Dino bleibt erstklassig

HSV übersteht Relegation - Ärger um Lasogga

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Hamburgs Pierre-Michel Lasogga beim Jubel mit den Fans nach Abpfiff.

Fürth - Ein Remis bei der SpVgg Greuther Fürth reichte: Bundesliga-Dino Hamburger SV hat die Relegation gemeistert und bleibt erstklassig.

Pierre-Michel Lasogga rammte Sportdirektor Oliver Kreuzer regelrecht aus dem Weg, riss ihn zu Boden und fiel Trainer Mirko Slomka in die Arme. Nach dem im letzten Moment verhinderten Absturz ließ vor allem der Lebensretter des Hamburger SV seinen Gefühlen freien Lauf. Lasogga hatte beim 1:1 (0:0) im Relegations-Rückspiel bei der SpVgg Greuther Fürth das wichtige Auswärtstor (14.) geschossen, das nach dem 0:0 in Hinspiel den historischen ersten Abstieg in die 2. Bundesliga verhindert hat.

Die Bundesliga-Uhr tickt nach 50 Jahren und 267 Tagen weiter, eine desaströse Spielzeit endete mit einem Happy End, doch Nationalspieler Heiko Westermann war für Freude viel zu geschlaucht. „Ich bin weg, auf einem anderen Planeten“, sagte der Abwehrspieler in der ARD: „Noch so eine Saison ertrage ich nicht, sonst bin ich selbstmordgefährdet. Wir haben nach einer schlechten Saison Glück gehabt, dass wir nicht abgestiegen sind.“

Lasogga ließ seine Freude nicht nur am eigenen Sportdirektor aus, sondern auch am Gegner. Der Stürmer jubelte provozierend vor der Bank, womit er beinahe eine Massen-Schlägerei auslöste. „Wenn man 90 Minuten beleidigt wird von der Bank, dann ist es einfach Genugtuung, dann ist mir alles scheißegal. Ich bin einfach voller Adrenalin“, rechtfertigte er sich.

Die nur im zweiten Durchgang starken Franken verpassten derweil den direkten Wiederaufstieg und die Möglichkeit, erstmals in der Vereinsgeschichte eine Liga höher als der just abgestiegene Erzrivale 1. FC Nürnberg zu spielen.

„Wir sind überglücklich. Das war eine schwere Geburt“, sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer in der ARD: „Manche sagen, es war peinlich, dass wir mit 27 Punkten die Relegation spielen durften. Aber das ist mir egal.“

Lasogga sorgte mit der Führung (14.) zunächst für kollektive Erleichterung bei den 1800 mitgereisten Hamburger Fans, den 15.000 Anhängern beim Public Viewing in der Hamburger Arena und Trainer Mirko Slomka. Stephan Fürstner hielt die Aufstiegshoffnungen der Fürther mit dem Ausgleich am Leben (59.), letztlich jedoch vergeblich.

Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen ließen die Spieler des HSV vor 17.500 Zuschauern in Fürth den Kampfansagen endlich Taten folgen. Zweikampfstark und mit hoher Laufbereitschaft - mit den langjährigen Nationalspielern Marcell Jansen und Heiko Westermann in der Startelf kamen die chronisch auswärtsschwachen Gäste energisch aus der Kabine und belohnten sich früh. Nach einer Ecke von Kapitän Rafael van der Vaart stieg der im Abstiegskampf lange schmerzlich vermisste Lasogga am höchsten und köpfte wuchtig ein. Unmittelbar vor der Standardsituation war Hakan Calhanoglu bei einer Doppelchance am Pfosten gescheitert, den Nachschuss des agilen Jansen parierte Fürths Schlussmann Wolfgang Hesl.

Auch nach dem ersten Treffer gab Hamburg über weite Phasen des ersten Durchgangs die Spielkontrolle nicht ab und hätte durch Lasogga, der aus 16 Metern zu unplatziert abschloss, höher führen können (35.). Fürth blieb dagegen lange Zeit unter den eigenen Möglichkeiten. Erst ein leicht verzogener Schuss von Angreifer Ilir Azemi (40.) sorgte für Gefahr vor dem Tor von Jaroslav Drobny, der erneut den an der Bandscheibe verletzten Nationalkeeper Rene Adler vertrat.

Zur Pause schien der HSV nicht nur den Gegner, sondern auch das zurückhaltende Fürther Publikum im Griff zu haben. Fürths Sportdirektor Rouven Schröder forderte bei Sky: „Es liegt auch in unserer Hand, dass die Zuschauer den Schalter nochmal umlegen. Ich will jetzt Mut, Leidenschaft und Vollgas sehen.“

Nach einer Viertelstunde Leerlauf im zweiten Durchgang, in der Hesl das Kleeblatt mit einem starken Reflex nach einem Lasogga-Kopfball aus kurzer Distanz im Rennen hielt (52.), schaltete das Team von Trainer Frank Kramer hoch. Zoltan Stieber steckte stark auf Fürstner durch, der mit seinem Tor eine hitzige Schlussphase einleitete.

Beste Spieler bei Fürth waren Hesl und Zoltan Stieber, beim HSV überzeugten Lasogga und Jansen.

20.000 HSV-Fans zittern beim Public Viewing mit

20.000 HSV-Fans haben beim Public Viewing am Sonntagabend in der Imtech-Arena während des Abstiegkrimis Hamburger SV gegen Greuther Fürth von der Hansestadt aus mitgefiebert. Auf einer 52 Quadratmeter großen Leinwand und zwei weiteren großen Bildschirmen verfolgten sie das Relegationsrückspiel - und jubelten frenetisch beim Führungstreffer von Pierre-Michel Lasogga in der 14. Minute. Die Fernseh-Begegnung wollten so viele Anhänger sehen, dass einige von der Nordtribüne auf die Seitenränge ausweichen mussten.

Bürgermeister Scholz: HSV hat aufopferungsvoll gekämpft

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat mit Erleichterung auf den Klassenverbleib des Hamburger SV reagiert. „Das war nichts für schwache Nerven“, sagte Scholz, der das Spiel des HSV beim Zweitliga-Dritten SpVgg Greuther Fürth live in Franken verfolgte. „Der HSV hat aufopferungsvoll gekämpft, und wir werden wie seit 50 Jahren auch künftig Erstliga-Fußball in Hamburg sehen.“ Der Bürgermeister gratulierte Trainer Mirko Slomka und seiner Mannschaft. Seinem Sprecher zufolge wollte Scholz noch am Sonntagabend nach Hamburg zurückkehren.

sid/dpa

Relegationsspiel Fürth gegen HSV: Bilder

HSV jubelt, Fürth enttäuscht - Bilder

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