Testspiel gegen Australien

Löw umgeht Risiko gegen Australien

Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Vertrag kürzlich bis 2018 verlängert.
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Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Vertrag kürzlich bis 2018 verlängert.

Frankfurt/Main - Der Flugzeugabsturz in Frankreich drückt auch bei den Fußball-Weltmeistern auf die Stimmung. Der Test gegen Australien gerät zur Nebensache - auch wegen der sportlich wichtigeren Aufgabe in Georgien. Joachim Löw zeichnet einen schonungslosen Ist-Zustand.

Die oberste Devise von Joachim Löw ist klar: Kein Risiko gegen Australien! Der Bundestrainer wünscht sich zwar einen erfolgreichen Probelauf gegen den Asienmeister auf dem Betzenberg, „oberste Priorität“ genießt für ihn aber die folgende Pflichtaufgabe des Weltmeisters in der EM-Qualifikation. Die Vorbereitung stand am Dienstag in Frankfurt aber auch bei der Nationalmannschaft unter dem Eindruck des fürchterlichen Flugzeugunglücks in Frankreich mit vielen deutschen Opfern. „Es macht mich traurig und wahnsinnig betroffen“, kommentierte Löw.

Auch beim Abschlusstraining auf der „kleinen Kampfbahn“ an der Frankfurter Commerzbank-Arena war die Stimmung nach den Informationen über den Absturz der Germanwings-Maschine mit vielen deutschen Staatsbürgern gedämpft. „Wir sind auch tief betroffen und fassungslos. Unsere Gedanken gelten den Angehörigen und Opfern“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Das DFB-Team wird in Kaiserslautern mit Trauerflor spielen und eine Schweigeminute abhalten.

An der sportlichen Devise beim Jahresauftakt des Weltmeisters gegen Australien am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) in Kaiserslautern soll festgehalten werden. Die Zuschauer wollten natürlich „gute Spiele und Ergebnisse sehen“, sagte Löw. Viel entscheidender seien aber aus sportlicher Sicht drei Punkte am kommenden Sonntag in Georgien, mahnte Löw: „Sonst geraten wir in der EM-Qualifikation noch viel mehr unter Zugzwang.“ Entsprechend wird der 55-Jährige seine 23 Akteure auf die zwei Partien verteilen und die Kräfte wohlüberlegt dosieren.

Fingerzeige im Abschlusstraining

„Ich möchte gewährleisten, dass alle Spieler am Sonntag in Georgien körperlich und geistig in einem guten Zustand sind“, betonte Löw. Nach der Teamsitzung am Vormittag erfuhren Trainer und Spieler vom Flugzeugabsturz in Frankreich. „Es gibt einem persönlich ein ganz schlechtes Gefühl, weil es keine Chance gibt, dass Menschen überleben“, sagte Löw sichtlich getroffen von der Tragödie.

Die Stimmung in Kaiserslautern wird gedrückt sein, wenn sich der Weltmeister nach vier Monaten Winterpause gegen die aufstrebenden Australier mit dem Deutschland-Profi Mathew Leckie (FC Ingolstadt), aber ohne den angeschlagenen Torwart Mitchell Langerak (Borussia Dortmund) erstmals wieder vor eigenem Publikum präsentiert. Entgegen der üblichen Praxis gab Löw schon vor dem Abschlusstraining am Dienstagabend einige personelle Fingerzeige für das Warm-up im bislang nicht ausverkauften Fritz-Walter-Stadion.

Der leicht angeschlagene Torhüter Manuel Neuer wird wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie pausieren, verkündete Löw. „Wir wollen nichts riskieren“, sagte Löw. Für einen Einsatz von Neuer in Tiflis gegen Georgien bestehe keine Problematik, „wenn man jetzt vorsichtig vorgeht“. Im Tor plant Löw auf dem Betzenberg nach Trainingseindrücken mit dem Ex-Lauterer Roman Weidenfeller, nachdem beim 1:0 zum Jahresausklang 2014 in Spanien Ron-Robert Zieler ran durfte.

Weitere Vielspieler wie die Weltmeister Toni Kroos, Thomas Müller oder Jérome Boateng, die noch am Sonntagabend für ihre Vereine im Einsatz waren, sollen ebenfalls den Akku aufladen. „Ich bin durchaus bereit, gegen Australien das eine oder andere zu probieren“, kündigte Löw an. Bis zu sechs Auswechslungen kann er vornehmen. Einsatzgarantien stellte er den lange verletzten Rückkehrern Holger Badstuber und Ilkay Gündogan aus. Bastian Schweinsteiger soll das Team zumindest für einen Teilzeiteinsatz als Kapitän anführen.

„Es ist wieder schön, im Kreis der Nationalmannschaft zu sein“, sagte der 30-jährige Münchner, der zuletzt im WM-Finale das Nationaltrikot getragen hatte. „Es ist ein ganz wichtiges Zeichen an die Mannschaft, dass der Kapitän wieder an Bord ist“, bemerkte Löw. Auch Schweinsteiger sieht das Australien-Spiel vor allem als „guten Test“ für Georgien: „Das Entscheidende ist, dass wir die Punkte in der EM-Qualifikation holen, das ist das A und O.“

Schließlich ist der Weltmeister nur Dritter in Gruppe D hinter Polen und Irland. Das ist zu wenig für die eigenen Ansprüche, betonte Schweinsteiger: „Wir sind Weltmeister! Ich hoffe, dass wir unsere Aufgaben als Nummer 1 der Welt erfüllen. Das ist nicht einfach.“

"Nicht auf WM-Niveau"

Zumal Löw den Ist-Zustand seines immerhin noch 16 Weltmeister umfassenden Kaders vor dem Start ins Länderspieljahr 2015 ohne jede Augenwischerei beschrieb. „Weder als Einheit noch in der Leistung sind wir auf dem WM-Niveau“, sagte er deutlich. Allerdings sei diese Erkenntnis für ihn „keine völlig negative Überraschung“. Löws neues Schlagwort lautet: „Flexibilität.“

Unter anderem soll mit einer Dreierkette in der Abwehr das Offensivspiel variantenreicher werden. Über Nacht ein neues System zu beherrschen, dürfe aber niemand erwarten, mahnte Löw: „Entscheidend ist, bis zur EM oder auch in den Jahren danach diese Dinge zu verinnerlichen.“ Zur Zukunft gehört auch die zur EM-Saison geplante Personalauffrischung. Spieler wie Emre Can (FC Liverpool), Kevin Volland (Hoffehheim) oder die jungen Schalker Max Meyer und Leon Goretzka sollen aber zunächst im Sommer möglichst als U21-Europameister internationale Meriten verdienen. „In der neuen Saison werden dann die Karten für alle neu gemischt“, sagte Löw.

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