Royal Bavarian Liga auf der Überholspur

196 Teams! Münchens Freizeit-Fußball-Liga boomt

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Voller Körpereinsatz, auch im Freizeit-Fußball. Algeria-Akteur Yousef Ghilizani attackiert Daniel Schulz (r.) vom FC St. Fouli.

München – Der Münchner Freizeitfußball boomt. 196 Mannschaften spielen in der Royal Bavarian Liga, kämpfen um Punkte, Aufstiege und Pokale. Sogar einige Promis kickten bereits in der RBL.

Sonntagnachmittag, Sonnenschein, etwa 14 Grad – perfekte Bedingungen für ein Fußballspiel im Herbst. Rund 70 Zuschauer haben sich auf dem Nebenplatz des SV München-Laim versammelt, warten auf den Anpfiff des anstehenden Matches. Doch spätestens beim Blick auf die Trikots fällt etwas auf: "FC Algeria", ok. Aber "FC St. Fouli"? Am Spielfeldrand wird noch die aktuelle Tabellenkonstellation mit dem Team "Die Monkeys" und ein vorangegangenes Testspiel gegen die "Glorious Bastards" besprochen. Was sind das denn für Mannschaftsnamen?

Die Erklärung ist einfach: Hier kicken keine Vereine, sondern zwei Mannschaften aus Münchens größter Freizeitfußball-Klasse, der Royal Bavarian Liga (RBL). Und die ist gerade im Saisonfinale angekommen. In Laim kämpfen Algeria und St. Fouli im direkten Duell in der 4. Liga A um den Aufstieg in die 3. Liga. Spannung liegt in der Luft.

RBL: 196 Mannschaften mit 6000 Spielern

Seit mittlerweile 30 Jahren treten Hobbykicker in der RBL gegeneinander an. Waren in der Premieren-Saison 1985 nur acht Teams vertreten, so sind es in der Spielzeit 2014 sage und schreibe 196 Mannschaften mit knapp 6000 Spielern, die in fünf Spielklassen und insgesamt zwölf Gruppen um Punkte kämpfen. Dazu kommen noch drei Staffeln der Ü30-Liga. Gespielt wird von März bis Oktober/November. Im Winter werden Hallenturniere veranstaltet.

Der Freizeitfußball allgemein ist eine "mystische Welt", wie Werner Augustin in seinem Buch "Die Freizeitkicker: Rammler und Alte Herren" schreibt. Er vergleicht ihn mit der Flucht in eine andere Welt. Und das dürften fast alle, die in der Royal Bavarian Liga aktiv sind, bestätigen. Stefan Mohme ist seit 1996 Liga-Chef, spielt dort selbst seit 1990. Der 47-Jährige kennt sich aus in dieser "mystischen Welt". Er ist stolz auf die Liga, die er mittlerweile liebevoll "mein Baby" nennt. Sie erfreut sich einer immer weiter wachsenden Beliebtheit.

Das sogenannte Gremium überwacht den RBL-Spielbetrieb. Dieses besteht aus elf Mitgliedern, die allesamt auf langjährige Manager-Erfahrung in der Liga zurückblicken, also dort einen Verein geführt haben. Das Gremium fungiert dabei mehr als Beobachter und schreitet erst ein, wenn etwas verkehrt läuft. "Wir sehen uns als Berater der Mannschaften", erklärt Mohme im Gespräch mit unserer Onlineredaktion. Es gibt fünf Grundprinzipien in der Liga. "Respekt, Wettkampf, Fairness, Freude und Tricks sind gewünscht", so Mohme. "Wir trennen uns schnell von Mannschaften oder auch nur von einzelnen Spielern, die sich an diese Grundprinzipien nicht halten." Auch dürfen pro Team nur zwei Akteure parallel aktiv in einem "richtigen" Verein Fußball spielen. "Wer das Ganze zu verbissen und ernst nimmt, ist bei uns falsch", so Mohme weiter.

RBL: So läuft der Spielbetrieb

Genau wie im regulären Fußball wird in der RBL über 90 Minuten auf normalen Fußballfeldern gespielt. Dennoch unterscheidet sich der Spielbetrieb der Royal Bavarian Liga in einigen Punkten erheblich von dem professionellen, vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Bayerischen Fußball-Verband (BFV) organisierten Fußball. So darf in der RBL beliebig oft zurück gewechselt werden, d.h. ein bereits ausgetauschter Spieler darf während der Partie wieder auf das Feld zurückkehren. Spielerpässe werden in der RBL nicht benötigt. Neue Mitwirkende können auch kurzfristig registriert werden.

