Porträt nach DFB-Rücktritt

Philipp Lahm: Der Unersetzliche

Philipp Lahm hat seine Karriere in der Nationalmannschaft nach 113 Länderspielen beendet.
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Philipp Lahm hat seine Karriere in der Nationalmannschaft nach 113 Länderspielen beendet.

München - Philipp Lahm blickt auf eine erfolgreiche Karriere in der Nationalmannschaft zurück. Die Anerkennung seiner Trainer hatte er schon vor dem WM-Gewinn sicher.

Hermann Gerland gefiel, was er da sah. Dieser Philipp Lahm, meinte der damalige Trainer der Amateurmannschaft von Bayern München Anfang der 2000er, sei wirklich „gut“. Gut? Das waren nach Meinung mancher Experten auch Lahms damalige Mitspieler Markus Husterer oder Stefan Kling. „Wenn ich einen Spieler als gut bezeichne“, stellte Gerland später allerdings klar, „ist das die höchste Anerkennung, die er von mir erwarten kann.“ Husterer und Kling nannte er nie gut. Und auch sonst ist kein Spieler bekannt, den Gerland jemals so lobte.

Außer Lahm. Natürlich hält auch Gerland seinen Schützling Lahm nicht nur für gut, sondern schlicht für Weltklasse. Wie jeder, der etwas von Fußball versteht. Doch die Untertreibung seines Förderers beschreibt die Karriere des Kapitäns der Weltmeister von Rio de Janeiro ganz gut. Von Lahms Qualitäten sind alle von je her so überzeugt, dass diese eigens hervorzuheben als müßig erscheint. Deutschlands Fußballer des Jahres, man mag es kaum glauben, war der unvergleichliche Lahm nie. 2013, im Jahr des Champions-League-Triumphs mit dem FC Bayern, war Lahm mal 14. bei der Weltfußballer-Wahl. 14.! Mit 0,82 Prozent der Stimmen.

Doch Lahm musste nicht erst Weltmeister werden, um die Anerkennung zu erfahren, die ihm gebührt. „Er ist der intelligenteste Spieler, den ich je trainiert habe“, sagte Pep Guardiola im August 2013, als er gerade einmal ein paar Wochen bei den Bayern im Amt war. Guardiola! Der Mann hat Weltstars wie Lionel Messi, Andres Iniesta und Xavi trainiert. Lahm gehört in diese Reihe. Guardiolas Lieblingskollege Jose Mourinho bekannte während der WM: „Ich liebe Philipp Lahm.“

Für Bundestrainer Joachim Löw ist Lahm „einer der Spieler, die auf jeder Position spielen können. Ich glaube, er ist der Einzige auf der Welt, der so flexibel einsetzbar ist, und überall seine Weltklasse-Leistung abruft.“ Franz Beckenbauer adelte Lahm im vergangenen Herbst anlässlich dessen 100. Länderspiels als „Vorbild und Tausendsassa. Ich kenne keinen Spieler, der seit Jahren so beständig auf hohem Niveau spielt. Keinen einzigen!“ Für viele Experten war er in der vergangenen Saison der beste Außenverteidiger UND defensive Mittelfeldspieler der Welt.

Philipp Lahm: Seine DFB-Karriere in Bildern

Philipp Lahm: Seine DFB-Karriere in Bildern

Diese Klasse wird Lahm fortan und mindestens noch bis 2018 nur noch für den FC Bayern zeigen. „Seinen“ FC Bayern, für den der gebürtige Münchner bereits seit 1995 spielt und für den er jede im Vereinsfußball ausgespielte Trophäe errang. Löw dagegen muss sich eine neue rechte Hand suchen. Wie wichtig Lahm für den Bundestrainer ist, zeigte sich nicht zuletzt im WM-Finale. Als nach Sami Khedira auch dessen Ersatz Christoph Kramer ausfiel, rief Löw seinen Kapitän zu sich an die Seitenlinie, um mit ihm zu beraten, was denn nun zu tun sei.

Lahm hielt bei der Besprechung die Hand vor den Mund, es sollte keiner erfahren, was genau da geredet wurde. Im normalen Leben ist der „Außenminister“ des FC Bayern auskunfstfreudiger. Stets höflich, manchmal nichtssagend. Aber messerscharf, wenn es darauf ankommt. Ein echter Leader. Ein richtiger Typ. Oder, wie es „Kaiser“ Beckenbauer einmal sagte: „Ein kleiner Kerl, aber eine große Persönlichkeit.“ Kurz: Unersetzbar.

SID

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