Viel Kritik an Wahl

Konkurrent gibt auf: Weitere Amtszeit für Blatter

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Zum fünften Mal FIFA-Präsident: Sepp Blatter.

Zürich - Joseph S. Blatter ist inmitten der tiefen Krise für vier weitere Jahre zum FIFA-Präsidenten gewählt worden. Der 79-Jährige setzte sich gegen Herausforderer Prinz Ali bin Al Hussein durch.

Der „Sonnenkönig“ hatte kurz mit den Tränen zu kämpfen, die Siegerposen fielen eher spärlich aus - am Ende war am „Teflon-Präsidenten“ aber wieder einmal nichts hängen geblieben: Für den riesigen Skandal bekam Joseph S. Blatter nur ein kleine Ohrfeige verpasst, der 79-Jährige bleibt aber dennoch Chef des Fußball-Weltverbands FIFA. Der Schweizer wurde beim Kongress am Freitag trotz aller Vorwürfe zum fünften Mal zum FIFA-Boss gewählt - allerdings scheiterte Blatter an der Zweidrittel-Mehrheit.

„Ich bin nicht perfekt. Aber ich werde die FIFA meinem Nachfolger in einem sehr guten Zustand übergeben“, sagte Blatter nach seiner Wahl: „Let“s go, FIFA!„ Bei seiner launigen Schlussrede war Blatter dann die Erleichterung anzumerken. `Ich war nervös“, äußerte der Präsident, der am Ende sogar einen Plausch mit Intimfeind Michel Platini hielt.

Der einzige verbliebene Herausforderer Prinz Ali bin Al Hussein (39) aus Jordanien erzielte einen Achtungserfolg bei der Abstimmung der 209 FIFA-Mitglieder in Zürich. Im ersten Wahlgang hatten Blatter (133 Stimmen) sieben Stimmen zur notwendigen Zweidrittel-Mehrheit gefehlt. Für Prinz Ali hatten 73 Delegierte votiert. Danach zog Ali zurück, der zweite Wahlgang fiel somit aus.

„Am Ende meines Mandats will ich eine solide FIFA weitergeben, eine FIFA, die den Sturm überstanden hat!“, sagte Blatter. „Es wird eine starke FIFA sein, das verspreche ich. Eine robuste FIFA. Eine schöne FIFA.“

Erneut präsentierte sich Blatter als Reformer, statt perönliche Konsequenzen zu ziehen. „Die vergangenen Ereignisse haben einen langen Schatten auf den Kongress und den Fußball geworfen“, sagte der neue und alte FIFA-Präsident: „Versuchen wir, diesen Schatten verschwinden zu lassen! Wir können nicht zulassen, dass der Ruf des Fußballs, der FIFA in den Dreck gezogen wird.“

Zu diesem „Dreck“ hatte sich selbst die Weltpolitik geäußert. Nach Wladimir Putin, der alle Kritiker kritisiert hatte, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem entgegen schnelles Handeln. Wichtig sei, „dass mit der Korruption gebrochen wird, dass Transparenz einkehrt. Das ist absolut notwendig bei diesem wunderschönen Spiel. Die schmutzige Seite muss aufgeräumt werden - und zwar dringend“, sagte Merkel.

Vor der Wahl hatte es eine Bombendrohung gegeben. Spezialisten der Züricher Stadtpolizei durchsuchten das Kongresszentrum und gaben am frühen Nachmittag Entwarnung. Dadurch verzögerte sich die Abstimmung bis in den frühen Abend.

Blatter ist seit 1998 Chef im Weltverband - und hat seitdem alle Skandale überstanden. Auch die Verhaftungen und erneuten Korruptionsermittlungen vom Mittwoch hielten die Delegierten nicht davon ab, ihrem „König vom Zürichberg“ das Vertrauen auszusprechen. Die Gegenstimmen kamen größtenteils aus Europa, auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte bei der geheimen Wahl nicht für Blatter stimmen. Insgesamt scheiterte die angestrebte Palastrevolution kläglich - obwohl Blatter so angeschlagen war wie noch nie.

Der Weltverband war am Mittwoch von zwei voneinander unabhängigen Ermittlungen der US- sowie der Schweizer Behörden erschüttert worden. Sieben hochrangige Funktionäre wurden wegen Korruptionsverdacht festgenommen, darunter zwei FIFA-Vizepräsidenten. Sie warten auf ihre Auslieferung in die USA. Zudem werden die WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) wegen „Unregelmäßigkeiten“ von der Schweizer Bundesanwaltschaft überprüft.

Persönliche Konsequenzen lehnte Blatter ab. „Die Schuldigen, die dahinter stehen - wenn sie denn als schuldig verurteilt werden - sind Einzelpersonen. Es ist nicht die gesamte Organisation“, sagte er: „Es sind Einzelne, die vergessen haben, dass sich unser Fußball auf Disziplin, Respekt und Fair Play stützt.“

Er räumte eine gemeinsame Verantwortung mit dem Exekutivkomitee der FIFA ein. „Und ich bin gerne dazu bereit, diese Verantwortung zu teilen und auch zu tragen. Wir sind an einem Scheideweg. Deshalb müssen wir uns zusammenschließen, nach vorne blicken und weitermachen“, sagte Blatter. „Wir können nicht andauernd alle kontrollieren.“

Der Schweizer prophezeite „schlechte Nachrichten“ für die kommenden Monate. Diese Zeit werde „nicht einfach“, sagte Blatter: „Wir müssen einen Weg finden, Dinge richtig zu machen. Ich werde nicht erlauben, dass die Würde jener, die so hart für den Fußball arbeiten, zerstört wird.“

Nach dem schwarzen Mittwoch in Zürich war der Druck auf die FIFA und vor allem Blatter weiter gestiegen. Mehrere Sponsoren denken derzeit über einen Rückzug aus dem Milliardengeschäft nach, die unabhängigen Welt-Organisationen wie Human Rights Watch und Transparency International nahmen Blatter, der wie kein Zweiter für die zahlreichen FIFA-Skandale steht, noch stärker ins Visier.

SID

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