Welt- und Europameister spricht

Breitner im tz-Interview: DFB-Team wird uns in Frankreich begeistern

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Großer Fan des DFB-Teams und von Joachim Löw: Paul Breitner schätzt die Arbeit des Bundestrainers.

München - Paul Breitner gewann mit der DFB-Auswahl den WM- und den EM-Titel. Auch dem aktuellen Team traut er Großes zu. Besonders wegen Bundestrainer Joachim Löw.

Der Mann weiß, wie große Ziele zu erreichen sind. Paul Breitner wurde Welt- und Europameister, hat also geschafft, was Schweini & Co. sich selbst als Ziel gesetzt haben. Breitner glaubt daran, dass die Nationalmannschaft in Frankreich nachziehen kann. Das tz-Interview:

Herr Breitner, wird uns die Nationalelf in diesem Sommer wieder begeistern?

Breitner: Sie hat uns 2014 begeistert, und sie wird es dieses Jahr wieder tun. Im Großen und Ganzen hat sich ja nicht viel verändert, was die Ausrichtung der Mannschaft angeht. In den vergangenen zwei Jahren hat Joachim Löw zwar viel ausprobiert, aber die Grundidee ist ja die gleiche geblieben.

Dann dürfen die deutschen Fans den nächsten Titel erwarten?

Breitner: Wenn ich mir die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit anschaue, dann ist für mich klar, dass die Deutschen neben Spanien der Topfavorit auf den Titel ist. Und in Brasilien hat dann auch die beste Mannschaft triumphiert, doch das ist nicht immer so - das hat die Vergangenheit leider auch oft genug gezeigt.

Personell gibt es aber doch einige Änderungen. Mit Kimmich, Weigl und Sane setzt Löw auf drei Talente. Das richtige Zeichen?

Breitner: Das ist vor allem Ausdruck unserer wunderbaren Nachwuchsarbeit. Der deutsche Fußball verfügt über eine Menge überragender Talente. Das ist eine beruhigende Situation.

Aber von den erfahrenen Spielern sind nicht alle topfit. Bastian Schweinsteiger war lange verletzt, Mats Hummels ist es immer noch.

Breitner: Aber wir haben doch 20 Feldspieler im Kader. Was soll da passieren? Wir haben im Nationalteam eine ähnlich glückliche Situation wie beim FC Bayern. Es gibt keine A- und keine B-Elf. Auch auf die Nummer 15 bis 20 ist hundertprozentig Verlass. In einem Turnier kommt es nicht darauf an, ob einer schon 100 oder erst ein Länderspiel hat - sondern auf die Qualität.

Hummels eingerechnet sind sechs FCB-Profis dabei. In Brasilien hat diese Blockbildung zum Titel geführt. Ein gutes Omen?

Breitner: Nein, das ist die völlig falsche Sichtweise. Löw nominiert doch nicht viele Spieler vom FC Bayern, um mit diesem Block ein Fundament zu schaffen. Sondern weil jeder einzelne dieser Spieler auf seiner Position zu den besten gehört. Nur, um ein Gerüst mit den Bayern-Spieler aufzubauen, nimmt er sie sicher nicht mit.

Hans-Joachim Watzke hatte sich sehr verwundert gezeigt, dass kaum Akteure des BVB mit dabei sind.

Breitner: Das ist einfach zu erklären. Pierre-Emerick Aubameyang und Hendrikh Mkhitaryan sind aufgrund ihrer Nationalität nicht für den DFB spielberechtigt. Marco Reus und Ilkay Gündogan sind verletzt. Damit relativieren sich seine Aussagen doch schon.

Das Thema Nationalität betreffend gab es rassistische Äußerungen aus der Politik von AfD-Vize Alexander Gauland - gegen FCB-Star Jerome Boateng. Wurde da eine Grenze überschritten?

Breitner: Ich äußere mich ja in der Regel zu fast allem, aber da ist jeder Satz zu viel.

Seit zehn Jahren ist Jogi Löw mittlerweile schon im Amt, zuvor zwei Jahre als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann. 2004 war der DFB nach dem EM-Vorrundenaus am Boden, 2016 ist er Topfavorit auf den Titel. Hat Löw den deutschen Fußball revolutioniert?

Breitner: Joachim Löw ist einer der Väter des Erfolgs. Er war derjenige, der damals nicht die Augen vor der Realität verschlossen hat. Löw hat erkannt, dass wir einen unsäglichen Fußball ohne Zukunft gespielt haben. Und er wusste, was zu tun war. Löw hat nach Spanien geschaut, wo der Fußball der Zukunft schon gespielt und immer weiter perfektioniert wurde.

Also war es 2006 richtig, ihn zum Nachfolger von Klinsmann zu machen…

Joachim Löw.

Breitner: Löw war ja 2004 schon da. Klinsmann war nur der Projektmanager, er war der eigentliche Trainer und hat bereits Schritt für Schritt die Basis aufgebaut, die uns 2006 einen befreienden, begeisternden Fußball gebracht hat. In den folgenden vier Jahren entwickelte er die technische und taktische Qualität. 2010 hat die Mannschaft zum ersten Mal den Fußball gespielt, mit dem der FC Barcelona und die spanische Nationalelf schon das Spiel beherrschte. Da fehlte noch die Erfahrung, doch wir waren auf dem richtigen Weg.

Der gipfelte im WM-Titel. Wie muss Löw sein Team weiterentwickeln?

Breitner: In den nächsten vier bis sechs Jahren wird sich im Weltfußball nicht viel ändern. Früher war es so, dass eine WM immer wieder frische Ideen und neue Ansätze mit sich brachte. Aber mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, an dem es nur noch eine Art gibt, erfolgreich zu sein: den Highspeed-Fußball. Den gilt es immer weiter zu perfektionieren.

Sie selbst sind Welt- und Europameister. Welcher Titel ist einfacher zu gewinnen?

Breitner: Für mich war es immer so, dass eine Europameisterschaft das klar besser besetzte Turnier war - bis jetzt. Weil es viel weniger Mannschaften gab, was gleichbedeutend mit mehr Qualität war. Jetzt wird diese Endrunde verwässert. Vielleicht sehen wir heuer eine EM mit WM-Charakter. Vorher brauchte man schon im ersten Gruppenspiel seine Topform, um weiterzukommen. Das ist jetzt nicht mehr so.

Interview: Sven Westerschulze

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