance, bewies aber nach seiner Einwechslung, dass er eine Option für die Stelle im defensiven Mittelfeld neben van Bommel ist. „Er hat einen starken Eindruck hinterlassen“, sagte van Marwijk: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass er in der Startelf stehen wird.“

Van der Vaart selbst äußerte sich am Samstag übrigens nicht. Auch er ist genervt - von den Gerüchten um einen Wechsel zu Schalke

sid

Rubriklistenbild: © dpa

auch interessant

Meistgelesen

So endete FSV Mainz 05 gegen FK Qäbälä
So endete FSV Mainz 05 gegen FK Qäbälä
HSV feuert Labbadia per Telefon - Gisdol als Nachfolger?
HSV feuert Labbadia per Telefon - Gisdol als Nachfolger?
Als Trainer zurück nach Deutschland? Das sagt Klopp
Als Trainer zurück nach Deutschland? Das sagt Klopp
Schweinsteiger und Podolski: Bald gemeinsam in den USA?
Schweinsteiger und Podolski: Bald gemeinsam in den USA?

Kommentare