Unterstützung von Maradona

Uruguay feiert Suarez wie einen Weltmeister

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Die Fans warteten am Flughafen auf ihr Idol Luis Suarez.

Köln - Die drakonische Strafe für „Vampir“ Luis Suarez stößt weltweit auf breite Zustimmung. Unterstützung bekommt Uruguays gestürzter WM-Held fast nur in seiner Heimat - und von Diego Maradona.

Für Uruguays „Vampir“ Luis Suarez ist die Heimkehr nach seiner Verbannung von der Fußball-WM zu einem Triumphzug geraten. Hunderte Fans empfingen den wegen seiner Beißattacke für vier Monate gesperrten Torjäger bei der Ankunft auf dem Carrasco-Flughafen von Montevideo wie einen Weltmeister. Mit zahlreichen Plakaten mit Aufschriften wie „Luis, ganz Uruguay ist mit Dir“ versicherten die Fans ihrem gestürzten Liebling ihre ungebrochene Zuneigung.

Maradona wettert: "Ein unglaubliches Mafia-Ding"

Selbst Staatspräsident Jose Mujica („Wir verehren Luis Suarez ja nicht als Philosophen“) war zur Begrüßung von „El Pistolero“ zum Airport gekommen, verpasste die Ankunft von Suarez verspätetem Privatjet letztlich aber wegen drängender Regierungsgeschäfte. Für die Bestrafung des bissigen Stürmers habe er zwar Verständnis, doch das Maß sei eine "ewige Schande" für die Fifa, erklärte er in seiner wöchentlichen Radioansprache. Der Vorgang werde als "einer der dunkelsten Momente in der Geschichte des Weltfußballs" in Erinnerung bleiben.

Trotz des begeisternden Empfangs verließ der Stürmerstar des FC Liverpool den Flughafen jedoch rasch und reiste weiter nach Canelones zu seiner Mutter.

Viel mehr Unterstützung als grenzenlose Mutterliebe und blinde Heldenverehrung seiner Landsleute bekam Suarez nach seiner drakonischen Strafe wegen seiner Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini international allerdings nicht - außer noch von Diego Maradona. Argentiniens einst als Dopingsünder entlarvte Ikone witterte hinter der Vier-Monats-Sperre gegen den beißwütigen Stürmerstar wieder mal eine Verschwörung des Weltverbandes FIFA: „Warum schickt man ihn nicht gleich nach Guantanomo? Wen hat er getötet? Das ist ein unglaubliches Mafia-Ding“, wetterte der Weltmeister von 1986 im venezolanischen Fernsehen.

Maradonas ganz spezielle Sicht der Dinge war für Uruguays brodelnde Volksseele kurz vor dem WM-Achtelfinale gegen Kolumbien Balsam auf eine tiefe Wunde. „Ein ganzes Land ist in Aufruhr“, fasste die Zeitung El Pais die Stimmung unter den rund drei Millionen Einwohnern sowie unzählige Twitter-Kommentare zu einer angeblichen „Lynchjustiz“ der FIFA zusammen. Das Blatt La Republica sah „Suarez gekreuzigt“. Uruguays früherer Außenminister Didier Opertti, einst Präsident der UN-Generalversammlung und Experte für internationales Recht, bezeichnete Suarez' Verbannung als „Menschenrechtsverletzung“ und „Verletzung des Grundrechts auf Arbeit“.

Chiellini findet Strafe übertrieben

Sein Biss-Opfer Chiellini reichte Suarez unterdessen mit kollegialer Milde via Internet die Hand. „In mir gibt es keine Gefühle wie Freude, Rache oder Wut gegen Suarez wegen des Vorfalls“, twitterte der Abwehrspieler von Juventus Turin und fügte auf seiner Homepage hinzu: „Ich glaube, dass diese Strafe übertrieben ist. Im Moment gehen meine Gedanken zu Luis und seiner Familie, denn ihnen steht eine sehr schwere Zeit bevor.“

Chiellinis Reaktion stieß bei FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke auf Unverständnis. Er legte Wiederholungstäter Suarez zudem dringend professionelle Hilfe ans Herz: „Er sollte sich einer Behandlung unterziehen. Das ist definitiv falsch.“ Auch die internationale Spielergewerkschaft FIFPro forderte, dass der Fokus nun „auf die Rehabilitation und ernsthafte Behandlung des Spielers“ liegen solle.

Hart gingen die internationalen Medien mit Suarez ins Gericht. „Suarez zerfleischt“, titelte die Gazzetta dello Sport mit Wortwitz. Scharfer Wind schlug dem Torschützenkönig der Premier League besonders aus seiner Wahlheimat England entgegen. „Natürlich wird Suarez wieder andere Leute beschuldigen: die englischen Medien, die italienischen Medien, die italienischen Spieler und vielleicht auch seine Frau“, kommentierte der Mirror das FIFA-Urteil. „Suarez bezahlt teuer für seine beißende Schande“, konstatierte der Daily Telegraph.

Barca will Kaufpreis drücken

Tatsächlich lässt der FIFA-Bannstrahl Suarez auch finanziell bluten. Schon am Freitag beendete ein Online-Glücksspiel-Unternehmen seinen Werbevertrag mit dem Stürmer. Der Sportartikel-Hersteller adidas kündigte nach dem sofortigen Stopp sämtlicher WM-Aktivitäten mit dem Südamerikaner für die Zeit nach der Endrunde eine „Überprüfung unserer künftigen Pläne mit Luis Suarez“ an. Das sagte adidas auf SID-Anfrage. Das englische Boulevardblatt The Sun sagte Suarez einen Einbruch seines Marktwertes um umgerechnet 25 Millionen Euro voraus.

Paradoxerweise jedoch könnte gerade eine solche Entwicklung den Wechselplänen des bis zum 26. Oktober gesperrten Angreifers in die Karten spielen. Während sein derzeitiger Klub Liverpool noch nicht auf den langen Ausfall seines Top-Torschützen reagiert hat, will der spanische Renommierklub FC Barcelona laut der Sportzeitung Marca das derzeitige „Anti-Suarez-Klima“ ausnutzen: Angeblich möchten die Katalanen den auch von Champions-League-Sieger Real Madrid umworbenen Goalgetter, der seit ähnlichen Ausfällen bei Ajax Amsterdam und später im Trikot der „Reds“ den Spitznamen „Kannibale“ trägt, für 50 Millionen Euro statt der bislang aufgerufenen Ablöse von 90 Millionen Euro von der Anfield Road weglocken.

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sid

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