Real-Madrid-Topstar

Alfredo Di Stéfano nach Herzinfarkt im Koma

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Alfredo di Stéfano spielte in einer Liga mit Pelé, Maradona und Franz Beckenbauer.

Madrid - Der frühere Weltklasse-Fußballer Alfredo di Stéfano hat am Samstag einen Herzinfarkt erlitten. Nun liegt er in einer Madrider Klinik im Koma - sein Zustand "kritisch, aber stabil".

Die Fußball-Welt bangt um einen ihrer größten Stars: Das argentinisch-spanische Fußball-Idol Alfredo Di Stefano hat einen Tag nach seinem 88. Geburtstag einen Herzstillstand erlitten und ist ins Koma gefallen. Ein Krankenhaussprecher erklärte der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag, sein Zustand sei „kritisch, aber stabil“.

Nach der Herzattacke war die Real-Legende fast 20 Minuten lang wiederbelebt worden. Di Stefano liegt auf der Intensivstation im Krankenhaus Gregorio Maranon von Madrid. „Das sind schlechte Nachrichten für den Fußball und für uns. Ich habe großen Respekt vor ihm und wünsche ihm gute Besserung“, sagte der argentinische Nationalspieler Gonzalo Higuain nach dem 1:0 (1: 0)-Erfolg im WM-Viertelfinale gegen Belgien.

Di Stefano war der wohl größte Star der 50er-Jahre, für Franz Beckenbauer war er sogar „der kompletteste Spieler der Welt“. Zwischen 1956 und 60 hatte „Don Alfredo“ Real Madrid zu fünf Titeln in Folge im Europapokal der Landesmeister, dem Vorgänger-Wettbewerb der Champions League geführt. In dieser bis heute erfolgreichsten Phase der Klubgeschichte wurde der „Mythos Real Madrid“ und des „weißen Balletts“ begründet. Di Stefano, dessen Vorfahren aus Italien stammen, bestritt gleich für drei Nationen Länderspiele: 6 für Argentinien, 4 für Kolumbien und 31 für Spanien. Seine Fans nannten den Sohn eines Viehzüchters aus Buenos Aires ehrfürchtig „La Saeta Rubia“, den „weißen Pfeil“. Er genoss den Ruhm, vor allem aber das Spiel. „Der Fußball hat mir alles gegeben. Ich habe ihn immer als Mannschaftsspiel verstanden und habe immer deutlich gemacht, dass ich nicht vergöttert werden will, sondern einfach nur spielen“, sagte er einst: „Und dazu muss man laufen und schwitzen.“ Für die Gauchos hatte er 1947 bei der Copa America debütiert, wurde später aber nicht mehr eingeladen, weil er seit dem Spielerstreik 1948 in Kolumbien spielte. Die Partien für Kolumbien waren von der FIFA nicht als offizielle Länderspiele anerkannt. So konnte er 1956 nach Erlangung der spanischen Staatsbürgerschaft auch noch für die Iberer spielen.

Bei einer WM kam Di Stefano aber nie zum Einsatz: 1958 verpasste Spanien die Qualifikation, vier Jahre später hinderte ihn eine Muskelverletzung. Dennoch ist er eine Ikone des Fußballs. 1957 und 1959 wurde er zu Europas Fußballer des Jahres gewählt, bei der FIFA-Wahl zum Spieler des Jahrhunderts wurde er Vierter. Hinter Pele, Franz Beckenbauer und Johan Cruyff, aber vor beispielsweise Diego Maradona, Michel Platini oder Eusebio. Neben den fünf Europapokalen gewann er 14 nationale Meisterschaften und wurde zehnmal Torschützenkönig in Argentinien, Kolumbien oder Spanien. Für Real erzielte er in 510 Spielen stolze 418 Tore, insgesamt waren 818 Treffer in etwas mehr als 1100 Einsätzen. Als Trainer führte er den FC Valencia 1971 zum Meistertitel und 1980 später zum Europapokalsieg im Wettbewerb der Pokalsieger. Auch Real und den argentinischen Renommierklub River Plate trainierte er je zweimal. Ehrenpräsident der Königlichen aus Madrid darf er sich seit 2000 nennen, seit 2008 ist er Ehrenpräsident der UEFA. Real-Präsident Florentino Perez hatte Di Stefano noch am Samstag im Krankenhaus besucht. „Wir sind alle sehr traurig“, sagte er anschließend den wartenden Journalisten.

SID

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