Experten sind sich uneins

Darf ich Allianz-Arena-Fotos in sozialen Netzwerken posten?

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Ein Fan fotografiert in der Allianz Arena - aber darf er das Bild auch in sozialen Netzwerken posten?

München - Wenn der FC Bayern die Bundesliga-Saison gegen Bremen eröffnet oder die Löwen beim KSC antreten, werden Tausende Fans ihre Fotos in sozialen Netzwerken posten. Doch ist das überhaupt erlaubt?

  • Ist das Posten von Fotos aus dem Stadion in sozialen Netzwerken erlaubt? Die Experten sind sich uneins.
  • Ein Kölner Anwalt ist der Meinung: "Das Veröffentlichen von Fotos, Videos und neuerdings Live-Streams bei Fußballspielen ist nicht erlaubt. Wer dennoch fotografiert, filmt oder streamt, der begeht Rechtsbruch", so Christian Solmecke zur Mopo
  • Münchner Experten halten im Gespräch mit unserer Onlineredaktion dagegen: Die nicht-kommerzielle Nutzung von Fotos ist wohl in Ordnung.
  • Die kommerzielle Nutzung von selbst gemachten Fotos aus Stadien ist definitiv nicht erlaubt.
  • Bei Videos ist Vorsicht geboten.

Ist das Posten von Stadion-Fotos in sozialen Netzwerken erlaubt?

Bald hat das Warten ein Ende, und die neue Saison in der Bundesliga geht wieder los. Etwa jedes zweite Wochenende spielt der FC Bayern dann wieder in der Allianz Arena, unter der Woche kommen Champions-League-Spiele und zudem gelegentlich Einsätze im DFB-Pokal hinzu. Der TSV 1860 München ist außerdem bereits in die Saison gestartet. Und von jedem dieser Ereignisse finden sich unzählige private Aufnahmen auf Twitter, Facebook oder Instagram. Die meisten Fußball-Fans haben dabei keine Hintergedanken und wollen ihre Fotos lediglich mit ihren Freunden teilen. 

Doch ist das überhaupt legal? In den meisten Fällen hat der Veranstalter das Recht zu bestimmen, was bei einem Ereignis erlaubt ist und was nicht. Und was gilt in der Allianz Arena?

Kommerzielle Nutzung ist untersagt

In den Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen des FC Bayern München ist dazu zu lesen: "Die Mitnahme von Transparenten ist nur mit Genehmigung des FCB gestattet, die Mitnahme von Fotokameras und sonstigen Bild-/Film und Tonaufnahmegeräten zum Zwecke der kommerziellen Nutzung ist untersagt."

Nehme ich also meine Kamera oder mein Smartphone mit ins Stadion, dann ist das von Grund auf noch nicht verboten. Der Clou besteht in der Absicht, die getätigten Aufnahmen kommerziell zu nutzen. 

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Ähnliches liest sich in der Hausordnung der Allianz Arena, die für die Spiele des FC Bayern und selbstverständlich auch des TSV 1860 München gültig ist: "Das Anfertigen von Foto-, Audio-, Video- oder sonstigen medialen Aufzeichnungen zur kommerziellen Nutzung in der Anlage ohne ausdrücklich vorherige Zustimmung der MSG (München Stadion GmbH, Anmerk. der Redaktion) bzw. des jeweiligen Veranstalters ist untersagt." 

Auch hier taucht wieder das kleine Wörtchen "kommerziell" auf. Doch wo fängt die kommerzielle Nutzung eines Fotos oder Videos überhaupt an?

Was bedeutet "kommerziell" überhaupt?

Rechtsanwalt Dr. Christian Kuntze.

Um dieser Frage nachzugehen, sprachen wir mit zwei Münchner Anwaltskanzleien, die für Fragen des Internet-Rechts als Top-Adressen gelten. Dr. Christian Kuntze erklärt unserer Onlineredaktion die juristischen Feinheiten in den Formulierungen der Ticket-AGBs und der Hausordnung in der Allianz Arena: "Letztlich gilt alles als kommerziell, was eine wirtschaftliche Verwertung zum Inhalt hat. Wenn ich also beispielsweise eine Website mit einem Online-Shop betreibe und die getätigten Lichtbilder dort verwende, dann kann mir das durchaus als kommerzielle Nutzung ausgelegt werden", so der Anwalt.

Rechtsanwalt Jörg Pantke erläutert uns die Wort-Definition derweil über verschiedene Urteile. Die Auslegung einer "nicht-kommerziellen Nutzung" reiche von "rein privater Nutzung" bis zu "nicht der Gewinnerzielung dienend", so der Anwalt.

Dr. Kuntze: Gute Nachrichten für Fußball-Fans 

Für die meisten Fußball-Fans hat Dr. Kuntze jedoch beruhigende Nachrichten: "Wenn ich ein Foto von einem Spiel erstelle, es irgendwo hochlade und dann dazuschreibe 'ich war hier', dann ist das eine private Äußerung. Und diese hat definitiv keinen kommerziellen Hintergrund."

Rechtsanwalt Jörg Pantke.

Rechtsanwalt Pantke sieht das nicht ganz so eindeutig: "Bei Fotos, welche in sozialen Medien dargestellt werden, kann man sicherlich nicht mehr von rein privater Natur sprechen. Auf der anderen Seite liegt eine Gewinnerzielungs-Absicht des privaten Facebook-Nutzers regelmäßig auch nicht vor. Dies gilt nicht für Postings, welche im Zusammenhang mit Werbung stehen; z.B. ist das Posting eines professionellen Fotografen, der durch das Foto die Aufmerksamkeit auf sein sonstiges Portfolio lenkt, auch wenn ein Verkauf des Bildes nicht stattfindet, m.E. rechtswidrig," erklärt uns Herr Pantke. 

