Der Bundestrainer denkt schon an die WM

Merkur-Kommentar: Jogi Löws schwarze Haare

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Bundestrainer Löw nominiert vorläufigen EM-Kader.

München - Merkur-Reporter Günter Klein betrachtet in seinem Kommentar die Nominierung des EM-Kaders durch Bundestrainer Joachim Löw und meint: Der Coach denkt perspektivisch.

Bis auf die Schläfen ist Joachim Löws Haupthaar ja immer noch pechschwarz, angeblich färbt er nicht – man mag es jedenfalls kaum glauben, dass er schon zum sechsten Mal (einmal, 2006, als einflussreicher Assistent, und seit 2008 immer als Cheftrainer) eine Nominierung für ein großes Turnier vorgenommen hat. Zehn respektive zwölf Amtsjahre sind gewaltig für einen Bundestrainer. Löw selbst hat mal gesagt, nach einer WM gäbe es in der Regel 31 enttäuschte Nationen, die bereit sind, auf den verantwortlichen Stellen einen Umbruch zu vollziehen – tja, und er ist immer noch da. Und ein Ende nicht abzusehen (wenngleich es für 2018, nach der nächsten WM, als wahrscheinlich gilt).

Günther Klein.

Löw altert nur sehr dezent vor sich hin – was dafür spricht, dass er Spaß an seiner Arbeit hat und nicht von übermäßigen Sorgen heimgesucht wird. Wenn man nun seinen Kader für die EM 2016 mit dem vergleicht, den er vor zwei Jahren für die WM in Brasilien bestellen musste, kann man erkennen, dass es im deutschen Fußball einen weiteren Fortschritt gegeben hat. Auf Not-Nominierungen wie die von Kevin Großkreutz oder Erik Durm (der kaum Bundesligaspiele vorzuweisen hatte) ist Löw heute nicht mehr angewiesen, so vehement drängt die nächste Generation nach. Es ist richtig, auf eine blitzartige Entwicklung wie in den Fällen Sané, Brandt, Weigl und Kimmich zu reagieren – und es ist weitsichtig, Spieler wie Emre Can, Antonio Rüdiger und Julian Draxler zu fördern, auch wenn sie bei ihren bisherigen Spielen in der Nationalmannschaft noch nicht vorbehaltlos überzeugt haben. Monieren kann man im 27er-Kader allenfalls ein kleines Ungleichgewicht zu Lasten der Defensivabteilung – aber darin bildet sich eben das einzige Strukturproblem ab, das den deutschen Fußball plagt: Wer im Nachwuchs herausragt, wird in eine Kreativrolle gedrängt; es fehlt dafür vor allem an Außenverteidigern.

Manchmal ist Löw halt ein bisschen sentimental. Lukas Podolski die Tür zu weisen, das hat er sich bisher noch nicht getraut, auch bei Bastian Schweinsteiger zieht er nicht von sich aus den Schlussstrich. Vielleicht erledigt sich das Thema mit einer erfolgreichen EM – dann wäre das Werk der Alten vollendet und der Weg für die nächste Welle an Talenten frei. Löw hat längst die WM 2018 im Kopf. Mögen seine Haare bis dahin nicht ergrauen.

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