"Was ist teurer: Risiko oder Abstieg?

Werder Bremen zu neuen Schulden bereit

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Klaus-Dieter Fischer.

Bremen - Strategiewechsel bei Werder Bremen: Um einen Abstieg zu vermeiden, will die Klubführung neue Schulden machen. Der Aufsichtsrat ist zu Gesprächen bereit.

Kein Geld, keine Stars, keine Leistung: Angesichts des drohenden Abstiegs aus der Fußball-Bundesliga wird sich Werder Bremen untreu. Nach dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz stehen die sonst so konservativen Hanseaten vor einem Bremer Tabubruch. Um der Horror-Vorstellung 2. Liga zu entgehen, wollen die Klub-Bosse neue Schulden machen. Während der Aufsichtsrat Gesprächsbereitschaft signalisierte, fordern inzwischen auch immer mehr Fans das Ende der Sparpolitik.

„Wir müssen abwägen, was für den Klub teurer ist: ein Abstieg oder ein überschaubares Risiko“, sagte Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer der Kreiszeitung Syke und kündigte einen Strategiewechsel beim einstigen Europapokalsieger an. Weil das Eigenkapital am Ende dieser Spielzeit aufgebraucht sei, müsse der Klub nun doch bereit sein, finanziell ins Minus zu gehen.

Aufsichtsratschef Willi Lemke, der den Geldhahn noch vor wenigen Wochen einmal mehr zugedreht hatte, nahm den öffentlichen Vorstoß seines Vereinskollegen zwar „völlig überrascht“ zur Kenntnis, kündigte aber zugleich Gespräche mit der Geschäftsführung an. „Darüber werden wir mit der Geschäftsführung im Aufsichtsrat intensiv reden“, sagte Lemke dem SID. Mit Ergebnissen sei aber nicht in den kommenden Tagen zu rechnen.

Sportchef Thomas Eichin dürfte sich angesichts der neuen Sachlage die Hände reiben. Mit frischem Geld könnte er im Winter auf Shoppingtour gehen und dringend benötigte Verstärkungen für den schwächelnden Kader an Land ziehen. Heißester Kandidat ist dabei Bryan Ruiz vom FC Fulham. Der WM-Teilnehmer aus Costa Rica war sich schon im Sommer mit Werder über einen Wechsel einig - doch das Geld wurde vom Aufsichtsrat mit Verweis auf die finanziell angespannte Lage nicht bewilligt.

Auch zahlreiche Fans haben mittlerweile genug vom stetigen Abstieg ihres Klubs. In einer aktuellen Umfrage des Weser-Kuriers plädierten 86 Prozent für neue Investitionen und ein Ende der rigorosen Sparpolitik.

Zur Beschaffung neuer Gelder ist Werder sogar bereit, sich für Investoren zu öffnen. Man wolle sich „in erster Linie um strategische Partner“ bemühen, sagte Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Und auch Eichin hatte sich zuletzt „sehr offen“ für solch eine Lösung gezeigt. „Jeder, der gern Geld investieren möchte in ein gutes Produkt, ist bei uns herzlich willkommen“, sagte Eichin im SID-Interview unmittelbar vor dem Saisonstart: „Nun gilt es daran zu arbeiten, sowas geht nicht von heute auf morgen.“

Das Morgen könnte nun schneller kommen als erwartet. Angeblich hat sich bereits ein Kreis von Kaufleuten gebildet, der seine finanzielle Unterstützung in Aussicht stellt. Die möglichen Geldgeber wollen sich aber wohl nur engagieren, wenn ein Wechsel im Aufsichtsrat erfolgt und dessen Chef Lemke zurücktritt.

„Falls es an personelle Forderungen geknüpft ist, fände ich das sehr bedenklich“, sagte Lemke nun. Dies erinnere ihn an „Verhältnisse in anderen Vereinen“. Und auch Fischer appelliert an die Investoren in spe. „Das hilft Werder nicht weiter, wenn man die Unterstützung für den SV Werder an solche Bedingungen knüpft“, sagte der 73-Jährige, der gleichzeitig Präsident des Stammvereins des SV Werder ist, und formulierte „einen Appell an die Unternehmer, die solche Erklärungen abgegeben haben: Unterstützt Werder ohne persönliche Ressentiments.“

sid

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