Vor Untersuchungsrichter geführt

Sexvideo-Affäre: Ermittlungen gegen Benzema eingeleitet

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Karim Benzema.

Paris - Karim Benzema droht wegen seiner Verwicklung in die Erpressungsaffäre um Mathieu Valbuena eine Haftstrafe. Am Donnerstag wurde ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Mit einer Kapuze über dem Kopf verließ Karim Benzema das Gericht in Versailles, wenige Minuten zuvor hatte der Fußball-Star von Real Madrid die bittere Entscheidung der Justiz vernommen. Gegen den französischen Nationalspieler laufen seit Donnerstag offiziell Ermittlungen wegen der Beteiligung an der Erpressung seines Teamkollegen Mathieu Valbuena mit einem Sexvideo.

Gegen den Stürmer wird wegen „Komplizenschaft bei einem Erpressungsversuch“ sowie „Beteiligung an der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Verübung einer Straftat, die mit mindestens fünf Jahren Haft bestraft wird“, ermittelt, teilte die Justiz mit. Außerdem darf Benzema vorläufig Valbuena nicht mehr treffen. Damit ist eine Zukunft der beiden in der „Equipe Tricolore“ mehr als fraglich.

Deschamps verzicht auf Benzema und Valbuena

Am Donnerstag erklärte Nationaltrainer Didier Deschamps bereits, auf beide Spieler in den anstehenden Begegnungen gegen Deutschland am 13. November in Paris und vier Tage später gegen England zu verzichten. Valbuena sei „nicht in der besten psychologischen Verfassung“, sagte der Coach. Die Nicht-Berücksichtigung von Torjäger Benzema begründete er mit dessen Verletzung.

Der 27 Jahre alte Benzema war am Mittwochmorgen in Versailles in Gewahrsam genommen worden und hatte die Nacht auf der Polizeiwache verbracht. Er wird verdächtigt, in die Erpressung Valbuenas verwickelt zu sein. Der Lyon-Profi hatte im Juni Anzeige erstattet, nachdem ihm ein Unbekannter gedroht hatte, die intimen Videoaufnahmen zu veröffentlichen, die Personen aus Valbuenas Umfeld entwendet hatten.

Den Ermittlerkreisen zufolge kontaktierte ein Mittelsmann der drei inzwischen inhaftierten Erpresser Benzema über dessen Bruder. Benzema informierte daraufhin seinen Teamkollegen am 5. Oktober bei einem Treffen der Nationalmannschaft vor den Spielen gegen Armenien und Dänemark über die Existenz des Videos. Offen war aber bislang, ob dies in freundschaftlicher Absicht geschah oder mit dem Ziel, Valbuena zur Zahlung von Geld an die Erpresser zu bewegen.

Benzema wollte "Kindheitsfreund" einen Gefallen tun

Am Donnerstag verlautete nun laut der französischen Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen, dass Benzema der Polizei gestanden habe, sich auf Bitte eines als Mittelmann auftretenden „Kindheitsfreunds“ an Valbuena gewandt zu haben. Sie hätten abgesprochen, was Benzema sagen soll, damit Valbuena ausschließlich mit dem Mittelsmann verhandelt. Der Stürmer habe „seinem Freund einen Gefallen tun wollen“, hieß es, ohne daran zu denken, dass er damit Valbuena schadete.

Benzemas Anwalt Sylvain Cormier betonte dagegen am Donnerstag, sein Mandant habe „keinen Anteil“ an der Affäre. Er betone weiterhin „seine Unschuld“ und habe „überhaupt nichts zugegeben“, sagte Cormier. Auch der Mittelsmann ist seit Montag in Gewahrsam und sollte am Donnerstag ebenfalls einem Untersuchungsrichter in Versailles vorgeführt werden.

Unterstützung erhielt Benzema vom französischen Fußball-Verbandspräsidenten Noël Le Graët. „Zum jetzigen Zeitpunkt vertraue ich ihm. Er ist ein großer Spieler und eine große Persönlichkeit“, wird Le Graët in der französischen Sporttageszeitung L'Equipe zitiert.

Benzema war mit seinem Teamkollegen Franck Ribery nach der Fußball-WM 2010 bereits in den Fall um eine minderjährige Prostituierte verwickelt, deren sexuellen Dienste mehrere Nationalspieler in Anspruch genommen hatten. Die Ermittlungen in der Affäre wurden aber im Januar 2014 eingestellt.

SID/afp

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