Nach Pokal-Niederlage gegen Stadtrivale

Ancelotti will von Real-Krise nichts wissen

Real Madrid, Carlo Ancelotti
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Vor dem Spiel war noch alles gut: Carlo Ancelotti (r) umarmte den Atlético-Coach Diego Simeone.

Madrid - Erstmals seit 1950 hat Real Madrid drei Spiele in Serie gegen Stadtrivale Atlético verloren. Es hagelt Kritik. Die Profis um Weltfußballer Ronaldo wirken K.o.

Trainer Carlo Ancelotti wollte von einer Krise der teuersten Fußball-Mannschaft der Welt nichts wissen. Die spanische Presse fällte nach der zweiten Niederlage von Real Madrid nacheinander und dem drohenden Aus im Pokal gegen Stadtrivale Atlético ein eindeutiges Urteil. „Ein miserabler Jahresstart“, schrieb „El Mundo“ am Donnerstag. Vergessen scheinen bereits die 22 Pflichtspiel-Erfolge in Serie zuvor. „Vom als unschlagbar gefeierten Team bleibt kaum mehr als die Erinnerung übrig“, meinte „Mundo Deportivo“.

An diesem Samstag muss für die Star-Truppe um den zunächst geschonten Cristiano Ronaldo und die beiden deutschen Weltmeister Toni Kroos und Sami Khedira im heimischen Stadion Santiago Bernabeu wieder ein Sieg her. „Gegen Espanyol müssen wir schnell auf den Erfolgsweg zurückkehren“, forderte auch Ancelotti. „Real kann nicht verlieren“, meinte der brasilianische Nationalspieler Marcelo.

Gegen Atlético kassierten die Königlichen aber zum dritten Mal nacheinander eine Niederlage. Für den Arbeiterclub mit einem Etat von 140 Millionen Euro - Reals Etat liegt bei 540 Millionen - war der erneute Sieg eine Genugtuung fast schon historischen Ausmaßes: Zuletzt gewann Atlético 1950 dreimal in Serie gegen Real. Diesmal behielt der stets im Schatten der ruhmreichen Real-Profis stehende Club nach dem verloren Champions-League-Finale im vergangenen Jahr im spanischen Supercup, in der Liga und am Mittwoch nun auch im Hinspiel des Achtelfinales um die Copa del Rey die Oberhand. Rául Garcia per Elfmeter (57.) und José Giménez (76.) sorgten für die Entscheidung.

Dabei ließ Atlético-Trainer Diego Simeone nicht weniger als acht eigentliche Reservisten von Anfang an spielen. Der zurückgekehrte Nationalstürmer Fernando „El Niño“ Torres durfte trotz weniger Trainingstage mit seinen neuen Kameraden zudem erstmals nach siebeneinhalb Jahren das rotweiß gestreifte Trikot des spanischen Meisters tragen. „Bei mir zählt die gesamte Gruppe, nicht nur elf oder zwölf Spieler. Nur so können wir Erfolg haben“, sagte der 44 Jahre alte Motivationskünstler aus Argentinien.

Dass er - anders als Simeone - nicht „rotiert“ und seine Superstars verschleißt, warfen die Madrider Medien Ancelotti nach der Schlappe erneut vor. Vor 49 000 Zuschauern präsentierten sich auch Kroos und Khedira wie die meisten ihrer Kollegen im Vicente Calderón in schwacher Verfassung. Die Profis um Weltfußballer Cristiano Ronaldo, der erst nach einer guten Stunde eingewechselt wurde und nichts mehr ausrichten konnte, wissen um den Ernst der Lage. „Die nächsten Tage werden hart sein“, sagte Kolumbiens WM-Star James Rodríguez.

Ancelotti beteuert, beim Pokal-Rückspiel am nächsten Donnerstag sei noch ein Weiterkommen des Titelverteidigers möglich. Viele Änderungen wird er in der Liga gegen Espanyol und dann gegen Atlético angesichts der heiklen Lage wohl nicht vornehmen. Sicher eine gute Nachricht für Schalke 04. Die Spieler von Roberto di Matteo empfangen die Madrilenen am 18. Februar zum Achtelfinal-Hinspiel und sollten zum Mut tanken auf jeden Fall sich die Zeitung „AS“ anschauen. Real wirke „erschöpft“, heißt es da auf Seite eins.

dpa

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