Platzhalter für Starcoach

Giggs übernimmt ManU - Scholes wird Co-Trainer

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Paul Scholes (l.) und Ryan Giggs im Trikot von Manchester United (Archivbild vom 16.08.2010).

Manchester - Nach der Entlassung von Teammanager David Moyes übernimmt Dauerbrenner Ryan Giggs bei Manchester United. Der 40 Jahre alte Profi ist bis Saisonende Platzhalter für einen Starcoach.

Louis van Gaal? Oder Carlo Ancelotti? Ryan Giggs! Bei der Suche des Nachfolgers seines (gescheiterten) Nachfolgers hat sich Übervater Sir Alex Ferguson zunächst für seinen Ziehsohn entschieden.

Während der langjährige Teammanager des englischen Fußball-Rekordmeisters als graue Eminenz im Hintergrund die Optionen van Gaal und Ancelotti für die kommende Saison prüft, soll der „ewige Ryan“ dem strauchelnden Riesen United im Saisonendspurt die unter dem geschassten David Moyes verloren gegangene Identität zurückgeben.

Und wer wäre dafür besser geeignet als „Giggsy“? Moyes, der Schotte vom FC Everton, war bei United ein Outsider - Giggs ist der Insider schlechthin, er kennt den Klub aus der Arbeiterstadt und dessen Mentalität wie kein Zweiter.

Der Waliser kam mit 14 von Stadtrivale City zu United, wo er mit inzwischen 40 Jahren seine 24. Saison spielt. Giggs, Profi seit dem 1. Dezember 1990, ist der letzte aktive Spieler der „100 Football League Legends“, einer Liste von Helden aus der Zeit vor Gründung der Premier League (1992). 2011 wurde er in einer weltweit durchgeführten Abstimmung zum besten Spieler der Klubgeschichte gewählt - vor Ikonen wie Eric Cantona, George Best, Bobby Charlton, Cristiano Ronaldo und David Beckham.

Giggs, inzwischen unglaubliche 962-mal für die Roten Teufel aktiv, spielt nicht einfach bei United - Giggs ist United. Mit zwei Triumphen in der Champions League, 13 Meistertiteln, vier FA Cups und drei Ligapokalen ist er der am höchsten dekorierte Kicker in der Geschichte des Fußball-Mutterlandes. Und er ist längst mehr als „nur“ ein Fußball-Star: 2007 verlieh ihm die Queen den „Order of the British Empire“, seit 2009 hängt sein Porträt in der Waliser Nationalbibliothek.

Obwohl Giggs 2006 eine eher lasche Biographie schrieb, gilt er auf der Insel als harter Kerl, als Alpha-Männchen der „Class of “92„ um die späteren Stars Beckham, Paul Scholes, Gary und Phil Neville sowie Nicky Butt. Mit Giggs als Chef sowie Scholes, Phil Neville und Butt als Assistenten ist diese `Klasse“ nun fast wieder vereint.

Manchester United im Kurzporträt

Bayern-Gegner Manchester United im Kurzporträt

Giggs an der Spitze soll United laut Independent nach Moyes' Entlassung die „Bullishness“, also das Einschüchternde zurückgeben, und auf dem Platz zu dem offensiven Spektakelfußball zurückkehren, der United zur Weltmarke gemacht hat. Sein Vertrag als Spieler läuft mal wieder aus, ob er im Sommer aber tatsächlich Schluss machen wird, ist offen. Der Trainerposten bei United, hat er mal gesagt, sei neben dem als Nationalcoach von Wales der „ultimative“.

Seine UEFA-Lizenz ist in Arbeit. Experten auf der Insel trauen der Interimslösung für die letzten vier Ligaspiele der Saison zu, nach einer Zwischenphase von zwei, drei Jahren mit einem international renommierten Trainer wie van Gaal (Niederlande) oder Ancelotti (Real Madrid) langfristig ran zu dürfen.

„Er hat das Zeug zum Manager, ohne Zweifel“, sagt Rene Meulensteen. Der Niederländer kennt Giggs aus seiner Zeit als Assistent von Ferguson: „Er ist ein guter Denker, trifft clevere Entscheidungen, und er ist taff. Glaubt mir, er ist taff.“ Giggs' langjähriger Mitspieler Ole Gunnar Solskjær, Teammanager von Liga-Konkurrent Cardiff City, meint: „Giggsy hat Top-Potenzial.“

Am Samstag gegen Norwich City darf sich Giggs erstmals beweisen. „Du solltest so natürlich wie möglich sein“, sagte er dem Guardian über seine Leitlinie für das Trainer-Dasein: „Finde deinen eigenen Stil, versuche nicht, jemand anderes zu sein.“ Schon gar nicht van Gaal oder Ancelotti.

SID

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