Mit der Binde gegen Australien

Schweinsteiger: "Wir brauchen elf Kapitäne"

Bastian Schweinsteiger möchte viele Kapitäne in der Mannschaft haben. Foto: Arne Dedert
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Bastian Schweinsteiger möchte viele Kapitäne in der Mannschaft haben.

Frankfurt/Main - Bastian Schweinsteiger sieht seine neue Rolle als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft als "Ehre und Pflicht", aber nicht als große Veränderung.

Verdient hat er sich die Binde als heldenhafter und unverwüstlicher Anführer im WM-Finale, bei seinem Amtsantritt präsentierte sich Bastian Schweinsteiger dagegen bescheiden als einer unter vielen. „Es ändert sich nicht viel“, sagte Schweinsteiger, der Weltmeister Deutschland in seinem 109. Länderspiel erstmals offiziell als Kapitän anführen wird.

„Es müssen elf Kapitäne auf dem Platz stehen, wenn man erfolgreich sein will“, betonte der 30-Jährige, der aus seiner Beförderung keine große Sache machen will. „Ich war ja schon das ein oder andere Mal Kapitän. Jetzt bin ich es eben offiziell“, sagte er lapidar. Auf die Frage, wann er bei den Teamkollegen seinen Einstand gebe, erklärte er schmunzelnd: „Ich weiß von nichts. ` Und auch jene, was sich durch den WM-Triumph geändert habe, tat er mit fast schon Beckenbauerscher Lässigkeit ab: `Na gut, es steht jetzt ein Titel mehr auf der Autogrammkarte.“

"Man kann sich von allen Kapitänen etwas abschauen"

Als junger Spieler war Schweinsteiger einer, der mit frechen Sprüchen aneckte, der durch ständig neue Frisuren um Aufmerksamkeit rang und dem der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß auch schon mal den „Puderzucker aus dem Hintern klopfen“ wollte. Nun, mit 30, als Champions-League-Sieger und Weltmeister, scheint Schweinsteiger endgültig seinen Frieden mit der Welt und den Kritikern gemacht zu haben. Aus „Schweini“ ist der Mann Bastian Schweinsteiger geworden, aus dem „Cheffchen“ ein echter Leader.

Bei der Interpretation seiner neuen Rolle, die er als „Ehre und Pflicht“ empfindet, habe er kein bestimmtes Vorbild, versicherte der Bayern-Star: „Man kann sich von allen Kapitänen etwas abschauen. Jeder hat irgendetwas Spezielles.“

Doch Bastian Schweinsteiger wird sicher nicht so sein wie die Kapitäne, die ihn in seiner Karriere geprägt haben. Er wird weder das Alphatier a la Oliver Kahn oder Michael Ballack geben, dafür hat ihn die Zeit der „flachen Hierarchien“ und des Teamgedankens unter Bundestrainer Joachim Löw zu sehr geprägt. Und die Rolle wird ihm auch nicht so viel bedeuten wie dem stets ehrgeizig nach Machtpositionen strebenden Vorgänger Philipp Lahm.

Schweinsteiger inzwischen eine Legende

Selbstbewusstsein, das bayerische „Mia san mia“, trägt Schweinsteiger freilich schon zur Schau. „Wir sind Weltmeister, die Nummer eins der Welt - und das muss auch unser Anspruch sein“, betonte er. Dass er auf dem Platz vorangehen kann, hat er auch dem letzten Kritiker im WM-Finale von Rio bewiesen. Die Argentinier malträtierten ihn mit allen Mitteln, doch Schweinsteiger ließ sich am Spielfeldrand tackern, seine vor Schmerzen zuckenden Beine ließen die Zuschauer bis in die letzten Reihen mitleiden. Am Ende reckte er den WM-Pokal in die Luft, unter dem Auge eine blutende Wunde, der ganze Körper gefühlt ein einziger blauer Fleck.

Ausgerechnet nach den beiden heftigsten Rückschlägen seiner Karriere - der EM 2012, als er im Halbfinale gegen Italien (1:2) einer der schwächsten unter Schwachen war und dem Champions-League-Finale „dahoam“ 2013, als er den entscheidenden Elfmeter verschoss - war Schweinsteiger zur deutschen Fußball-Legende geworden. Große Sprüche hat er deshalb nicht (mehr) nötig. Der Weg dahin habe „sehr viel Kraft gekostet“, berichtete er, und kurz blitzte wieder das schelmische Grinsen von einst durch: „Aber es hat sich rentiert.“

sid/dpa

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