Weber im tz-Interview

Sky-Chef nach Attacke auf Reif: "Grenze überschritten!"

+
Seit 6. Juni 2011 ist Burkhard Weber Sportchef des Bezahl-Fernsehsenders Sky Deutschland.

München/Dortmund - Nach dem Angriff auf Sky-Kommentator Marcel Reif beim Ruhr-Derby Dortmund gegen Schalke zeigt sich der Sky-Sportchef Burkhard Weber besorgt.

Herr Weber, bitte erläutern Sie kurz die Situation von Samstagmittag: Was ist dort vor dem Stadion in Dortmund passiert?

Burkhard Weber: Marcel Reif war auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz, saß gemeinsam mit seiner Frau und einer weiteren Dame im Auto. Auf dem Weg zum Stadion kam der Wagen dann zum Stocken, weil vor ihm ein Pulk von Schalker Fans, eskortiert von der Polizei, unterwegs war. In dem Moment wurde Marcel Reif erkannt, die Leute schlugen mit den Händen auf das Autodach und rüttelten es hin und her. Eine durchaus angsteinflößende Situation. Deswegen hatte Marcel die Polizisten auch gebeten, aus diesem Pulk herausfahren zu dürfen, was dann auch geschah.

Wie sehr hat ihn dieser Vorfall beeindruckt? Gab es Überlegungen, das Spiel an diesem Tag nicht zu kommentieren?

Burkhard Weber: Nein. Es ist für ihn leider auch nicht das erste Mal, dass er massiv angefeindet wird. Marcel hat sich ein dickes Fell zugelegt. Allerdings hatte er in diesem Fall zwei Frauen mit im Auto, die das bis dahin so noch nie erlebt hatten.

Eine neue Qualität von Anfeindungen.

Burkhard Weber: Absolut. Und deswegen ist jetzt auch der Punkt gekommen, um zu sagen: Die Grenze ist überschritten, so geht es nicht weiter. Wir Journalisten, und da schließe ich auch die Hörfunk- und Printkollegen mit ein, sind kein Freiwild - nur weil irgendeinem Fan ein Kommentar zu seinem Fußballverein nicht passt. Wir müssen sehr aufpassen, dass das Ganze nicht eskaliert.

Sie sind ja schon ein paar Jahre im Geschäft: Was glauben Sie, warum schaukelt sich diese Schelte immer mehr hoch?

Burkhard Weber: Es fängt sicherlich mit der Anonymität im Internet an. In diversen Foren werden er und auch andere Kollegen aufs Übelste beschimpft. Damit wird der Kessel aufgeheizt. Und die Frage ist: Wo führt das hin? Man muss mittlerweile ganz klar ein Stoppschild setzen, denn so geht man nicht mit Menschen um. Wir sind immer noch beim Fußball. Den nächsten Schritt möchte ich mir gar nicht vorstellen. Aber ich möchte das jetzt nicht nur loswerden, weil Marcel ein Sky-Mann ist: Ob ARD, ZDF, Sport1 - die Kollegen bei diesen und anderen Sendern müssen Ähnliches erleben, leider.

Was wollen Sie den Leuten sagen, was ist Ihr Appell?

Burkhard Weber: Ich habe festgestellt, dass es vor allem auch mit dem Gruppenauftreten zu tun hat. Spricht man mal einzeln mit den Menschen, ist es in der Regel halb so schlimm, dann finden sie die Kommentare plötzlich gar nicht mehr so falsch. Teilweise können Sie die Arbeit von Marcel auch gar nicht beurteilen, weil sie Sky gar nicht haben. In der Gruppe wollen viele Menschen stark wirken, ihren Klub verteidigen. Vor solch einem Derby scheint der Hass-Pegel ohnehin recht hoch zu sein. Die Leute müssen registrieren, was da gerade passiert.

Wie wollen Sie das erreichen?

Burkhard Weber: Wir werden verstärkt mit den Fanbeauftragten der Vereine und mit Thomas Schneider, Leiter Fanangelegenheiten der DFL, das Gespräch suchen. Wir haben eine Fürsorgepflicht unseren Mitarbeitern gegenüber. Sie sollen nicht mit Angst ins Stadion gehen müssen.

Interview: Michael Knippenkötter

Michael Knippenkötter

Michael Knippenkötter

E-Mail:michael.knippenkoetter@tz.de

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

So sehen Sie FC Schalke 04 gegen Red Bull Salzburg heute live im TV und Live-Stream
So sehen Sie FC Schalke 04 gegen Red Bull Salzburg heute live im TV und Live-Stream
Calmund im Rollstuhl: So tapfer kämpft er gegen die Schmerzen
Calmund im Rollstuhl: So tapfer kämpft er gegen die Schmerzen
HSV feuert Labbadia per Telefon - Gisdol als Nachfolger?
HSV feuert Labbadia per Telefon - Gisdol als Nachfolger?
So sehen Sie FK Qäbälä gegen FSV Mainz 05 heute live im TV und Live-Stream
So sehen Sie FK Qäbälä gegen FSV Mainz 05 heute live im TV und Live-Stream

Kommentare