Der Weltverband in der Krise

Blatter und Platini vor dem Aus - Was passiert jetzt bei der FIFA?

Zürich - Die provisorischen Sperren für Joseph Blatter und Michel Platini stürzen den Weltfußball in eine existenzielle Krise. Die deutsche Fußballführung sucht nach Zukunftsoptionen.

Am schwärzesten Tag in der Geschichte von FIFA und UEFA wurden die Chefs gleich beider Verbände ins Abseits gestellt. Eine Rückkehr von FIFA-Boss Joseph Blatter wäre nicht mehr nachvollziehbar. Und auch eine Zukunft von UEFA-Präsident Michel Platini im Zirkel der Macht scheint nicht mehr realistisch. Auch die deutsche Fußballspitze distanziert sich von dem französischen Partner.

Was bedeutet die 90-Tage-Sperre für Joseph Blatter?

6331 Tage war Joseph Blatter als FIFA-Präsident im Amt. Mit der provisorischen Sperre muss er seinen Schreibtisch nun vorerst räumen. Sein Berater verriet, dass der 79-Jährige Urlaub im Heimatkanton Wallis machen werde. Theoretisch könnte er nach Ablauf der Sperre wieder die Geschäfte übernehmen, wenn nicht ein endgültiges Urteil gefällt oder die Sanktion nach den Statuten um 45 Tage verlängert wird.

In der ersten Reaktion seiner Anwälte gab sich Blatter weiter kämpferisch. Die Theorie, dass er durch das nun praktisch besiegelte Aus der Präsidentschaftskandidaten Platini und Chung Mong Joon (die beide Einspruch gegen das Urteil eingelegt haben bzw. einlegen wollen) im Februar selbst noch einmal auf den Chefposten spekulieren könnte, mutet mehr denn je abwegig an.

Ist die Funktionärs-Karriere von Michel Platini auch beendet?

Die Situation für den Franzosen ist prekär. Die formalen Kriterien für eine FIFA-Präsidentschaftskandidatur hat er mit der Abgabe von fünf Unterstützerschreiben nationaler Verbände gerade noch vor Verhängung der Sperre erfüllt. Aber sind die Vorwürfe nicht bis zur Prüfung durch die Wahlkommission entkräftet, wird Platini sicher nicht als Kandidat zugelassen - und ist dann wohl auch als UEFA-Boss mittelfristig untragbar.

Die erste Reaktion von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach deutet zudem daraufhin, dass sogar seine Freunde und Partner Distanz aufbauen. Der deutsche Verbandsboss sprach von einem „Rucksack“ den der UEFA-Boss nun trage. Der DFB müsse die Situation neu bewerten.

Was passiert jetzt mit der FIFA und der UEFA?

Bei beiden Verbänden springen die dienstältesten Vize-Präsidenten ein. Ironie des Fußball-Schicksals: Issa Hayatou (FIFA) und Angel Maria Villar Llona (UEFA) gelten in der Fußball-Skandalhistorie keineswegs als unbelastet. Beide sind enge Verbündete von Blatter und haben dem Schweizer stets die Treue gehalten. De facto ist ihr Einfluss aber vorerst begrenzt. Gerade bei der FIFA führen eher die Rechtsabteilung unter Jurist Marco Villiger oder Interims-Generalsekretär und Finanzchef Markus Kattner die Geschäfte.

Damit ein geordneter Übergang in Zürich möglich ist, hat DFB-Chef Wolfgang Niersbach eine Exko-Sitzung in der kommenden Woche angemahnt. Wie die UEFA sich während der Sperre von Platini aufstellt - in der auch die EM-Auslosung (12. Dezember) in Paris terminiert ist - konnte sich aber auch der DFB-Boss noch nicht recht vorstellen.

Wie ist die Position des deutschen Fußballs?

Die Forderung nach einem schnellen Ende der Ära-Blatter ist nun für die deutschen Top-Funktionäre leicht zu formulieren. Interessant ist aber vor allem die Haltung von DFB-Boss Niersbach zur Situation bei der UEFA. Die Unterstützung für Michel Platini ist zumindest nicht mehr bedingungslos. „Wir müssen die neue Situation bedenken. Vor allem muss er selbst entscheiden, ob er mit dieser Belastung die Kandidatur aufrecht erhalten kann“, sagte Niersbach.

Die Funktionärsfreundschaft steht auf dem Prüfstand. Ligapräsident Reinhard Rauball - seit Monaten einer der schärfsten FIFA-Kritiker - fordert einen „kompletten Neuanfang“ und rief alle, „die unbelastet sind und Interesse am Fußball haben“ auf, diesen zu gestalten.

dpa

Rubriklistenbild: © afp

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