Nach Krawallen 

UEFA droht England und Russland mit EM-Ausschluss

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Krawalle in Marseille: Englische Hooligans außer Rand und Band.

Paris - Die Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft versuchen, der ausufernden Fan-Gewalt mit Warnungen Herr zu werden. Der Verband Uefa drohte England und Russland am Sonntag den Ausschluss von dem Turnier an, sollten Hooligans aus diesen Ländern erneut Krawalle lostreten.

Frankreichs Innenministerium verbot den Verkauf von Alkohol in Stadion-Nähe. Die Zahl der Festgenommenen gab es mit 116 an. In Lille gerieten deutsche und ukrainische Fans aneinander.

Die Drohung der Uefa mit einer Disqualifizierung sei "äußerst ernst" zu nehmen, sagte der Chef des englischen Fußballverbands FA, Martin Glenn. Er appellierte an die Fans, sich in Frankreich "verantwortungsvoll und respektvoll" zu benehmen.

Die Uefa hatte England und Russland mit dem Rauswurf gedroht, nachdem sich Fans aus den beiden Ländern in Marseille drei Tage lang Krawalle geliefert hatten. Als Konsequenz drohe eine "Disqualifizierung, wenn sich solche Gewalttaten wiederholen", erklärte die Uefa. Zugleich kündigte sie an, die Sicherheitsmaßnahmen in den Stadien würden verbessert.

Am Mittwoch spielen beide Mannschaften in nur 40 Kilometern Entfernung in Lille und Lens; wegen der räumlichen Nähe werden neue Zusammenstöße befürchtet.

Innenminister Bernard Cazeneuve gab am Sonntagabend eine Anordnung zum Verbot des Alkoholverkaufs im Umfeld von EM-Spielen heraus. Er habe diese Maßnahme ergriffen, um an Spieltagen, den Tagen davor und bei Öffnung von Fanmeilen in den "sensiblen Bereichen" den Kauf, den Konsum und den Transport alkoholischer Getränke zu verhindern. Er begründete den Schritt mit den gewaltsamen Vorfällen von Marseille, bei denen viel Alkohol im Spiel war.

Das Innenministerium in Paris veröffentlichte am Abend eine Zwischenbilanz: Seit Beginn des Turniers am Freitag seien 116 Menschen festgenommen worden, 63 von ihnen seien in Polizeigewahrsam. Drei Fans seien wegen Gewalttätigkeiten aus Frankreich ausgewiesen worden. Gegen fünf Hooligans sei ein Einreiseverbot wegen des Risikos für die öffentliche Ordnung verhängt worden.

Vor dem EM-Spiel Deutschland-Ukraine lieferten sich am Sonntagabend Fans beider Länder am Austragungsort Lille in Nordfrankreich gewaltsame Auseinandersetzungen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, wie dutzende Fans einige Minuten lang Flaschen warfen und sich mit Fausthieben und Tritten traktierten. Die französischen Sicherheitskräfte teilten mit, es habe einen Verletzten gegeben, der sich nicht ins Krankenhaus bringen lassen wollte. Nach Informationen deutscher Polizeikräfte in Lille waren rund 50 Deutsche an den Krawallen beteiligt.

Die deutsche Bundespolizei hinderte vor dem Spiel 21 Hooligans an der Ausreise nach Frankreich. In der Nacht zum Sonntag seien in der Nähe von Trier 18 "gewaltbereite Fußballfans festgestellt" worden, teilte die Bundespolizei mit. Im Laufe des Tages sei dann drei weiteren gewaltbereiten Fußballanhängern die Ausreise untersagt worden.

Die Bundespolizei kündigte an, in den kommenden Tagen und Wochen weitere Fahndungsmaßnahmen vorzunehmen, um gewaltbereite Fußballfans ausfindig zu machen. Die Kontrollen fänden "flexibel zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten" statt.

AFP/dpa

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