Top-Clubs gegen Mammut-WM - Superliga nur Drohkulisse

Karl-Heinz Rummenigge ist der Präsident des ECA. Foto: Leszek Szymanski
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Karl-Heinz Rummenigge ist der Präsident des ECA. Foto: Leszek Szymanski

Europas Top-Clubs sprechen sich für Gianni Infantino als FIFA-Chef aus, obwohl der Schweizer ein Projekt protegiert, das den Vereinen missfällt. In Zeiten der Krise der Fußball-Verbände geht es auch bei der ECA-Generalversammlung um viel sportpolitische Taktiererei.

Paris (dpa) - Ein klares Nein zu einer Mammut-WM mit 40 Teams und ein vernehmbares vielleicht für eine elitäre Fußball-Superliga: Europas Top-Clubs bringen sich in Zeiten der großen Krise bei FIFA und UEFA unter der Führung von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge geschickt in Stellung.

Die Gründung einer eventuell selbst organisierten Superliga als Ersatz für die Champions League ist noch kein Thema, mit der Betonung auf "noch", denn als Drohkulisse gegenüber der UEFA taugt das Thema immer wieder.

"Es ist noch zu früh, darüber zu reden", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge bei der Sitzung der European Club Association ECA in Paris der Deutschen Presse-Agentur. Stattdessen befinde man sich in der Diskussionsphase, wie die kontinentalen Club-Wettbewerbe weiterentwickelt werden könnten. "Es ist wichtig, eine gute ausbalancierte Lösung für alle Beteiligten zu finden", sagte Rummenigge.

Zu Jahresbeginn hatte der Bayern-Chef bei einem Vortrag in Italien selbst die Debatte einer Superliga mit einem festen Stamm an Teilnehmern aus den großen Fußball-Nationen wie Deutschland, England und Spanien wieder angestoßen. Im Kern geht es den Topclubs aktuell um eine möglichst hohe finanzielle Beteiligung an den Erlösen der Champions League und Europa League.

Für den Zyklus 2015-2018 wurde diese im März 2015 geregelt. Bis zum kommenden Jahr müsse ein Vorschlag der UEFA für die Zeit von 2018-2021 vorgelegt werden, betonte Rummenigges Stellvertreter als ECA-Chef, Umberto Gandini.

Eine Aufstockung der Fußball-WM auf 40 Mannschaften wird derweil kategorisch abgelehnt. Die "gesunde Bilanz" zwischen Vereinsfußball und den Nationalmannschaften dürfe "nicht riskiert werden", hieß es. "Diese Idee gefällt uns nicht", sagte Gandini vom AC Mailand. Die europäischen Vereine würden die Hauptakteure einer WM stellen und bezahlen. Zusätzliche Belastungen seien nicht akzeptabel.

Ein größeres WM-Teilnehmerfeld war von der FIFA-Reformkommission vom Turnier 2026 an vorgeschlagen worden. Auch Präsidentschaftskandidat Gianni Infantino ist für acht weitere WM-Starter. Trotz eines Dissenses in dieser Sache sprachen sich die ECA-Mitglieder für Infantino als künftigen FIFA-Präsidenten aus.

"Wir wünschen ihm viel Erfolg bei der Wahl am 26. Februar", sagte Gandini. Zuvor hatte Rummenigge betont: "Wir haben keine Stimme, aber im Sinne des 'Spirit of Football' unterstützen wir Gianni Infantino." Laut Gandini sei Infantinos Plan für eine Mammut-WM seiner aktuellen Rolle als weltweiter Wahlkämpfer in eigener Sache geschuldet.

Finanzielle Kompensation in dreistelliger Millionenhöhe bekommen die Vereine für die Abstellung ihrer Spieler für die EM im Sommer. Die Fußball-Bundesligisten können rund 5800 Euro pro Tag für jeden ihrer Spieler kalkulieren. Insgesamt werden 100 Millionen Euro von der UEFA ausgeschüttet. Gezahlt wird der Tagessatz 14 Tage vor dem ersten Spiel jedes Teams bis zum Tag nach dem Turnier-Aus.

Jeder Verein, der einen DFB-Akteur abstellt würde somit zum Beispiel bei einem deutschen Finaleinzug rund 250 000 Euro pro Spieler bekommen. Der genaue Betrag ist erst nach dem Turnier kalkulierbar, da Clubs aus Top-Ligen wie der Bundesliga höher entschädigt werden als Vereine weniger erfolgreicher Ligen. Bereits für die Abstellung von Spielern für die Qualifikationsphase wurden insgesamt 50 Millionen Euro ausgeschüttet. Akteure, die bei allen zehn DFB-Partien auf dem Spielberichtsbogen standen, bringen ihrem Verein rund 40 000 Euro Kompensation von der UEFA ein.

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