"Vereine schauen weg"

Manager: Malanda Opfer falscher Freunde

Der Wolfsburger Junior Malanda kam bei einem Autounfall ums Leben. Foto: Peter Steffen
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Der Wolfsburger Junior Malanda kam bei einem Autounfall ums Leben.

Kapstadt - Peter Smeets, Manager von VfL-Spieler Junior Malanda, sieht seinen Schützling als "Opfer seiner falschen Freunde". Er macht den Vereinen schwere Vorwürfe. 

Der belgischen Zeitung "Het Laatste Nieuws" berichtete er, dass der Wagen des Jungprofis in dem halben Jahr vor dem Unfall am Samstag auf der A2 zehnmal mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 Stundenkilometern geblitzt worden sei - dabei habe Malanda "fast nie" am Steuer gesessen. "Das Problem liegt vor allem bei den Vereinen", meinte Smeets. "Sie schauen weg oder wagen es nicht, streng zu sein, aus Angst, dass ihr Spitzentalent sich etwas anderes sucht."

In Südafrika bemühen sich die Club-Verantwortlichen und Spieler, wieder in den Alltag zurückzukehren. "Es ist notwendig, dass man in so einer Situation professionell begleitet wird", erklärte Manager Klaus Allofs. Er stellte den neuen Mitarbeiter im Wolfsburger Team-Hotel in Kapstadt vor. "Wir wollen das nicht verstecken und sind offensiv mit dem Thema umgegangen", fügte der Geschäftsführer hinzu. Marlovits selbst soll im Hintergrund arbeiten. Er bleibt zunächst bis zum Ende des Trainingslagers am nächsten Sonntag bei der Mannschaft, danach wolle man sehen, wie es weitergeht.

Der Bundesligaclub hat nach dem Unfalltod von Junior Malanda den seit vielen Jahren im Spitzensport tätigen Psychotherapeuten Andreas Marlovits mit nach Kapstadt genommen. Laut Allofs sind sowohl Einzel- als auch Gruppen-Gespräche der Spieler mit dem Psychologen vorgesehen. "Trauerarbeit verläuft bei 25 Menschen nicht parallel", erklärte der VfL-Manager und frühere Nationalspieler. Sportwissenschaftler Marlovits, der auch Theologie studiert hat, hat Erfahrung im Umgang mit traumatisierten Sportlern. Er begleitete nach dem Suizid von Nationaltorwart Robert Enke im November 2009 das Team des niedersächsischen Bundesliga-Nachbarn Hannover 96 und arbeitete später auch als Sportpsychologe beim 1. FC Köln.

Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking, die bei der ersten Trainingseinheit im Athlone-Stadion mit einer Schweigeminute ihrem gestorbenen Mitspieler gedacht hatte, bereitete sich am Dienstag mit einer Doppel-Schicht auf das erste Testspiel gegen Ajax Cape Town an diesem Mittwoch (18 Uhr) vor. Der Einsatz von Torwart Diego Benaglio ist dabei fraglich. Der Schweizer fehlte ebenso wie Co-Trainer Dirk Bremser wegen eines grippalen Infekts.

Mindestens drei Wochen müssen die Wolfsburger auf Josuha Guilavogui verzichten. Der französische Mittelfeldspieler, der am Sonntagabend nicht mit nach Kapstadt geflogen, soll am Mittwoch in Berlin wegen anhaltender Leisten-Beschwerden operiert werden.

dpa

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