Umkehrschluss: Nicht-kommerzielle Nutzung erlaubt

Kuntze erläutert uns die genaue rechtliche Lage über einen Umkehrschluss: "Wenn die kommerzielle Nutzung verboten ist, dann ist die nicht-kommerzielle Nutzung erlaubt. Außerdem gibt es bei einem Fußballspiel ein allgemeines Informationsinteresse. Das einzige, was dabei wichtig ist, ist dass ich das Foto in den Kontext des Ereignisses stelle. Dann darf ich es auch veröffentlichen," beschreibt der Anwalt die Tücken des Rechts.

Rechtsanwalt Pantke: Posten von Stadionfotos grundsätzlich rechtmäßig

Auch der Münchner Anwalt Pantke sieht das Posten von Stadionfotos grundsätzlich als rechtmäßig an. Eine einfache und durchsichtige Rechtslage liegt hier aber offenbar nicht vor: "Was 'kommerziell' im vorliegenden Fall bedeutet, ist insbesondere vor dem Hintergrund der Motivlage des Rechteinhabers Stadion GmbH zu klären. Danach könnte die Veröffentlichung eines Fotos durch einen privaten User über soziale Medien, welche werbefinanziert sind, durchaus eine kommerzielle Nutzung darstellen. Allerdings - und hier ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt - handelt der private Fotograf selbst, der das Bild nur seinem Freundeskreis über soziale Medien zeigen will,ohne jegliche kommerzielle Interessen", erklärt der Anwalt.

"Eine Verbindung herzustellen zwischen der kommerziellen Nutzung durch das soziale Medium einerseits und dem privaten und nicht-kommerziellen Nutzungszweck des Postenden andererseits dürfte schwer fallen", beschrieb uns der Anwalt die zu beachtende rechtliche Lage", fährt Pantke fort.

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Wollte die Stadion GmbH das Posten von Stadionfotos verbieten, so könnte sie dies auch einfach in ihre Hausordnung übernehmen, macht uns Pantke auf eine andere Möglichkeit seitens des Betreibers aufmerksam.

Doch wie steht es um Videos?

Dr. Kuntze sieht auch bei den meisten Videos keine Probleme bezüglich einer Veröffentlichung. Hier ginge es lediglich um die Länge der hochgeladenen Videos und ob diese live übertragen würden. Auch in der Pause, wenn beispielsweise ein Musiker auftritt, sei besondere Vorsicht geboten. 

Rechtsanwalt Pantke hingegen sieht die rechtliche Lage etwas anders: "Videoaufnahmen vom Spiel und die Veröffentlichung von Spielszenen halte ich aber für rechtswidrig. Es liegt auf der Hand, dass hier weitere Urheberrechte bestehen."

Fotos: Ja! Videos: Vorsicht!

Zusammenfassend also: Bei Fotos, die aus der Arena in sozialen Netzwerken geteilt werden, besteht im Großen und Ganzen kaum eine Gefahr, mit einer Strafe oder Strafverfolgung rechnen zu müssen. Bei Videos ist hingegen eine größere Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall also lieber auf ein Posting verzichten und die Videos persönlich mit den Freunden ansehen. Denn die Strafe bei einem Vergehen kann sehr hoch sein: "Der Schadensersatz wird sich voraussichtlich zwischen 50 und 1.000 Euro bewegen" sagt Pantke. Wie verzwickt die rechtliche Lage ist, zeigt die Gegenmeinung eines Kölner Rechtsanwalts. 

Gegenmeinung: Wer Aufnahmen im Internet veröffentlicht, begeht Rechtsbruch!

Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke ist entgegen der Münchner Experten anderer Meinung: „Das Veröffentlichen von Fotos, Videos und neuerdings Live-Streams bei Fußballspielen ist nicht erlaubt. Wer dennoch fotografiert, filmt oder streamt, der begeht Rechtsbruch", sagte der Experte für Internetrecht der Hamburger Morgenpost. Auch in den Ticket-AGBs des 1. FC Köln, auf die sich Solmecke bezieht, findet sich die gleiche Formulierung bezüglich "kommerzieller Nutzung" wie in München. 

Der Anwalt gelangt aber zu einem anderen Schluss. Zwar sei die private Nutzung von Stadionaufnahmen definitiv kein Problem, aber: „Eine darüber hinausgehende Nutzung, etwa das Hochladen in soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter, ist den Stadionbesuchern ausdrücklich verboten“, erklärt Solmecke. „Auch das Hochladen eines Fußball-Videos auf YouTube ist strikt untersagt, denn dies unterfällt nachvollziehbarer Weise nicht mehr unter eine private Nutzung," sagte der Anwalt. Bei Zuwiderhandlung bringt Solmecke, neben empfindlichen Geldstrafen, außerdem ein Stadionverbot, das vom entsprechenden Betreiber ausgesprochen werden kann, ins Spiel.

Zusammenfassung: Posten auf eigene Verantwortung

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er ein Posting in sozialen Netzwerken für nötig erachtet - die Konsequenzen gilt es abzuwägen. Im Großen und Ganzen darf bei einem privaten Post eines Fotos davon ausgegangen werden, dass die Gefahr, für eine "kommerzielle Nutzung" verfolgt zu werden, relativ gering ist. Das Posten von Videos ist dagegen deutlich einfacher zu bewerten: Videos aus dem Station hochzuladen und damit zu veröffentlichen, ist wohl rechtswidrig. Daher gilt im Endeffekt: Wer sich wirklich sicher sein will, sollte seine Freunde zum gemeinsamen Foto und Video gucken lieber nach Hause einladen und auf das soziale Netzwerk in diesem Fall verzichten.

sdm

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