Schweini-Ausfall würde "natürlich schmerzen"

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Bastian Schweinsteiger bei der Ankunft in Leipzig

Leipzig - Es ist wie verhext für Bastian Schweinsteiger. Die Leidenszeit des Nationalspielers in dieser Saison setzt sich auch vor der Europameisterschaft nahtlos fort. Doch jetzt macht Bundestrainer Löw Hoffnung.

Bundestrainer Joachim Löw hat Fußball-Deutschland nach dem 2:0-Erfolg im letzten Testspiel gegen Israel Hoffnung auf einen Einsatz von Bastian Schweinsteiger im ersten EM-Spiel am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal gemacht. „Bastian ist seit Mittwoch schmerzfrei. Er muss jetzt anfangen zu laufen und wird spätestens Dienstag wieder mit dem Team trainieren“, sagte Löw im ARD-Interview nach der Partie in Leipzig. Mittelfeld-Chef Schweinsteiger hatte sich im verlorenen Champions-League-Finale von Bayern München gegen den FC Chelsea an der Wade verletzt. Er saß am Donnerstagabend gegen Israel als Zuschauer auf der Bank.

Ein Bluterguss in der linken Wade bremst ihn in seinem Tatendrang, ein Einsatz beim Turnierstart gegen Portugal ist zum Wettlauf mit der Zeit geworden - Ex-Kapitän Michael Ballack und das WM-Sommermärchen 2006 lassen grüßen.

“Klar, würde Bastian gerne mittrainieren“, berichtete Philipp Lahm. Der Kapitän stufte die Blessur als “ernst“ ein und bewertete auch schon mal einen möglichen Startausfall seines Bayern-Kollegen: “Natürlich würde das schmerzen.“

Schweinsteigers Pechsträhne begann mit einem Schlüsselbeinbruch im November. Dann warf ihn zu Jahresbeginn ein Außenbandriss am rechten Sprunggelenk ein weiteres Mal zurück. Schweinsteiger kämpfte sich nach beiden Verletzungen wieder heran, quälte sich trotz fehlender Form und Spielpraxis sogar jeweils 120 Minuten durch die großen Spiele des FC Bayern in der Champions League gegen Real Madrid und Chelsea.

Umsonst: In Bundesliga, DFB-Pokal und Königsklasse wurde der 27-Jährige mit den Bayern immer nur Zweiter. Ausgerechnet er schoss im Heimfinale gegen Chelsea den entscheidenden letzten Elfmeter der Münchner an den Pfosten. Tränen, Wut, Niedergeschlagenheit - seit dem Spiel leidet Schweinsteiger seelisch und auch körperlich.

Die EM hatte der 90-malige Nationalspieler zum persönlichen “Neuanfang“ ausgerufen. Doch das Champions-League-Finale lässt ihn auch bei der Nationalmannschaft und vor dem neuen Ziel EM-Titel nicht los. “Er hat 115 Minuten mit einer leichten Verletzung gespielt“, beschrieb Löw die Problematik der Blessur in Schweinsteigers Wade und betonte: “Jetzt will ich das Risiko natürlich absolut minimieren.“

Der Bundestrainer verordnete dem Leistungsträger Sondertraining. Für die EM-Generalprobe am Donnerstag in Leipzig gegen Israel strich er Schweinsteiger vorsichtshalber aus seinen Planungen.

Selbst wenn Schweinsteiger am kommenden Montag nach dem Bezug des EM-Quartiers in Danzig endlich mit der Mannschaft trainieren sollte, wird er zum Turnierstart keinesfalls “voll im Saft stehen“ können, wie es Löw zur Vorgabe für seine EM-Startelf gemacht hat. Trotzdem wird der Bundestrainer um seinen Mittelfeldchef kämpfen, der sich - wie die lange verletzten Per Mertesacker und Miroslav Klose - unter Umständen auch erst während der EM “reinquälen“ soll ins Turnier.

Löw weiß um die Bedeutung der “absoluten Führungspersönlichkeit“ Bastian Schweinsteiger. Als er nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ballack vor der WM 2010 Lahm zum Kapitän ernannte, erklärte er Schweinsteiger nicht nur zu dessen Stellvertreter, sondern auch zum “emotionalen Leader“ des Teams. In Südafrika war Schweinsteiger der für alle sichtbare Chef der jungen DFB-Elf auf dem Spielfeld.

Auch der Vergleich mit Ballack und der WM 2006 drängt sich auf. Vor sechs Jahren verzichteten Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein damaliger Assistent Löw im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica auf den “Capitano“, der sich im letzten WM-Testspiel ebenfalls an der Wade verletzt hatte.

“Bei Ballack war es eine Verletzung, die häufiger aufgetreten ist und kein einzelner Fall“, relativierte Bierhoff und betonte: “Bei Bastian sollte mit dem richtigen Auskurieren die Sache erledigt sein.“ Das könnte zutreffen: Aber auch Ballack fand bei der Heim-WM nie zu seiner Höchstform. Deutschland schied im Halbfinale gegen Italien nach Verlängerung aus - auch Schweinsteiger war dabei.

dpa

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