"Wir sind noch im Rausch"

Vor Schottland-Spiel: Löw rechnet mit WM-Nachwehen

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Bundestrainer Joachim Löw.

Dortmund - Mit dem Spiel gegen Schottland startet Weltmeister Deutschland am Sonntag in die EM-Qualifikation. Vier Tage nach dem 2:4 gegen Argentinien muss sich vor allem die Abwehr steigern.

 Nach dem wochenlangen WM-Rausch befürchtet Joachim Löw offenbar einen Kater. „Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Einige unserer Spieler können die Belastungen der WM nicht so einfach wegstecken“, sagte der Bundestrainer vor dem Start des Weltmeisters in die EM-Qualifikation am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Dortmund gegen Schottland.

„Das wird keine leichte Aufgabe. Wir sind immer noch etwas in diesem Rausch. Aber wir haben keine andere Wahl. Wir müssen den Schalter umlegen und uns auf die neue Aufgabe konzentrieren“, pflichtete Andre Schürrle seinem Coach bei. Der England-Legionär vom FC Chelsea sagte aber auch im Brustton der Überzeugung: „Wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bringen, dann sind wir nur schwer zu schlagen.“

Das sieht auch Löw so, der aber nach dem 2:4 gegen Argentinien bei der Neuauflage des WM-Finales am vergangenen Mittwoch in Düsseldorf eine Steigerung von seiner Mannschaft verlangt. „Wir müssen natürlich besser spielen und dürfen uns nicht solche Nachlässigkeiten und Konzentrationsschwächen wie gegen Argentinien erlauben“, sagte Löw vor allem mit Blick auf seine Abwehr. Die Viererkette war gegen den Vize-Weltmeister die Achillesferse des DFB-Teams.

„Ich bin froh, dass Jerome Boateng zurückkehrt. Er wird mit Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung spielen“, sagte Löw. Für Boateng muss Matthias Ginter weichen. „Auf den Außenbahnen haben wir nicht so viele Möglichkeiten“, ergänzte der Bundestrainer. Löw tendiert dazu, die beiden Lokalmatadoren Kevin Großkreutz und Erik Durm, der am Mittwoch auf der linken Seite von Angel Di Maria eine Lehrstunde erhalten hatte, in der Kette zu belassen.

"Gomez ist ein guter Mann"

Offen ließ Löw, ob Mario Gomez nach seinem missglücktem Comeback gegen Argentinien, bei dem er drei klare Chancen vergab und bei seiner Auswechslung ein Pfeifkonzert über sich ergehen lassen musste, von Beginn an spielt. „Das spielt auch keine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass er bei uns Rückendeckung verspürt. Er bewegt sich gut und ist ein guter Mann im Strafraum“, stellte Löw klar.

Die Alternative zu Gomez ist WM-Held Mario Götze, der allerdings in seiner alten Heimat nicht sonderlich gelitten ist und zuletzt beim Spiel um den Supercup mit seinem Klub Bayern München im Dortmunder Stadion gnadenlos ausgepfiffen wurde. Löw hofft, dass sich dies nicht wiederholt, da der ehemalige BVB-Profi als Nationalspieler und nicht als Bayern-Profi aufläuft.

„Dortmund steht für Unterstützung, wir haben dort gute Erfahrungen gemacht. Mario hat das entscheidende Tor im WM-Finale geschossen. Deshalb gehe ich davon aus, dass das deutsche Publikum ihn feiern wird“, sagte Löw. Das hofft auch Schürrle: „Ich glaube, dass das Dortmunder Publikum schlau genug ist, unsere Spieler zu unterstützen.“

Unterstützung kann der von Verletzungssorgen (Schweinsteiger, Hummels, Khedira, Özil) geplagte Weltmeister gegen die seit einem Jahr ungeschlagenen Schotten dringend gebrauchen. „Schottland hat gegen uns nichts zu verlieren. Sie werden sich uns mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in den Weg stellen. Diese Mannschaft wird uns alles abverlangen“, sagte Löw über den Gegner, forderte aber zugleich: „Wir müssen diese Hürde nehmen.“

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:

Neuer - Großkreutz, Höwedes, Boateng, Durm - Kramer, Kroos - Müller, Reus, Schürrle - Götze (Gomez). - Trainer: Löw

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