Ein weiterer Unterschied: Feste Spieltage gibt es in der Royal Bavarian Liga nicht. Stattdessen wird den Teams ein Rahmenkalender zu Saisonbeginn mit auf den Weg mitgegeben, der vorgibt, bis wann ein Spiel absolviert sein muss. Der Zeitpunkt selbst ist dabei egal. Die Organisation eines Spielfeldes, eines Schiedsrichters und die Termin-Absprachen mit den Gegnern – all das regeln die Mannschaften selbst. Die dafür nötigen Infos finden die Teammanager auf der Internetseite der RBL, über die auch die Ergebnisse und Statistiken von ihnen gepflegt werden.

RBL: Auch Promis kickten bereits in der Liga

Thomas Tuchel, früherer Trainer von Bundesligist Mainz 05, spielt seit 2009 immer wieder für den FC E-Garten in der RBL.

Die Unterschiede zum BFV machen die RBL laut Mohme so attraktiv: "Hier spielst du mit Freunden, organisierst dich selbst, hast keinerlei bürokratischen Strukturen. Du bist selbst verantwortlich. Es geht in erster Linie ums Kicken, den Spaß am Fußball." Zehn bis 20 neue Mannschaften wollen pro Jahr in die Royal Bavarian Liga aufgenommen werden. Mohme ist begeistert darüber, sagt aber auch: "Wir wollen langsam und stetig wachsen. Wir schauen, dass die Teams zu uns passen." Die Liga ist so beliebt, dass hier auch schon einige bekannte Namen die Fußballstiefel geschnürt haben. Peter Brugger und Florian Weber von der Band Sportfreunde Stiller etwa spielen immer wieder für die "Atomic Allstars" aus dem Umfeld des Indie-Clubs Atomic Café. Auch die Ex-Profis Jimmy Hartwig (1860), Matthias Lust (Unterhaching) oder auch Ex-Mainz-Trainer Thomas Tuchel kickten bereits in der RBL.

Der Erfolg und die Beliebtheit der RBL werden auch beim Bayerischen Fußballverband registriert. "Die Royal Bavarian Liga hat im Sinne des Fußballs die Berechtigung zur Existenz", sagt der BFV laut Stefan Mohme, mit dem der Verband immer wieder Gespräche führt. Horst Winkler, BFV-Bezirksvorsitzender von Oberbayern, sieht in der RBL keinen unmittelbaren Konkurrenten für den eigenen Spielbetrieb. "BFV und RBL verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen", erklärt der 66-Jährige gegenüber unserer Onlineredaktion. Es sei ein friedliches Nebeneinander. Eine Konkurrenzsituation werde erst dann entstehen, wenn BFV und DFB ebenfalls einen entsprechend unbürokatischen Freizeitfußball anbieten können. "Aktuell fehlen uns hierfür die satzungsrechtlichen Grundlagen. Aber ich bin optimistisch, dass wir das in wenigen Jahren schaffen können", sagt Winkler. Dann würden die Karten noch einmal neu gemischt werden, wie er erklärt.

Royal Bavarian Liga: FC Algeria vs. FC St. Fouli

Royal Bavarian Liga: FC Algeria vs. FC St. Fouli

RBL: Marketing, Sponsoren und eigene Webseiten

Wie hochwertig mittlerweile auch in der Royal Bavarian Liga gespielt wird, ist beachtlich. Je höher die Spielklasse, desto professioneller wird die RBL. Einige Teams konnten Sponsoren gewinnen, betreiben eigene Facebook-Seiten mit hunderten von Fans und präsentieren vereinzelt sogar eigene Fan-Artikel mit ihren Logos. Auch Spielbeobachter und Scouts sind keine Seltenheit mehr. Streckenweise verschwimmt der Grenze zwischen Hobby und professionellem Fußball. Doch der Reiz der Unabhängigkeit, der Spielfreude und des gemeinsamen Erschaffens einer eigenen Elf steht bei allen Teams im Vordergrund.

In Laim trennten sich der FC Algeria und der FC St. Fouli in einem höchst spannenden und intensiven Spiel mit 2:2 (1:1). Die Gastgeber sind damit im Aufstiegskampf gescheitert. St. Fouli hingegen kann schon mit einem Remis im letzten Saisonspiel am 09.11. in Neuaubing gegen den FC Munich Kickers 06 noch den Sprung in die 3. Liga schaffen.

Weitere Informationen zur Royal Bavarian Liga, zur Teilnahme am Spielbetrieb und den aktuellen Partien gibt es online unter www.royalbavarianliga.de.

von Florian Weiß

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