Spanischer Kult-Kicker hofft auf Atletico

Raúl im tz-Interview: Das Calderon stichelt die Bayern an

tz-Reporter Menzel Lopez mit Raul (re.).

Madrid - Raúl Gonzalez ist eine Legende bei Real Madrid. Im tz-Interview spricht der ehemalige Weltklasse-Stürmer über die Partien im Champions-League-Halbfinale sowie seinen Ex-Klub FC Schalke.

1977 wurde Raúl González Blanco in Madrid geboren. Bis zur U 15 kickte er bei Atlético, als der damalige Präsident Jesus Gil aus Kostengründen die komplette Jugendabteilung auflöste – und das Jahrhunderttalent in die Arme von Real trieb. Letzte Woche traf die tz den Ausnahmestürmer am Rande der Berliner Laureus-Gala und sprach mit dem 102-maligen spanischen Nationalspieler über die Champions-League-Halbfinals, Deutschlands EM-Chancen und seinen Freund Julian Draxler.

Das Interview

Raúl, was bedeutet Ihnen Ihre neue Rolle als Laureus-Botschafter?

Raúl: Für mich ist das eine große Ehre. Ich werde alles daransetzen, damit ich jungen Menschen helfen und mich in viele Projekte einbringen kann, die Laureus auf der ganzen Welt ins Leben gerufen hat. Vor ein paar Monaten war ich bei einem Projekt in der New Yorker Bronx mit dabei und jetzt eben hier in Deutschland. All das sind tolle Erfahrungen für mich, denn es liegt mir sehr am Herzen, den Kids durch den Sport wenigstens ein klein wenig helfen zu können. Der Fußball hat mir und meiner Familie alles gegeben. Nun ist es an mir, wenigstens ein klein wenig davon zurückzugeben.

Bleiben wir beim Fußball. Die Bayern treffen im CL-Halbfinale auf Ihren Jugendklub Atlético Madrid. Wer macht’s?

Raúl: Es werden zwei unheimlich enge Spiele, da beide Mannschaften aktuell in starker Form sind. Ich weiß, dass ich das nicht sagen sollte, da ich hier in Deutschland eine tolle Zeit verbracht habe, aber ich drücke natürlich Atlético die Daumen. Und Real, denn ich würde mir ein spanisches Finale in Mailand wünschen. Erst mal gilt es aber, diese vier Spiele zu genießen, denn ich bin mir sicher, dass es tolle und vor allen Dingen auch enge Duelle werden. Und am Ende sollen die beiden Mannschaften ins Finale einziehen, die es am meisten verdienen.

Sie haben mit Real oft im Estadio Vicente Calderon gespielt. Ist die Stimmung wirklich so außergewöhnlich?

Raúl: Natürlich, das Calderon ist berüchtigt dafür, ein Hexenkessel zu sein. In der Allianz Arena wird es aber auch heiß hergehen, denn so ist das in einem Halbfinale der Champions League. Ich denke aber nicht, dass die Stimmung in den Stadien so einen großen Einfluss ausübt wie manch einer denken mag. Diese Spieler haben schon so gut wie überall gespielt und lassen sich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Die Akteure werden es genauso wie ich damals genießen und gerade bei den Bayern könnte ich mir vorstellen, dass sie diese Stimmung im Calderon sogar ein wenig anstachelt. Daheim pushen einen die eigenen Fans, auswärts eben die gegnerischen.

Ist gerade Atléticos defensiver und leidenschaftlicher Stil prädestiniert dafür, um die Bayern aus dem Wettbewerb zu schießen?

Raul absolvierte für den FC Schalke 66 Bundesliga-Spiele (28 Tore).

Raúl: Letzten Endes haben alle Mannschaften ihre Stärken und Schwächen, so ist es auch bei Bayern und Atlético. Ich bin mir sicher, dass beide Trainer die Schwachpunkte des jeweils anderen ausfindig machen werden, denn so erfahren und intelligent sind Pep und Simeone. Fakt ist, dass beide Mannschaften den Schritt nach Mailand tun können. Atlético, das immerhin den amtierenden Champion aus dem Wettbewerb geworfen hat, und die Bayern selbstverständlich auch. Es sind 180 Minuten, in denen viel passieren kann. In einem Halbfinale der Champions League geht es nicht mehr darum, ob eine Mannschaft oder die andere stärker ist – die Details entscheiden. Und die Tagesform.

Die könnte aktuell auch bei Real nicht besser sein. Zufrieden mit der Saison Ihres Herzensklubs?

Raúl: Real ist aktuell wieder sehr gut in Form und nach wie vor im Rennen um die Liga und die Champions League vorne mit dabei. Vor allem Zidane gilt es hervorzuheben, der seit seiner Ankunft einen großartigen Job leistet. Ich persönlich wünsche ihm und Real nur das Beste, am besten noch den ein oder anderen Titel diese Saison – warum nicht la undecima (elfter CL-Titel)?

Der spanischen Nationalmannschaft in Frankreich wohl auch?

Raúl: Es wird eine sehr schöne EM, so viel steht fest. Es gibt in diesem Jahr unheimlich viele Nationalmannschaften, die stark genug sind, um den Titel zu holen. Auch die deutsche Mannschaft gehört da natürlich dazu, die vor nicht allzu langer Zeit einen guten Wandel genommen, ihren Stil und ihr Personal verjüngt hat und daher auch völlig verdient die WM in Brasilien gewonnen hat. Die Selección gehört in meinen Augen aber ebenfalls erneut zu den Favoriten, da sie sich neben den tollen Spielern ebenfalls entwickelt hat. Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, mir die Spiele anzusehen und hoffentlich die Spanier erneut siegen zu sehen.

Bereiten Ihnen derweil Ihre Schalker Sorgen?

Raúl: Na ja, die Lage ist nicht besonders zufriedenstellend, das muss man ganz klar so sagen. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. Es sind noch drei Spieltage zu spielen und ich drücke ihnen natürlich die Daumen, damit sie diese siegreich bestreiten und kommende Saison erneut in Europa vertreten sind – zumindest in der Europa League. Auch wenn ich mittlerweile weg bin, bin ich nach wie vor Schalke-Fan und wünsche der Mannschaft nur das Beste.

Und Julian Draxler?

Raúl: Er ist mi amigo (lacht)! Aktuell ist er leider verletzt, das ist natürlich traurig. Vor ein paar Tagen habe ich erst wieder mit ihm gesprochen, aber ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass er sich schnell erholen wird, spätestens zur EM wieder fit ist und dort dann ein starkes Turnier spielen wird. Er hat eine großartige Saison gespielt, so viel steht fest. Vor allem gegen Real Madrid hat er sein Potenzial einmal mehr unter Beweis gestellt, das freut mich sehr für ihn.

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