Blatter soll weg

Platini „in Gefahr“: FIFA-Wahl bislang eine Farce

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UEFA-Präsident Michel Platini steht unter Druck.

Frankfurt/Main - UEFA-Chef Michel Platini will auf jeden Fall für das Präsidentenamt in der FIFA kandidieren. Sepp Blatter soll auf jeden Fall so schnell wie möglich weg.

Die deutschen Rücktrittsforderungen gegen FIFA-Boss Joseph S. Blatter werden immer lauter. Doch weil dessen einstiger Kronprinz fast ebenso tief im unfassbaren Korruptionsskandal verwickelt zu sein scheint, droht dem Fußball-Weltverband ein gefährliches Machtvakuum. „Platini en danger“ - Michel Platini in Gefahr, titelte die französische Tageszeitung L'Equipe am Mittwoch, vielleicht in weiser Voraussicht.

Trotz der drohenden Sanktionen durch die FIFA-Ethikkommission - in der Schweiz wird angeblich sogar ein Strafverfahren vorbereitet - strebt der 60 Jahre alte Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) weiter nach der Macht. „Ich bin immer noch entschlossen, für das Präsidenten-Amt der FIFA zu kandidieren, damit ich die Führungsreformen, die zur Wiederherstellung der Ordnung und Glaubwürdigkeit des Weltfußballs notwendig sind, veranlassen kann“, sagte Platini der Nachrichtenagentur AFP. Stand heute eigentlich undenkbar.

Am 26. Februar soll Blatters Nachfolger gewählt werden, bis zum 26. Oktober läuft die Bewerbungsfrist. Neben Platini wollen der südkoreanische Milliardär Chung Mong-Joon (63), Brasiliens Idol Zico (62) und ein paar andere Gestalten zugelassen werden. Die Zeit läuft.

Das Horror-Szenario, in dem keiner entweder den vorgeschriebenen „Integritätscheck“ der FIFA-Ethiker besteht (Platini, Chung) oder die fünf nötigen Unterschriften vorbringt (Zico), ist derzeit sogar wahrscheinlich - dann würde Blatter (79) wegen fehlender Kandidaten Präsident bleiben. Die Hoffnung würde auf Außenseitern wie dem früheren Freiheitskämpfer Tokyo Sexwale (Südafrika/62) ruhen. Es fehlt der eine, richtig gute Kandidat.

„Ich bin der Meinung, dass nun schnell gehandelt werden muss und eine Änderung an der Spitze der FIFA sofort notwendig ist“, forderte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in der Sport Bild. Dabei reiche es „nicht mehr, dass Blatter seinen bereits angekündigten Rücktritt im Februar 2016 vollendet“. Auch für die Sportausschussvorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag (62), sei es „völlig undenkbar, dass er noch im Amt bleiben will“. Blatter könne nicht „an der Spitze dieses Verbandes bleiben, auch nicht bis Februar“, sagte die SPD-Politikerin bei Sky Sport News HD.

Platini war ins Zwielicht geraten, weil in der Strafanzeige gegen Blatter, die den Weltverband ins Chaos gestürzt hatte, von einer „treuwidrigen“ Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken (1,83 Millionen Euro) die Rede ist, die Anfang 2011 auf Platinis Konto landete. Die Ermittler gehen von Schmiergeld aus, weil Platini seinen einstigen Ziehvater Blatter bei der Präsidenten-Wahl im gleichen Jahr unterstützte. Der Franzose streitet nicht die Zahlung, sondern den Verwendungszweck vehement ab.

„Im Fall von Platini ist es aus unserer Sicht nötig, eine schnelle, umfassende und stimmige Begründung zu bekommen, dass die Zahlungen sowohl juristisch haltbar als auch moralisch vertretbar sind“, sagte Hörmann: „Sie muss klar dokumentieren, dass eine entsprechende Leistung dagegensteht. Wenn die Vorwürfe nicht in kürzester Zeit ausgeräumt werden können, sehen wir die Notwendigkeit eines kompletten personellen Neubeginns an der FIFA-Spitze.“

Platini bekräftigte die Rechtmäßigkeit der Zahlung, er habe sie für seine Beratertätigkeit bei der FIFA (1999 bis 2002) nur mit Verspätung erhalten. Dies habe an der damaligen finanziellen Situation der FIFA gelegen, was Blatter gleich zu Beginn von Platinis Arbeit klargestellt habe. Der Finanzreport des Weltverbands für die Jahre 1999 bis 2002 weist einen Überschuss in Höhe von 115 Millionen Schweizer Franken auf (105 Millionen Euro). „An meiner Integrität besteht kein Zweifel. Ich habe nichts Falsches getan“, sagte Platini. Von der Schweizer Bundesanwaltschaft war Platini als „Auskunftsperson“ vernommen worden.

„Die ominöse Zahlung an Platini muss lückenlos aufgeklärt werden. Es ist niemandem verständlich zu machen, dass eine Dienstleistung, die zwischen 1999 und 2002 erbracht worden sein soll, erst 2011 bezahlt worden ist“, sagte Willi Lemke, Sonderbotschafter Sport bei den Vereinten Nationen (UN): „Es darf auch nicht ansatzweise ein Verdacht gegen Platini übrigbleiben, sonst steht das nächste Beben bevor.“

sid

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