Kontroverse Diskussion

Tortechnologie: Entscheidung naht

Tortechnologie
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Bei einem Testspiel der englischen Fußballnationalmannschaft gegen Belgien im Wembley Stadion in London wurde zum ersten Mal die so genannte Hawk-Eye Technik getestet.

Berlin - DFB und DFL finden die Torlinientechnik gut. Bedingungslos sollen die neuen Referee-Hilfsmittel aber nicht akzeptiert werden.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball sind keine Technikmuffel. Vor einer Einführung der lange umstrittenen Torlinientechnologie verlangen die deutschen Fußball-Spitzenfunktionäre aber von FIFA und UEFA Antworten auf viele Detailfragen. „Im Grundsatz stehen wir dem Thema offen gegenüber, aber vor einer Entscheidung müssen die vielen noch offenen Fragen beantwortet werden“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach der Deutschen Presse-Agentur.

Am Donnerstag entscheidet das International Football Association Board (IFAB) am FIFA-Sitz in Zürich nach jahrelanger Diskussion über den Einsatz technischer Hilfsmittel für Schiedsrichter. Die elementare Frage: 'Tor oder nicht Tor?', soll künftig nicht mehr dem menschlichen Auge überlassen werden.

Die sportpolitisch pikante Note dabei ist: FIFA-Boss Joseph Blatter ist für eine Regel-Revolution, UEFA-Präsident Michel Platini ist strikt dagegen und plädiert auf Bewahrung des Status quo mit den Torlinien-Assistenten. Entgegen der Ankündigung aus UEFA-Kreisen steht Platini aber nicht auf der Teilnehmerliste des IFAB-Treffens am Donnerstag, was durch seine Funktion als FIFA-Vizepräsident möglich gewesen wäre.

Ligapräsident Reinhard Rauball sieht wie DFB-Chef Niersbach noch Absprachebedarf. „Um ein Höchstmaß an sportlicher Gerechtigkeit im Sinne eines fairen Wettbewerbs zu erzielen, stehe ich der Einführung einer Torlinien-Technologie grundsätzlich positiv gegenüber. Es ist allerdings unerlässlich, dass neben den technischen Grundlagen auch die sportlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen praxisnah und trotzdem verbindlich geklärt sind“, sagte der höchste Vertreter der deutschen Proficlubs.

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß könnte „auch mit dem Torrichter leben. Ich bin aber für eine Regelung für alle, oder man lässt es, wie es ist“. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge warnte davor, das Rad zu weit zu drehen: „Aber wenn es funktioniert, bin ich dafür“, sagte er am Dienstag in München.

Wichtiger Aspekt ist für DFB und DFL die Frage, in welchen Ligen und welchen Wettbewerben die Schiedsrichter per Technik bei der Torerkennung künftig unterstützt werden sollen. Bleiben die Systeme Hawk-Eye (Torkamera) oder GoalRef (Chip-Ball) auf den Profifußball beschränkt oder muss im Extremfall jeder Dorfsportplatz umgerüstet werden? Was passiert im DFB-Pokal, wenn ein Amateur-Club eine Fußball-Größe empfängt? Die Praktikabilität der Regel-Revolution steht für Niersbach und Rauball noch auf dem Prüfstand.

Zudem verlangen die Fußball-Funktionäre vor allem eine Klärung der Kostenübernahme. „Wie hoch wären die Kosten für Anschaffung und Unterhalt der Anlagen und wer würde die anfallenden Kosten tragen?“, lautet die konkrete Frage des DFB. Das System mit magnetischen Resonanzwellen wird wohl zweistellige Millionenbeträge verschlingen. Für den Chip-Ball sind keine detaillierten Kostenvoranschläge bekannt. Für die Sportartikelindustrie ergeben sich hier aber auch neue Produktions- und Vermarktungschancen.

Deutsche Funktionäre werden am Donnerstag in Zürich nicht dabei sein. Die acht IFAB-Mitglieder sind traditionell Vertreter der Fußball-Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland sowie vier hochrangige FIFA-Funktionäre. Von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen sind sie aber nicht. DFB-Ex-Chef Theo Zwanziger nahm als FIFA- und UEFA-Exekutivmitglied bei der UEFA-Sitzung in Kiew am Wochenende noch Einfluss. Franz Beckenbauer beratschlagte kürzlich in Zürich mit Blatter bei Raclette und Rotwein die Technik-Revolution.

dpa

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