Schiedsrichter: "Hatte Zweifel"

Phantomtor: Hoffenheim will Wiederholungsspiel

+
Durch ein Loch im Seitennetz ging ein Kopfball von Stefan Kießling ins Torl.

Sinsheim - Nach dem Phantom-Tor bei der 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen hat 1899 Hoffenheim Protest gegen die Spielwertung angekündigt. Auch der Schiedsrichter zweifelt an der Rechtmäßigkeit des Tores.

Leverkusens Angreifer Stefan Kießling hatte in der 70. Minute auf das Tor der Hoffenheimer geköpft. Der Ball ging am linken Pfosten vorbei und flog durch ein Loch im Seitennetz in das Tor. Schiedsrichter Felix Brych gab den Treffer zum 2:0. Sofort wurden Erinnerungen wach an das Phantom-Tor von Thomas Helmer 1994. Damals war das Spiel der Bayern gegen den 1. FC Nürnberg wiederholt worden.

„Ich hatte leichte Zweifel, aber die Reaktionen der Spieler waren eindeutig, es gab kein Kontra“, sagte Brych. „Es hat mir keiner gesagt, dass der Ball nicht im Tor war. Für mich ist das jetzt auch keine tolle Situation, ein Tor zu geben, das keins war.“

„Für uns war es unangenehm. So wollten wir das Spiel nicht gewinnen“, sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler. Kießling erklärte, dass er die Szene nicht gesehen habe: „Ich habe im ersten Moment gedacht, der Ball geht nicht rein. Dann kamen alle auf mich zugestürmt und haben mich umarmt“, sagte der Stürmer. Er sei überrascht gewesen, dass der Ball im Tor gewesen sein soll.

DFB-Sportgericht: Entscheidung erst übernächste Woche

Das DFB-Sportgericht wird frühestens übernächste Woche über das Phantomtor entscheiden. Diesen Zeitpunkt nannte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Andreas Rettig, am Samstag im TV-Sender Sky. „Herr Koch, der Herr des Verfahrens beim DFB, beabsichtigt, dass es erst nach dem Bundestag, der am Donnerstag und Freitag stattfindet und bei dem es zu personellen Veränderungen kommen könnte beim Sportgericht und beim Bundesgericht, zu einem finalen Ergebnis erst in der übernächsten Woche kommen kann“, sagte Rettig.

Zugleich betonte er, dass eine Entscheidung „unter dem Vorbehalt und der Abstimmung mit der FIFA stünde. Ähnlich hatte sich zuvor der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geäußert. Der Weltfußballverband habe immer wieder das hohe Gut der Tatsachenentscheidung angeführt.

„Ich glaube, dass die Tatsachenentscheidung in unserem Lande - und mag sie hier und da noch so ungerecht sein - ein sehr hohes Gut ist“, fügte Rettig an und erinnerte daran, dass durch die FIFA bereits ein „Urteil des DFB auf Neuansetzung einkassiert wurde, weil man das Gut der Tatsachenentscheidung höher bewertet hat als den Gerechtigkeitssinn“.

Reaktionen zum Phantom-Tor von Hoffenheim

Reaktionen zum Phantom-Tor von Hoffenheim

Zunächst wird der angekündigte Protest der Hoffenheimer gegen die Wertung des Punktspiels vom Freitagabend gegen Leverkusen (1:2) beim DFB erwartet. Außerdem wird spätestens am Montag der Bericht von Schiedsrichter Felix Brych (München) vorliegen. Danach wird Leverkusen vom DFB um eine Stellungnahme gebeten werden.

Die bizarren Rituale der Fußballstars

Die bizarren Rituale der Fußballstars

Ob es zu einem Wiederholungsspiel kommen wird oder die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters gilt, wird sich während der Verhandlung erweisen müssen. Der Weltverband FIFA ist schon immer ein klarer Verfechter des Prinzips der Tatsachenentscheidung, die für alle Situationen auf dem Platz gilt. Von diesem Prinzip kann nur abgewichen werden, wenn dem Schiedsrichter ein Regelverstoß nachgewiesen werden kann. Genau darum wird es bei der Verhandlung gehen.

Ob der „Fall Thomas Helmer“, nach dessen Phantom-Tor im Jahr 1994 das Spiel Bayern München gegen 1. FC Nürnberg (2:1) wiederholt wurde, tatsächlich als Präzedenzfall für die Vorkommnisse in Hoffenheim angesehen werden kann, ist noch offen.

dpa/SID

auch interessant

Meistgelesen

EM 2016: Gruppen, Spielplan und Termine im Überblick
EM 2016: Gruppen, Spielplan und Termine im Überblick
Sieben Teams schon im EM-Viertelfinale: Drei Paarungen stehen fest
Sieben Teams schon im EM-Viertelfinale: Drei Paarungen stehen fest
Sie glauben nicht, was Jogis T-Shirt gekostet hat
Sie glauben nicht, was Jogis T-Shirt gekostet hat

Kommentare