Landespräsidenten machen Druck

WM-Affäre: Darum ist Beckenbauer aus dem Schneider

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Gegen Franz Beckenbauer wird im Zuge der Affäre um die Fußball-WM 2006 nicht ermittelt.

Frankfurt/Main - Der Druck auf Wolfgang Niersbach beim Skandal rund um die WM 2006 wird immer größer. Franz Beckenbauer ist dagegen vorerst aus dem Schneider.

Am Tag nach der Razzia fehlte Wolfgang Niersbach zwar bei der Mitarbeiterversammlung, seinen Posten hat der taumelnde Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aber (noch) nicht geräumt. Genau deshalb steigt der Druck auf den 64-Jährigen immens - dagegen ist Franz Beckenbauer beim Skandal rund um die WM 2006 vorerst aus dem Schneider.

Denn im Gegensatz zu Niersbach, der den Bericht über die Razzia bei der halbstündigen Versammlung in einem Konferenzraum der DFB-Zentrale im Frankfurter Stadtwald seinem Generalsekretär Helmut Sandrock überließ, befindet sich Beckenbauer nicht im Visier der Justiz.

Der WM-Organisationsboss sei nicht Bestandteil der Ermittlungen, weil dieser keinen Einfluss auf die fragliche Steuererklärung des DFB gehabt habe, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen dem SID.

Zuvor war spekuliert worden, dass auch das Privatanwesen des „Kaisers“ im österreichischen Salzburg durchsucht werden könnte. „Bei der Staatsanwaltschaft Salzburg ist kein Amtshilfegesuch eingegangen. Das heißt aber nicht, dass es keines gibt“, sagte der der Salzburger Staatsanwalt Marcus Neher dem SID.

Am Dienstagmorgen hatten Steuerfahnder neben der DFB-Zentrale auch das Privatanwesen von Niersbach sowie von dessen Vorgänger Theo Zwanziger und vom ehemaligen DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt durchsucht. Der Verdacht lautet „Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall“. Es geht um die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die angeblich an den Weltverband FIFA gegangen sein soll, deren Verwendungszweck aber weiter völlig offen ist.

Schon in den Stunden nach der Razzia war der Ruf nach sofortigen Maßnahmen zur Krisenbewältigung laut geworden. „Ich erwarte von den Verantwortlichen im Präsidium zum Beispiel die Einberufung einer außerordentlichen Vorstandssitzung“, sagte Rolf Hocke (73), Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Probleme müssten „an der Wurzel gepackt werden“, sagte der frühere DFB-Vize: „In jedem Fall dürfen wir nicht weitere vier Wochen ins Land gehen lassen. Wir werden alle in einen Pott geworfen. Je länger das alles dahindümpelt, desto größer wird der Schaden für den Fußball.“ Rainer Koch, DFB-Vizepräsident, forderte im Gespräch mit dem BR, die Aufklärung müsse nun „sehr schnell gehen“, bereits im November erwartet er erste Zwischenergebnisse.

Auch Eberhard Gienger, sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, kritisierte die DFB-Außendarstellung. „Der DFB gibt schon ein sehr unglückliches Bild ab“, sagte der 64-Jährige der Rheinischen Post.

Man habe sich klare Antworten vom Verband und den damals beteiligten Personen gewünscht. „Die werden nun hoffentlich die Ermittlungsbehörden liefern“, sagte das Mitglied im Sportausschuss des Deutschen Bundestags. Der Sportausschuss hat das Thema für seine Sitzung am Mittwochnachmittag ins Programm gehoben.

Auch die Ehtikkommission des Weltverbands FIFA wird sich wahrscheinlich mit dem Fall beschäftigen. Eine Sperre für Niersbach, der im Exekutivkomitee der FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sitzt, wäre wohl gleichbedeutend mit dem Ende seiner Amtszeit beim DFB.

Rund um den Verband hat bereits die Nachfolgediskussion begonnen. Dabei fallen immer wieder die Namen der beiden Vizepräsidenten Koch und Reinhard Rauball - eine „Doppelspitze“ als Interimslösung scheint möglich.

SID

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