Vor EM-Qualifikationsspiel

"Stolz, aber auch Angst" bei Gibraltar

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Die Nationalmannschaft Gibraltars nimmt zum ersten mal an der EM-Qualifikation teil.

Nürnberg - Gibraltar ist der kleinste aller europäischen Fußball-Zwerge. Vor dem Spiel bei Weltmeister Deutschland geht bei den Amateuren die Angst vor einem weiteren Debakel um.

Der Torwart ist Feuerwehrmann, vor ihm sorgen Polizisten, Zollbeamte und ein Buchhalter für Ordnung, und der Torjäger arbeitet am Hafen: Die Fußball-Nationalmannschaft von Gibraltar, am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Nürnberg nächster Gegner der deutschen Weltmeister in der EM-Qualifikation, ist der kleinste Fußball-Zwerg Europas - nur die Angst vor einem weiteren Debakel ist groß beim krassen Außenseiter.

Die 6,8 Quadratkilometer (entspricht etwa 950 Fußballfeldern) kleine britische Kronkolonie am südlichsten Zipfel Spaniens hat nur 30.000 Einwohner, in der offiziellen Länderspielstatistik steht ein einziger Sieg. Nationaltrainer Allen Bula nennt seine Aufgabe den „härtesten Job im Fußball“, und Defensivspieler Ryan Casciaro sagte der Welt: „Ich spüre Stolz, aber auch ein bisschen Angst.“ Angst vor dem Weltmeister.

Die deutschen Nationalspieler wie Manuel Neuer, Mario Götze oder Thomas Müller seien „Superstars, die wir nur aus dem Fernsehen kennen. Es ist doch klar, dass das meine Spieler nervös macht“, sagt Bula. Zumal Gibraltar, das nach jahrelangem Widerstand Spaniens erst seit Mai 2013 der Europäischen Fußball-Union (UEFA) angehört, in seinen bisherigen drei Quali-Spielen ausnahmslos Prügel bezog. 0:7 gegen Polen, 0:7 gegen Irland, 0:3 gegen Georgien. Der einzige Sieg in acht Länderspielen gelang am 4. Juni 2014 beim 1:0 gegen Malta. Größter Erfolg bisher war das 0:0 beim Debüt im November 2013 gegen die Slowakei.

Und jetzt: Der Weltmeister! „Jeder in der Mannschaft träumt von diesem Match“, sagt Stürmer Kyle Casciaro, der damals gegen Malta traf. Ob es Albträume sind? Adam Priestley vom englischen Achtliga-Klub Farsley AFC, einer von vier Legionären, berichtet von Vorfreude. Beim WM-Finale habe das Team mit den Deutschen gefiebert. „Wir wollten doch gegen die Weltmeister spielen. Dass es jetzt so kommt, ist schier unglaublich.“

Und ein aussichtsloses Unterfangen. Gleich fünf Spieler sind zwar für Manchester aktiv - allerdings nicht für United oder City in der Premier League, sondern für den Manchester 62 FC in Gibraltars Premier Division. Der trainiert einmal die Woche. Das Victoria Stadium muss er sich mit allen anderen Klubs von der Jugend bis hinauf in die erste Liga teilen - es ist das einzige am Affenfelsen. Den Anforderungen der UEFA genügt der Platz an der Winston Churchill Avenue nicht. Bis zur Fertigstellung des neuen Nationalstadions 2016 trägt Gibraltar seine Länderspiele deshalb im vier Autostunden entfernten Faro in Portugal aus. Im dortigen Estadio Algarve hätte die gesamte Bevölkerung Gibraltars Platz.

Torhüter Jordan Perez verfolgt deshalb am Freitag ein eher bescheidenes Ziel. „Unter sieben Gegentoren bin ich zufrieden“, sagte er der Sport Bild. Dann nämlich könnte Gibraltar mit Blick auf das WM-Halbfinale behaupten: „Wir sind besser als Brasilien.“ Bula hat beobachtet, dass sich die Deutschen in der Qualifikation schwer tun und meint, diese hätten „nach den Feierlichkeiten bei der WM vielleicht noch einen Hangover“. Darauf will sich sein prominentester Akteur nicht verlassen. Scott Wiseman, ein früherer englischer U20-Nationalspieler, der auf der Insel für Preston North End in der 3. Liga spielt, sagt mutig: „Wir sind kein zweites San Marino, keine Schwächlinge oder Prügelknaben.“ Na dann.

SID

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