Interview mit einem Nationalspieler San Marinos

Jogi, heute schenken wir euch einen ein …

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Seit 2010 gehört Nationalpieler Chaiaruzzi die Bar. Vorher hat er in der Bank gearbeitet.

San Marino - Nicola Chiaruzzi ist Nationalspieler San Marinos und gleichzeitig Barbesitzer. Gegen Deutschland wird der 28-Jährige nicht dabei sein können - und das wurmt ihn gewaltig. Das Interview:

Ob mir denn nach einem kühlen Bier sei, will Nicola Chiaruzzi wissen. Wir befinden uns in einer kleinen Seitenstraße des Monte Titano in San Marino, in der Via Bartolomeo Borghesi, und Nicola steht hinter dem Tresen und zapft seinen Kumpels gerade ein frisches Blondes. Es ist sein Laden. Ein Bier kostet 3,50 Euro, Cola gibt’s für einen Euro, Piadinas und Gebäck dürfen natürlich auch nicht fehlen. In einer Ecke nahe der Küche finden sich ein paar Gegenstände, die auf Nicolas zweite Leidenschaft schließen lassen: zwei Trikots, ein Fanschal und ein Champions-League-Ball. Chiaruzzi ist nicht nur Barbetreiber in der ältesten Republik der Welt, sondern spielt auch für die Nationalmannschaft von San Marino, die heute (20.45 Uhr, RTL) in der WM-Qualifikation auf Deutschland trifft. Grund genug, das Bier anzunehmen und mit dem 28-Jährigen über die etwas andere Seite des Fußballs zu reden.

Signore Chiaruzzi, freuen Sie sich schon auf das Spiel gegen den Weltmeister?

Chiaruzzi: Ehrlich gesagt nein.

Warum das?

Chiaruzzi: Ich bin verletzt und kann nicht spielen. Eine Schande ist das! Hier in San Marino spielen wir auf Kunstrasen, und zwar nicht gerade auf dem modernsten. Für den Rücken ist das die Hölle.

Also sitzen Sie auf der Tribüne?

Chiaruzzi: Ich suche noch nach einem Ticket, aber das Stadion ist voll. Könnte schwierig werden. Sieht also ganz danach aus, als müsste ich es mir hier in der Bar anschauen. Oder am besten gar nicht. Es macht mich sauer, dass ich nicht spielen kann – da verzichte ich lieber ganz darauf.

Also bleibt es vorerst bei Ihrem Highlight von Wembley.

Nationalpieler Chiaruzzi mit Reporter Menzel-Lopez.

Chiaruzzi: Es wird sich nicht vermeiden lassen. England war die erste große Nation, gegen die ich spielen durfte. In Wembley! Die ersten zehn Minuten habe ich gar nichts verstanden, ich war einfach nur glücklich. Wie ein kleines Kind. Ab der zehnten Minute habe ich mich dann gefangen und es war so, als ob ich hier in San Marino gespielt hätte. Auf Deutschland hatte ich mich aber besonders gefreut. Ein Jammer, dass es nicht klappt. Allein schon wegen Khedira.

Ihr Lieblingsspieler?

Chiaruzzi: Das nicht, nein. Aber er spielt für Juventus Turin, meinen Lieblingsverein. Ich hätte gern mit ihm das Trikot getauscht. Aber Kroos, Müller, Neuer – das sind alles grandiose Kicker. Und Özil! Ist er auch dabei?

Nein, der Bundestrainer schont ihn. Neuer, Kroos und Boateng spielen auch nicht.

Chiaruzzi: Dann haben wir ja vielleicht ’ne Chance (lacht)! Was glauben Sie denn, wie es ausgeht?

Ich?

Chiaruzzi: Ja, ich halte die Antwort schon aus.

Na ja, ich tippe auf kein Spiel auf Messers Schneide. 7:0, vielleicht 8:0.

Chiaruzzi: Alles unterhalb des zweistelligen Bereichs wäre gut. Und wer weiß, vielleicht hauen wir ihnen ja auch eins rein (lacht).

Worauf müsste man sich in diesem Fall einstellen?

Chiaruzzi: Das können Sie sich nicht ausmalen! Ich befürchte, das Stadion würde nicht stehenbleiben.

Wie steht es eigentlich um den Ligabetrieb in San Marino?

Chiaruzzi: Auch der ist vorhanden, er ist nur – wie auch der Rest bei uns – ein wenig kleiner als in anderen Ländern. In San Marino gibt es nur eine Liga, was schon mal den Vorteil mit sich bringt, dass man nicht absteigen kann. Es gibt insgesamt 15 Mannschaften, die sich in zwei Gruppen unterteilen. Die drei besten Mannschaften einer jeden Gruppe kommen weiter und treffen in einer Art Playoff aufeinander.

Kurze Zwischenfrage: San Marino ist rund 60 Quadrat-kilometer groß. Wie viele Stadien passen da denn überhaupt rein?

Chiaruzzi: Nur fünf, deswegen gibt es hier auch keine Heim- und Auswärtsmannschaften. Mal spielt eine Mannschaft hier, mal dort. So läuft das bei uns.

Und für welchen Verein spielen Sie?

Chiaruzzi: Für Tre Penne. Wir sind in der Ligengruppe B. Fußballer zu sein, reicht in San Marino aber nicht, um zu leben. Da braucht man einen normalen Job, um über die Runden zu kommen.

So wie Ihre Bar.

Chiaruzzi: Genau. Davor habe ich in einer Bank gearbeitet und mir das Kapital zusammengespart, das ich für die Bar benötigt habe. Seit 2010 gehört sie jetzt schon mir. Morgens übernehmen zwei Mädels die Schicht, abends bin ich da. Ich arbeite lieber abends, wissen Sie.

Bleibt da überhaupt noch Zeit fürs Training?

Chiaruzzi: Bei drei Einheiten die Woche ist das schon drin. Es sei denn, wir haben einer Länderspielwoche: Da trainieren wir natürlich täglich. So wie sich das gehört.

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