Löw muss gegen Irland umstellen

"Humorloser Sieg" soll her - Kramer fällt aus

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Christoph Kramer steht dem DFB-Team gegen Irland wegen einer Grippe nicht zur Verfügung

Essen - Nach der unerwarteten Niederlage in Polen steht der Weltmeister gegen Irland unter Zugzwang. Bundestrainer Joachim Löw gibt sich kämpferisch.

Die Iren sollen den aufgestauten Weltmeister-Ärger jetzt zu spüren bekommen. Die Champions wollen wieder an den Status der Unschlagbarkeit heranrücken. Das ist die Botschaft vor dem nächsten Qualifikationsspiel gegen Irland auf Schalke. Der letzte DFB-Auftritt in Gelsenkirchen taugt als Vorbild: Im September 2011 wurde Österreich mit 6:2 aus dem Stadion gefegt.

Irlands Co-Trainer Keane über die Deutschen: "Wie ein verwundetes Tier" 

Manuel Neuer und Co. wollen unter allen Umständen eine Wiedergutmachung gegen Irland. „Wut ist vielleicht das falsche Wort“, erklärte Joachim Löw vor dem nächsten Qualifikationsmatch der Fußball-Nationalmannschaft um das EM-Ticket am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) in Gelsenkirchen. „Aber wir haben den Vorsatz, dass wir gegen Irland unbedingt die drei Punkte einfahren wollen“, sagte der Bundestrainer kämpferisch. Zwei Pflichtspiel-Niederlagen nacheinander gab es unter Löw noch nie. Der irische Co-Trainer Roy Keane befürchtet bereits eine entsprechend wütende Reaktion der Deutschen nach dem 0:2 in Polen: „Wir treffen auf ein verwundetes Tier.“

Schalke-Star Draxler: "Ich bin bereit"

Auch der Ausfall von Christoph Kramer, der wegen einer Magen-Darm-Grippe nach Mönchengladbach zurückreisen musste, wird an der klaren Zielstellung des Favoriten nichts ändern. „Das 0:2 tat weh. Wir wissen, dass es kein Beinbruch ist. Aber wir sehen uns in der Pflicht, dass wir das Ruder wieder rumreißen“, sagte Julian Draxler forsch. Der Schalker Jung-Nationalspieler rechnete sich selbst Chancen aus, gegen die „Boys in Green“ einen Platz in der Startelf zu bekommen. „Vor dem Spiel in Polen war ich körperlich noch nicht auf der Höhe. Wenn mich der Trainer jetzt fragt, werde ich sagen, dass ich bereit bin“, erklärte Draxler.

Möglicherweise rückt auch der Hoffenheimer Sebastian Rudy als defensiver Part ins Mittelfeld und Draxler in eine offensivere Rolle. Der 21 Jahre alte Schalker ist wie seine Kollegen „heiß“ auf das Spiel in der Veltins-Arena, für das erst rund 50.000 der verfügbaren 54.000 Tickets abgesetzt sind. „Das Selbstvertrauen ist nach wie vor sehr groß. Weltmeister zu sein, heißt ja nicht, dass wir unschlagbar sind. Aber alle sind so weit, dass wir der Welt zeigen wollen, dass wir an den Status der Unschlagbarkeit wieder herankommen“, verkündete Draxler und demonstrierte damit die wilde Entschlossenheit.

Manager Bierhoff fordert: Erst treffen, dann zaubern

Mehr Effizienz will auch Oliver Bierhoff sehen, das Ergebnis steht für den Teammanager in der Partie gegen die kantigen Männer von der Grünen Insel vor Schönspielen: „Das ist reine Kopfsache, da brauchen wir keinen Tanz in der Kabine aufzuführen. Man sollte den Gegner erst bestrafen, ein Tor schießen und dann wieder zaubern.“ Der letzte Punch habe in Warschau gefehlt. „Aber so eine Niederlage ist auch hilfreich für junge Spieler, um zu lernen“, sagte der Manager.

Dem Warschau-Debütanten Karim Bellarabi gab Löw bereis wieder eine Einsatzgarantie, „weil er überzeugt hat“, sagte der Bundestrainer. Auch die Jung-Nationalspieler Antonio Rüdiger (bisher drei Länderspiele) und Erik Durm (vier) sind als Außenverteidiger erneut gesetzt. „Im Moment sind sie die erste Option“, sagte Löw, der trotz einer langen Ausfall-Liste keinen Spieler nachnominieren wird. Auch die Grippe, die Christoph Kramer am Montag zur Heimreise zwang ändert daran nichts.

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Löw spart mit Kritik am Polen-Spiel

Löw hat sich das Polen-Spiel nochmals in der Aufzeichnung angesehen. „Konsequenz im Abschluss ist noch mal das Thema mit der Mannschaft“, betonte der Freiburger: „Die Spielanlage war absolut in Ordnung.“ Die Stimmung im Team sei nicht schlecht, „sie ist gut“, berichtete der entspannt wirkende Chefcoach aus dem Quartier des Weltmeisters. Allzu viele Umstellung wird es deshalb nicht geben.

Die Tabellensituation soll zurechtgerückt werden

„Jetzt müssen wir einfach die Tabellensituation mit einem Sieg gegen Irland wieder in positiveres Licht rücken“, bemerkte Thomas Müller vor seinem 60. Länderspiel. „Das geht allerdings nur, wenn wir Tore erzielen. Da müssen wir das Ding noch mehr erzwingen“, ergänzte der Münchner Torjäger. Derzeit liegt die DFB-Auswahl mit drei Punkten in der EM-Qualifikationsgruppe D hinter Polen und Irland (je sechs Zähler) sowie Schottland (drei Punkte) nur auf Rang vier. „Wir können eine Kopie des Polen-Spiels erwarten“, kündigte Löw an. Die Iren würden auf eine kompakten Defensive und schnelle Konter setzen.

„Da müssen wir wieder aufpassen und jede Situation ernst nehmen“, unterstrich Ersatzkapitän Neuer. „Wir müssen wieder möglichst schnell in die Zwischenräume spielen und keine Konter zulassen“, ergänzte Toni Kroos. Immerhin hatten den Polen zwei gezielte Offensivaktionen gereicht, um die Anfälligkeit der deutschen Defensive aufzuzeigen. „Wir dürfen es nicht einfach abhaken“, betonte Innenverteidiger Jérome Boateng: „Wir müssen kritisch mit uns umgehen und sehen, was wir vorn und hinten falsch gemacht haben.“

DFB noch ohne Pflichtspielniederlage gegen die Iren

Die beiden bisherigen Siege in Georgien (2:1) und zuletzt gegen Gibraltar (7:0) haben das Selbstbewusstsein der Iren gestärkt. Der inzwischen 34 Jahre alte Robbie Keane, der bei Los Angeles Galaxy in der Major League Soccer MLS sein Geld verdient, sieht keinen Grund, „warum wir gegen Deutschland nichts holen sollten“. Allerdings hat Irland seit 1994 nicht mehr gegen die DFB-Elf gewonnen und in der Qualifikation für Brasilien (1:6/0:3) zwei hohe Niederlagen kassiert. In einem Pflichtspiel hat Deutschland gegen Irland noch nie verloren.

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung

Neuer - Rüdiger, Boateng, Hummels, Durm - Rudy (Draxler), Kroos - Bellarabi, Götze, Schürrle - Müller.

dpa

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