Ausnahmezustand nach Sieg

Podolski von feiernden Polen schwer beeindruckt

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Die Polen bejubeln den Treffer zum 2:0.

Warschau - Mit dem 2:0 gegen Weltmeister Deutschland hat die polnische Fußball-Nationalmannschaft ihr Land in einen Ausnahmezustand versetzt. Im ganzen Land wurde ausgelassen gefeiert.

Als „Joker“ Sebastian Mila in der 88. mit dem 2:0 den historischen Sieg gegen den Weltmeister endgültig unter Dach und Fach gebracht hatte, brachen im Warschauer Nationalstadion alle Dämme. Die Stimme des Stadionsprechers überschlug sich, als er sechsmal hintereinander den Namen des Torschützen hinausbrüllte und über 50.000 glückselige Polen im Stadion und Millionen im ganzen Land immer wieder „Polska gola“ skandierten.

Als fünf Minuten später der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca das Spektakel auf dem Rasen beendete und der erste Sieg einer polnischen Nationalmannschaft nach zuvor 18 vergeblichen Anläufen gegen Deutschland in trockenen Tüchern war, ging die weltmeisterliche Party erst richtig los. Ganz Polen war im Ausnahmezustand. „Die Polen feiern mehr als wir die Weltmeisterschaft im Sommer“, äußerte der gebürtige Pole Lukas Podolski angesichts der Jubelszenen in der Arena.

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Auf dem Spielfeld lagen sich Spieler, Trainer und Betreuer der Bialo-Czerwoni, der Weiß-Roten freudetrunken in den Armen, während sie auf den Rängen lautstark mit Sprechchören ihren Torwart Wojciech Sczesny huldigten, der die Deutschen im Minutentakt mit tollen Paraden zur Verzweiflung gebracht hatte.

„Das ist doch mein Job“, sagte der Torwart des FC Arsenal, der nur kurz vor Schluss einmal machtlos gewesen wäre. Ausgerechnet sein Vereinskollege Podolski hatte mit einem herrlichen Volleyschuss nur die Latte getroffen. „Man muss auch mal Glück haben“, äußerte Sczesny anschließend mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht.

Die beiden Bundesligastars Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski, der als Letzter aus der Kabine kam, waren ebenfalls kurz nach dem Abpfiff noch berauscht. „Wir haben immer an uns geglaubt und haben uns heute selbst beschenkt. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte Bayern-Torjäger Lewandowski, der das 2:0 vorbereitet hatte. Dessen früherer Dortmunder Teamkollege Piszczek sah es ähnlich: „Wir sind überglücklich, dass wir zum ersten Mal gegen Deutschland gewonnen haben. Wir haben Geschichte geschrieben.“

Dies war unter anderem auch Arkadiusz Milik zu verdanken. Der an Ajax Amsterdam ausgeliehene Bundesligaprofi von Bayer Leverkusen hatte in der 51. Minute mit dem 1:0 die kleine Sensation eingeleitet. „Natürlich hatten wir auch Glück, aber das haben wir uns heute verdient“, sagte Milik.

„Milik zum ersten! Mila zum zweiten! Weltmeister Deutschland auf den Knien. Historische polnische Spieler. Ihr seid großartig!“, huldigte die Zeitung Fakt am Sonntag den polnischen Helden und die Gazeta Wyborcza schrieb euphorisiert: „Wenn man bislang nicht an Wunder geglaubt hat, konnte man nun eines mit den eigenen Augen verfolgen.“

Während ganz Polen auf Wolke 7 war und in Warschaus historischer Altstadt noch bis in den frühen Sonntagmorgen der Coup des Weltranglisten-70. gegen die Nummer eins der FIFA-Rangliste besungen und begossen wurde, dachte einzig und allein Polens Trainer Adam Nwalka schon wieder einen Schritt weiter.

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„Das Wichtigste haben wir noch vor uns: Schottland. Der Schlusspfiff dieses Spiels war der Anpfiff für das nächste“, sagte der 56-Jährige mit Blick auf Dienstag, wenn Polen seine Tabellenführung in der Gruppe D erfolgreich verteidigen will.

Dass der polnische Coach die Bravehearts aktuell stärker einschätzt als den Weltmeister, ließ er dann noch durch die Blume wissen. „Unser Plan war sehr einfach: Wir wollten gewinnen.“

Dass der historische Sieg nach dem Qualifikations-Warm-up in Portugal gegen Gibraltar (7:0) auch ein wichtiger Schritt in Richtung EURO 2016 in Frankreich war, war dem früheren Nationalspieler aber auch bewusst: „Wir haben jetzt schon sechs Punkte und blicken sehr optimistisch in die Zukunft.“

sid

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