Schalke entlässt Magath und erhebt schwere Vorwürfe

Gelsenkirchen - Jetzt ist es offiziell: Bundesligist Schalke 04 hat sich am Mittwoch von Trainer und Manager Felix Magath getrennt. Laut seines Anwaltes reichte dieser nun die Kündigung ein.

Felix Magath fehlte, als Schalke 04 die Trennung beschloss und schweres Geschütz auffuhr. „Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie vorfinden müssen“, erklärte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, nachdem der den Rauswurf des Trainers und Managers verkündet hatte. Der unausgesprochene Vorwurf: Magath soll mehr Geld ausgegeben haben, als er durfte. Zudem sei das Verhältnis zu den Spielern völlig zerrüttet gewesen. Sein Nachfolger Ralf Rangnick steht angeblich bereits in den Startlöchern.

Magath reagierte einige Stunden später und kündigte selbst den Vertrag mit den Königsblauen. „Herr Magath hat die unberechtigte und unwirksame Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen“, teilte sein Medienanwalt Ralf Höcker am Nachmittag mit. Damit verzichtet der Trainer-Manager offenbar auf sein Gehalt bis zum Vertragsende 2013, geschätzte zwölf Millionen Euro. 

Zuvor hatte Tönnies seinen Vorwurf konkretisiert. „Dass nachhaltig die Kosten für die Mannschaft reduziert wurden, halte ich für die Aussage von jemandem, der vielleicht nicht ganz genau hingeguckt hat“, sagte der Aufsichtsratschef und widersprach damit Magaths Darstellung, er habe seit seinem Amtsantritt im Sommer 2009 die Personalkosten gesenkt. Er habe seinen Wunschtrainer auch in sportlich schwieriger Zeit immer gestützt, betonte der Aufsichtsratschef: „Dann hat es ein Schlüsselerlebnis gegeben, wo ich mich um 180 Grad gedreht habe.“ 

Dabei ging es offensichtlich um finanzielle Dinge, denn Wirtschaftsprüfer wurden eingeschaltet. Magath soll sich nicht daran gehalten haben, dass er Geschäfte über 300.000 Euro vom Aufsichtsrat genehmigen muss. 

Zudem bestätigte der Schalker Chefkontrolleur, dass sich der Mannschaftsrat um Kapitän Manuel Neuer mehrmals massiv über den Trainer beklagt habe. Selbst nach einem Gespräch „unter vier Augen“ mit Magath habe sich an dessen Umgang und Methoden nichts geändert, im Gegenteil: „Sie haben gesagt, es wird immer schlimmer.“ Daraufhin sei es zu einer „ziemlichen Auseinandersetzung zwischen uns beiden“ gekommen, sagte Tönnies. 

Neuer bestätigte, dass er sich an den Aufsichtsratschef gewandt habe. „Persönlich hatte ich ein gutes Verhältnis zu Magath, aber Spieler, die Probleme hatten, sind zu mir gekommen.“ 

Magath verzichtete am Mittwochmorgen darauf, zum Tribunal im Raum „Libuda“ in der Schalker Arena zu kommen. So votierte der Aufsichtsrat in dessen Abwesenheit einstimmig für die sofortige Trennung. Sportvorstand Horst Heldt wurde beauftragt, die Nachfolge-Frage zu lösen. Mit Rangnick, der von September 2004 bis Dezember 2005 bereits sehr erfolgreich auf Schalke arbeitete, sollen die Gespräche weit fortgeschritten sein. Tönnies kündigte eine „Toplösung“ an. 

Das Training am Mittwochnachmittag leitete Magaths altes Team um seinen ehemaligen Assistenten Seppo Eichkorn. Der 54-Jährige wird auch am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei Bayer Leverkusen als Interimstrainer auf der Bank sitzen. „Zum 1. April wird an einer Lösung gearbeitet“, sagte Eichkorn, der seinen Vertrag auf Schalke erfüllen will. 

Magath hatte am Morgen noch über Höcker mitteilen lassen, dass er die Gründe für seine Entlassung nicht kenne. „Man sollte nicht glauben, dass ein Fußballverein anders funktioniert als ein Fleischzerlegebetrieb: Wenn man einen Mitarbeiter loswerden will, dessen Nase dem Chef nicht mehr passt, werden oft irgendwelche formalen Regelverstöße gesucht, die eine vorzeitige Kündigung rechtfertigen“, sagte Höcker dem SID mit Blick auf den Fleischfabrikanten Tönnies. „Tausende Arbeitnehmer, die jedes Jahr entlassen werden, kennen das. Welche Regelverstöße allerdings Herr Magath begangen haben soll, darüber rätseln wir noch immer“, sagte Höcker. 

Tönnies nannte sogar noch einen dritten Grund: Magath habe die Fans für seine Zwecke benutzt. „Ich finde es in hohem Maße verwerflich, die Fans zu instrumentalisieren und Entscheidungen, die in jedem Fall zu treffen sind, zu manipulieren.“ Der Trainer und Manager hatte nach dem Aufstand der Anhänger wegen seiner umstrittenen Einkaufspolitik versucht, mit einem Facebook-Auftritt und der ständig wachsenden Zahl von „Freunden“ gegenzusteuern. 

Die sportliche Situation mit Platz zehn in der Bundesliga sowie dem Einzug ins DFB-Pokal-Endspiel und ins Viertelfinale der Champions League habe auf die Entscheidung keinen Einfluss gehabt, betonte Tönnies. Er habe auch nach dem katastrophalen Fehlstart in die Saison zu Magath gestanden: „Ich habe den Kopf aus dem Fenster gehalten, alle haben draufgehauen. Aber ich habe gesagt: Wir machen mit diesem Meistertrainer weiter.“ 

Eine Machtfülle wie für Magath, der neben Trainer und Manager auch Vorstandsmitglied war, wird es künftig auf Schalke nicht mehr geben. „Es ist für uns nicht aufgegangen“, sagte Tönnies: „Das künftige Modell wird wieder das herkömmliche sein. Es gibt einen Vorstand, der für den sportlichen Bereich verantwortlich ist und die Entscheidung über den Trainer trifft.“ 

Diesen Auftrag bekam nun Magaths ehemaliger Spieler Heldt. Wunschkandidat Rangnick soll angeblich noch in dieser Saison auf die Schalker Trainerbank zurückkehren. Der 52-Jährige hatte immer betont, sein Herz hänge noch an diesem Klub.  

sid

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Rubriklistenbild: © Getty

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