Spott für 96 nach dem Absturz - "Beschissene Situation"

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Martin Kind ist der Präsident von Hannover 96. Foto: Peter Steffen

Hannover in Zeiten der Krise: Die 96-Fans machen sich Sorgen und rücken teilweise von ihrem Lieblingsclub ab. Zudem erntet der Verein einigen Spott und erlebt, dass vieles als Tabellenletzter noch schwieriger als sonst ist.

Hannover (dpa) - Am fehlenden Engagement des Trainers liegt es nicht. Thomas Schaaf packt beim Krisenclub Hannover 96 kräftig mit an.

Der Übungsleiter des akut abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten geht mit gutem Beispiel voran und schleppt auch mal das Tor über den Platz, zusammen mit seinen drei Assistenten. Für Vergnügungen hat er keine Zeit. Die Einladung zu einer Gala aus Anlass einer Sportlerwahl schlug Schaaf zumindest aus.

Er habe mit der Leistung des abgelaufenen Jahres nichts zu tun, lautete die Erklärung des Vereins. Besonders erfreulich wäre die Gala aber ohnehin nicht gewesen, denn sie machte deutlich, wie sehr der Club in der niedersächsischen Landeshauptstadt an Popularität eingebüßt hat. 96, der frühere Seriensieger, kam bei der Wahl zu Hannovers Mannschaft des Jahres nur auf Platz drei. Die Leser der Tageszeitung "Neue Presse" wählten stattdessen die TSV Burgdorf-Hannover zur Nummer eins, obwohl der Handball-Erstligist auch nur Neunter der Tabelle ist. Und vor 96 lag sogar noch eine Wasserball-Jugendmannschaft.

Zudem musste das 96-Führungspersonal einigen Spott über sich ergehen lassen. Über Clubchef Martin Kind und Schaaf witzelte der Comedian Dietmar Wischmeyer alias "Günter der Treckerfahrer": "Das sind beides wechselwarme Säugetiere, die angeblich zum Lachen in den Keller gehen - da sind sie jetzt beide in ihrem Element."

Immerhin durfte 96-Torwart Ron-Robert Zieler die Ehrung als Sportler des Jahres entgegen nehmen. Der Nationalspieler ist fast immer der beste 96-Spieler, konnte den Absturz in den Keller der Tabelle aber auch nicht verhindern. "Es ist eine beschissene Situation", gab der Keeper auf der Bühne zu.

Kapitän Christian Schulz sagte ins Mikrofon, dass nach dem Wechsel von Michael Frontzeck zu Schaaf "eine gewisse Euphorie" dagewesen sei. Dann kam die Darmstadt-Niederlage und der Sturz auf Platz 18 - und Schulz erklärte dazu: "Das heißt nicht, dass die Aufbruchstimmung jetzt ganz weg ist."

Zieler und Schulz verließen die Gala - im Gegensatz zu einigen nach Mitternacht anwesenden Mitspielern - zeitig und bereiteten sich profimäßig auf das Training vor. Am Tag danach konnten sie den Spott der Kolumnisten der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" lesen: "Sackt Hannover Punkte ein, musst du wohl beim Handball sein."

Am Mittwochmorgen stand der auf Platz eins gewählte Zieler wieder auf dem Rasen und übte vor allem mit Torwarttrainer Jörg Sievers, während Schaaf sich vor allem um die Feldspieler kümmerte und erneut die Veränderungen sichtbar machte.

Der langjährige Werder-Coach zeigt sich in Hannover sehr kommunikativ. Schaaf führt bereits auf dem Rasen Einzelgespräche. Der 54-Jährige unterbricht die Einheiten im Gegensatz zu Vorgänger Frontzeck häufig und korrigiert die Spieler bei Fehlern. Er hat in Hannover viel zu tun.

Im Hintergrund versucht Manager Martin Bader derweil, für den bereits mit fünf neuen Profis erweiterten Kader einen zusätzlichen Innenverteidiger zu finden. Doch das ist problematischer als gedacht. "Die Situation ist schwierig", sagte Clubchef Kind: "Das Angebot auf dem Markt ist überschaubar." Und durch Platz 18 werde die Suche auch "nicht einfacher".

Training bei Hannover 96

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HAZ

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