Königlich trifft auf Königsblau

Kroos: "Bester Export seit Claudia Schiffer"

Toni Kroos wechselte zu Beginn dieser Saison vom FC Bayern zu Real Madrid.
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Toni Kroos wechselte zu Beginn dieser Saison vom FC Bayern zu Real Madrid.

Gelsenkirchen - Weltmeister Toni Kroos kehrte erstmals seit seinem Wechsel zu Real Madrid nach Deutschland zurück. In Spanien hat sich der Ex-Münchner nicht nur sportlich weiterentwickelt.

Toni Kroos unterbricht den Übersetzer. „So viel habe ich nicht erzählt“, sagt der Fußball-Weltmeister lachend. Der 25-Jährige ist am Vorabend des Champions-League-Achtelfinales auf Schalke bestens gelaunt. Erstmals seit seinem Wechsel im Sommer nach Spanien kehrt er mit Real Madrid nach Deutschland zurück - in dem Wissen, alles richtig gemacht zu haben.

„Es ist ein anderer Schritt, ins Ausland zu wechseln“, sagt Kroos, der vor sieben Monaten für 30 Millionen Euro nach Madrid umzog: „Es prasseln viele neue Sachen auf einen ein, man muss sich erstmal freischwimmen.“ Das ist ihm gelungen. Als ein spanischer Journalist eine Frage stellt, will er schon auf Spanisch antworten, ehe der Übersetzer dazwischen geht. „Das hätte ich auch schon beantworten können“, merkt er schulterzuckend an.

Die Kommunikation klappe noch nicht zu 100 Prozent, gibt Kroos zu, „aber das kommt langsam“. Auch auf dem Spielfeld musste sich der ehemalige Münchner neu orientieren: „Ich spiele einen Tick defensiver, aber daran habe ich mich mehr als gewöhnt.“ Im Starensemble der Königlichen mit dem unglaublichen Offensivpotenzial ist der Weltmeister für die Absicherung vor der Abwehr, aber auch für die Pässe auf Cristiano Ronaldo und Co. zuständig.

Lobeshymnen der Presse

Wie gut er diese Aufgabe bislang erledigt, lässt sich an den Lobeshymnen der spanischen Journalisten ablesen. Die Marca nannte ihn den „besten deutschen Export seit Claudia Schiffer“, er sei „wie eine Küchenmaschine. Er kocht alles gut. Er bestiehlt wie eine Bank, bedient wie ein Kellner und berührt den Ball wie ein Pianist“.

Als Real zuletzt schwächelte und nach dem 0:4 im Lokalderby gegen Atletico die Wut der Fans zu spüren bekam, nahmen die spanischen Medien Kroos von ihrer Kritik aus: „Er zahlt für die Schwächephase des Angriffstrios BBC“, schrieb AS mit Blick auf Gareth Bale, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo. Kroos selbst kann das Krisengerede ohnehin nicht nachvollziehen, „es gab in den letzten Wochen ein schlechtes Ergebnis, die anderen Spiele haben wir alle gewonnen“.

"Extremer als in München"

Was ihm in Spanien bislang erspart blieb, kennt Kroos aus seiner Zeit in Deutschland. Nicht nur einmal war er der Sündenbock. Als Bundestrainer Joachim Löw im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien umstellte und mit Kroos prompt ausschied, war der gebürtige Greifswalder für viele Kritiker und Fans der Schuldige.

Auch beim FC Bayern drückte man ihm oft den Stempel des Mitläufers auf, als Leader fiel er selten auf. Spätestens seit seiner Gala beim 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien - mit zwei Toren und einer Vorlage - ist Kroos das Etikett des lethargischen ewigen Talentes, das seine Fähigkeiten nicht ausschöpft, los.

Doch wie kurz der Weg speziell bei Real vom Helden zum Sündenbock ist, weiß auch Kroos. „Es ist extremer als in München“, hat er festgestellt. Seine Weltmeisterkollegen Mesut Özil und Sami Khedira haben es am eigenen Leib erfahren.

SID

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