Donnerstag ManUnited, Montag Großaspach?

Nach Pokal-Coup: Werder droht kurioses Szenario

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Die Spieler von Werder Bremen feiern ihren Sieg im DFB-Pokal-Viertelfinale in Leverkusen.

Leverkusen/Bremen - In der Liga steht Werder Bremen vor dem Absturz, im Pokal sorgen die Hanseaten weiter für Furore - und dürfen nun sogar vom Titel träumen.

Den großen Coup inmitten trister Monate feierten die Fans von Werder Bremen mit Beharrlichkeit und Ausdauer. „Europapokal“, skandierten sie noch viele Minuten, nachdem ihr Team durch ein 3:1 (2:1) bei Bayer Leverkusen ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen war.

Und der ein oder andere mag auf der Rückfahrt in die Hansestadt das kuriose Szenario durchdacht haben, das Werder bevorstehen könnte: Wie bisher nur der 1. FC Kaiserslautern vor 20 Jahren könnte Werder in dieser Saison aus der Bundesliga absteigen und gleichzeitig Pokalsieger werden. Und könnte dann in der kommenden Saison theoretisch am Donnerstag in der Europa League bei Manchester United spielen - und Montag darauf in der 2. Liga bei der SG Sonnenhof Großaspach.

Die Protagonisten wussten deshalb auch nicht so recht, wie sie den überraschenden und obendrein hochverdienten Triumph in der BayArena bewerten sollten. Die Spieler hüpften minutenlang vor der Kurve, Manager Thomas Eichin strahlte über das gesamte Gesicht und Trainer Viktor Skripnik platzte fast vor Stolz. Doch in erster Linie war der Pokal-Triumph für die Hanseaten ein Mutmacher für den harten Abstiegskampf.

„Diesen Drive müssen wir jetzt in die Liga mitnehmen“, sagte Kapitän Clemens Fritz: „Es bringt nichts, nur im Pokal zu rennen.“ Natürlich „würde ich mich nicht gegen einen Titel zum Karriereende wehren“, erklärte der 35-Jährige, der im Sommer aufhören wird: „Ein Finale in Berlin ist für jeden Fußballer ein Wunsch, ein Traum, ein einmaliges Erlebnis. Aber mit Träumen kommt man nicht weiter. Wir brauchen in der Liga Punkte. Jeder weiß, worum es geht.“

Eichin war bewusst, dass das Pokalspiel unter anderen Vorzeichen stand als die Partien in der Liga, wo Werder am Freitag mit 1:5 in Mönchengladbach eingegangen war. „Im Abstiegskampf spürt man negativen Druck, in einem Viertelfinale nur positiven“, betonte er: „Wir hatten nicht viel zu verlieren. Diesen Schwung müssen wir mitnehmen. Wir können uns heute freuen, vielleicht noch am Mittwoch, aber dann gilt die ganze Konzentration der Bundesliga.“

Auch Skripnik blickte schnell demonstrativ nach vorne. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, sagte er trocken. Am Samstag, wenn der 17. Hoffenheim zum wegweisenden Spiel beim 16. Bremen antritt, „müssen wir liefern. Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wenn alles passt. Aber wir haben leider auch immer wieder Spiele dabei wie in Mönchengladbach.“

Was Werder, das seit 35 Jahren ununterbrochen in der ersten Liga spielt, nachhaltig Hoffnung macht für den Überlebenskampf, ist Routinier Claudio Pizarro. Der 37-Jährige traf mit seinem Foulelfmeter zum 2:1 (42.) im sechsten Pflichtspiel in Folge - und ging auch in anderer Hinsicht voran. „Ich habe den Jungs in der Halbzeit erzählt, wie schön es ist, den Pokal zu gewinnen“, berichtete der sechsmalige Pokalsieger hinterher mit seinem typisch-schelmischen Schmunzeln. Seine Kollegen bekamen strahlende Augen - und gewannen.

SID hs rd

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