Zwei Wappen auf der Brust, einen Verein im Herzen

Dieser Fanclub drückt Bayern UND 1860 die Daumen

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Die Mitglieder des Stopselclub 1860/Bayern aus Abensberg tragen beide Vereinswappen auf der Brust.

München - Der Stopselclub aus Abensberg schafft, was eigentlich undenkbar ist: Löwen- und Bayernfans zu vereinen. (Fast) ganz ohne Knatsch. Nur beim vereinsinternen Derby stehen sich Rot gegen Blau gegenüber.

Rot und Blau, das beißt sich. Gerade in München sind sich die beiden Farben spinnefeind. Auf der einen Seite die chronisch erfolgreichen Roten aus der Säbener Straße, auf der anderen Seite, wenige hundert Meter entfernt, die chronisch chaotischen Blauen in der Grünwalder Straße. Hier der unangefochtene Branchenprimus. Da der stolze Traditionsverein.

FC Bayern München und TSV 1860 München - unterschiedlicher geht's nicht. Und auch die beiden Fanlager vertragen sich in etwa so gut wie Weißwurst und Ketchup - nämlich überhaupt nicht. Dass die Kombination aus Sechzger- und Bayernfans eben doch funktionieren kann, zeigt ein kleiner Fanclub im niederbayerischen Landkreis Kelheim: der Stopselclub 1860/Bayern aus Abensberg.

Zwei Wappen auf der Brust, einen Verein im Herzen

98 Mitglieder hat der Stopselclub derzeit. Ein gemeinsamer Fanclub für Rote und Blaue, trotz aller Rivalität verbunden in ihrer Leidenschaft für die beiden größten Münchner Fußballvereinen. Auf dem Trachtenhemd, das jedes Mitglied bei offiziellen Anlässen trägt, prangen die beiden Vereinsembleme. Löwe und Bayern-Wappen vereint auf der Brust eines jeden Stopsels.

Der Vereinsname geht übrigens auf die Flaschenstopsel (Korken) zurück, die jedes Mitglied in der Farbe seines Vereins bei sich tragen muss. Früher musste man gar 50 Pfennig zahlen, hatte man bei einer Mitgliederversammlung seinen Stopsel vergessen. 

"Damals waren die Löwen noch besser dran als heute"

Gegründet wurde der Stopselclub 1965. In dem Jahr spielten der TSV 1860 und der FC Bayern ihre erste gemeinsame Saison in der Bundesliga. "Der Stopselclub war damals ein reiner Stammtischverein", erinnert sich Walter Schmidt, der zweite Vorsitzende der Stopsel. Samstagnachmittag lauschten damals immer 20 Mann im Gasthof Aumerbräu um einen Tisch gedrängt dem Live-Kommentar im Radio.

"Damals waren die Löwen noch besser dran als heute", gesteht Schmidt ein. Der 71-Jährige ist ein Mitglied der ersten Stunde und schon immer ein Blauer. "Und daran wird sich auch nichts ändern. Einmal Löwe, immer Löwe."

Die Rivalität zwischen den Vereinen und ihren Fans spitzt im Alltag nur ab und zu mal durch. Ganz ohne Knatsch geht's dann eben doch nicht. "Ein bisschen getriezt wird sich da mal, aber am Ende des Tages verstehen wir uns alle", sagt Löwen-Fan Schmidt. Alles in allem ein harmonischer Männerverein also, der macht, was Männervereine eben so machen. 

Gemeinsam organisieren die fußballbegeisterten Mannsbilder Vereinsausflüge, Kickerturniere und Faschingsbälle. Sie vertreten sogar die Stadt Abensberg in ihrer italienischen Partnergemeinde Lonigo. Mit im Gepäck bei den Ausflügen in den warmen Süden: bayerische Schmankerl wie Schinken und Bier. Der Höhepunkt für die Stopsel ist aber ein anderer: das vereinsinterne Derby - Sechzig gegen Bayern. 

Löwen dominieren das Ansberger Fan-Derby

Die rassigen Münchner Stadtderbys gibt es in der Bundesliga seit nun mehr zwölf Jahren nicht mehr. Kein Problem für die Stopsel aus Abensberg, die die Partie einfach auf dem örtlichen Sportplatz ausspielen. Mit dem meist besseren Ende für die Löwen-Fraktion: "35 bis 40 Mal" schätzt Schmidt, früher selbst noch aktiv auf dem Platz, haben die Seinen die traditionelle Partie bisher für sich entschieden. 

Seit 1966 wird das Ansberger Fan-Derby ausgespielt. Beim ersten sportlichen Aufeinandertreffen der beiden Fanlager fieberten rund 300 Zuschauern mit und sorgten für gute Stimmung am Spielfeldrand. Die Derbys fanden zunächst jedes Jahr statt, mittlerweile jedoch nur noch unregelmäßig.

Zusammen Fußball hören beziehungsweise schauen die Stopsel auch nur noch ganz selten. Das hat aber unter anderem einen ganz einfachen Grund: Die Bayern spielen meist samstags, die Löwen am Sonntag. Ganz vereinen lassen sich die beiden Münchner Granden dann eben doch nicht. 

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