Premiere von "Die Mannschaft"

Löw: "Oscar für Müller wegen Schauspielerei"

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Bundestrainer Joachim Löw würde Thomas Müller für seine Schauspieleinlagen einen Oscar verleihen

Berlin - Als Film des DFB über den DFB verrät „Die Mannschaft“ nur die Geheimnisse, die er auch verraten will. Dennoch ist der Film sehenswert.

Philipp Lahm kann den Hype um seinen Mitspieler Thomas Müller gar nicht verstehen. „Ich weiß gar nicht, was alle haben“, sagt der zurückgetretene Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schmunzelnd: „Eigentlich läuft er jeden Abend so rum.“

Zum Glück habe er „meine bessere Hälfte“ dabei antwortet Müller daraufhin mit gespielter Entrüstung und zeigt auf die eifrig nickende Ehefrau Lisa: „Die kann versichern, dass das nicht stimmt.“

Der Film „Die Mannschaft“ startet erst am Donnerstag in den Kinos. Dennoch diskutiert Deutschland schon seit Tagen über die Szene, in der Müller seinen Mannschaftskollegen im rosa Dirndl das Abendessen serviert. Aber der zweitbeste Spieler und zweitbeste Torschütze der WM ist nicht nur deshalb so etwas wie das Herz des Films. „Wenn dieser Film einen Oscar kriegt für Schauspielerei, dann ist Thomas Müller ganz weit vorne“, sagt Bundestrainer Joachim Löw dem SID: „Die Dirndl-Szene ist auf jeden Fall das lustige Highlight.“

Doch Müller steht noch in mehreren Szenen im Mittelpunkt: Der 25-Jährige erklärt seinen „Stolper-Freistoß“ im Achtelfinale gegen Algerien, er schreibt einen handschriftlichen Brief an Löw mit der Bitte, Golf spielen zu dürfen und er gibt nach dem Finalsieg den „Capo“ im Bus.

Müller beweist wieder einmal, dass er - wie man in Bayern kernig sagt - „sich nix scheißt“, dass ihm egal ist, was andere über ihn denken. Auch den Auftritt im Dirndl betrachtet er mit Selbstironie: „Wenn es mir richtig peinlich wäre, hätte ich gar nicht erst gewettet.“ Eine um einen Schlag verlorene Golfwette mit Physio Christian Huhn - deren Rechtmäßigkeit Müller im Film anzweifelt - hat ihm den denkwürdigen Auftritt eingebrockt.

Der zweite Nationalspieler, der schon vor der Weltpremiere des „Sommermächens Teil 2“ (FIFA-Boss Joseph S. Blatter) in Berlin eine vermeintlich peinliche Szene erklären musste, war Christoph Kramer. Der Mönchengladbacher musste als Einstand ein Lied singen. Und während Löw das „richtig gut“ fand, „weil Christoph einfach singen kann“, genügte die Darbietung nach Ansicht von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach „nicht als Bewerbung für die Regensburger Domspatzen“. Kramer selbst urteilt diplomatisch: „Meine Stimme ist nicht die beste. Aber ich habe viel Gefühl reingelegt.“

Klar ist: „Die Mannschaft“ ist ein Film des DFB über den DFB, zudem abgesegnet von der FIFA. Er enthüllt im Endeffekt nur das, was er auch enthüllen will. Überspitzt gesagt ist er ein 90-minütiger Werbespot für die Nationalmannschaft. Dennoch bietet er viele interessante, unverblümte Momente: Besonders die Gesangsszenen im Bus und die Tanzeinlagen zu nächtlicher Stunde auf der Weltmeister-Fete wirken bei Per Mertesacker und Co. erfrischend unzensiert.

Besonders gefallen neben dem herrlich schelmischen Müller der distanziert-verschmitzte Mertesacker - und Bundestrainer Löw, der der Versuchung widersteht, den großen Zampano zu geben. Er gibt sich demütig und bescheiden - bis er mit dem letzten Satz des Filmes („Wenn man Geschichte schreibt, dann ist das etwas Faszinierendes“) doch noch eine Brandmarke setzt.

WM-Stars bei der Premiere von "Die Mannschaft"

WM-Stars bei der Premiere von "Die Mannschaft"

Man sieht Löw auch, wie er im Spiel gegen die USA auf der Bank unzufrieden gestikuliert, ansonsten schießt aus jeder Pore des Films die pure Harmonie. „Wir waren sechs Wochen in Brasilien, und wir hatten nicht einen internen Konflikt, den wir hätten verbergen müssen“, beteuert Niersbach.

Die Entscheidung, Kapitän Lahm vom defensiven Mittelfeld wieder nach rechts hinten zu versetzen, fiel - das will der Film glauben machen - bei einem lockeren Plausch zwischen Trainer und Kapitän im Pool. Zudem wurde die ganze Mannschaft nach ihrer Meinung befragt. So ist der Film die perfekte (Selbst-) Inszenierung der großen WM-Familie. Doch nach einem historischen Erfolg sei dies auch mal erlaubt.

Am Montagvormittag wurden die Weltmeister von Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel noch mit dem "Silbernen Lorbeerblatt" geehrt.

SID

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