Pläne zur Giga-WM

tz-Kommentar: Geht's noch, Gianni?

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Bernd Brudermanns.

München - 48 Teams bei einer Fußball-WM: Das ist nicht neuer Fifa-Geist sondern alter Drang nach Gigantomanie. Ein Kommentar von tz-Redakteur Bernd Brudermanns.

Getretener Quark wird breit – nicht stark.“ Das schrieb Johann Wolfgang von Goethe im West-Östlicher Divan. Es bedeutet: Etwas ohne inhaltliche Tiefe wird auch durch noch so großen Aufwand nicht auf ein höheres Niveau gebracht. Damit wären wir bei der ­FIFA. Deren Präsident Gianni Infantino hatte sich seit seinem Amtsantritt im Februar für eine Ausweitung des WM-Starterfeldes von 32 (so wird das Turnier seit 1998 ausgetragen) auf 40 ausgesprochen. Obwohl das u. a. beim DFB auf Widerstand gestoßen war, hat der Schweizer den Irrsinn jetzt noch mal getoppt: Bei einem Vortrag an der Uni von Bogota schlug Infantino vor, ab 2026 gleich 48 Länder zu einer WM-Endrunde zuzulassen. Und die Frage sei erlaubt: Geht’s noch, Gianni?

Konkret will der Jurist die besten 16 Teams der Qualifikation für die Gruppenphase setzen, 32 weitere würden laut Infantino „drei Tage vor dem Beginn der Gruppenphase in einem Playoff die weiteren 16 Starter ermitteln“. Auf diese Weise könne man 16 weiteren Mannschaften die Qualifikation für die Endrunde ermöglichen. Abgesehen davon, dass diese Teams ja nicht wirklich an einer Endrunde teilnehmen, sondern möglicherweise nur ein Playoff-Spiel im WM-Gastgeberland austragen dürfen, stellt sich die Frage: Warum schlägt Infantino so einen Unsinn vor?

Fußball und Fairplay? Es geht um Geld und Macht

Es geht, wie fast immer bei der FIFA, um zwei Faktoren: Fußball und Fairplay? Gut, war ein Witz. Nein, es geht um Geld und Macht. Mehr WM-Teilnehmer bedeuten mehr Spiele (80 statt wie bisher 64) und damit mehr TV-Gelder. Diese Logik hat uns die von der sportlichen Qualität überschaubare EM mit ihrem von 16 auf 24 ausgeweiteten Feld beschert. Und Macht deshalb, weil sich Infantino so als Advokat der kleinen Länder präsentieren kann. Nach dem Motto: Ich gewähre euch Zutritt zur großen Fußballbühne. Auf diese Weise hatte sich UEFA-Präsident Michel Platini die Stimmen der „kleinen“ europäischen Verbände gesichert.

Joachim Löw sagte jüngst in der WamS zu den WM-Expansionsplänen: „Ich halte das für nicht gut, der sportliche Wert darf nicht verwässern.“ Und tatsächlich geht es bei diesem Turnier doch darum, die aktuell beste Mannschaft der Welt zu ermitteln und idealerweise dergestalt, dass die besten Spieler auf dem Platz stehen und nicht – durch das Mammutprogramm bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus strapaziert – verletzt auf der Tribüne sitzen.

Die Versuchung, das Fußballprogramm immer mehr auszuweiten – Zyniker würden vielleicht auch sagen auszuweiden –, ist natürlich groß. Denn den Romantikern, die vor einer Verwässerung warnen, kann man entgegenhalten: Schaut, wie viele Fans ins Stadion gehen und den Fernseher einschalten, sobald irgendwo die Kugel rollt. Und trotzdem: Infantinos Idee ist Quark…

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