"Hochrangige Offizielle mit Spitzenämtern"

US-Justiz ermittelt gegen 14 weitere FIFA-Funktionäre

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US-Justizministerin Loretta Lynch.

Washington - Nach den Festnahmen der beiden FIFA-Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras) ermittelt die US-Justiz gegen 14 weitere Funktionäre des Fußball-Weltverbandes.

Die Justiz schlug wieder im Morgengrauen zu - und sie erschütterte die FIFA ausgerechnet am Tag des „Neuanfangs“ erneut in ihren Grundfesten. Um 6.00 Uhr verhafteten die Schweizer Behörden im Züricher Fünf-Sterne-Hotel Baur au Lac am Donnerstag die beiden Vize-Präsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit (Honduras), wenige Stunden später gab die US-Justiz bekannt, gegen 14 weitere, teils hochrangige FIFA-Funktionäre zu ermitteln.

Acht Angeklagte haben sich nach Angaben von Justizministerin Loretta Lynch schuldig bekannt. Es geht um Bestechung in Millionenhöhe. Der Neustart des Fußball-Weltverbandes aus einer tiefen Krise ist trotz der am Donnerstag beschlossenen Reformen weit, weit entfernt. „Die hochrangigen FIFA-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben“, teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz mit: „Die Straftaten sind gemäß Verhaftsersuchen teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden.“

Sowohl Hawit als auch Napout widersetzten sich umgehend ihrer direkten Auslieferung an die USA, sie werden alles abstreiten. Von den sieben Vize-Präsidenten des FIFA-Exekutivkomitees sind damit drei endgültig aus dem Verkehr gezogen, weitere werden verdächtigt.

Am Abend platzte die nächste Bombe. US-Staatsanwalt Roberto Capers erklärte, es handele sich bei den 14 weiteren Angeklagten um „hochrangige FIFA-Offizielle mit Spitzenämtern in der CONCACAF und CONMEBOL“, der Verbände von Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der Karibik. Capers nannte die Verbände von Brasilien, El Salvador, Guatemala, Honduras, Bolivien, Ecuador, Paraguay und Peru. „Die Zahlen sind erschütternd“, sagte Capers: „Was genug ist, ist genug."

Nach Informationen der BBC soll auch der frühere brasilianische Verbandschef Ricardo Teixeira zu den Personen gehören, denen eine Verwicklung in Bestechung- und Korruptionsdelikte in Höhe von etwa 200 Millionen US-Dollar vorgeworfen wird. "Sie alle werden uns nicht entkommen“, sagte Lynch.

Das am Donnerstag dennoch auf den Weg gebrachte FIFA-Reformpaket könnte ähnliche Auswüchse zumindest in Zukunft verhindern. Das Exko mit dem als DFB-Präsident zurückgetretenen Wolfgang Niersbach soll in eine Art strategischen Aufsichtsrat („Council“) umgewandelt werden, die Amtszeit der Entscheider einschließlich des FIFA-Präsidenten auf maximal zwölf Jahre begrenzt werden.

Zudem soll die Anzahl der derzeit 26 FIFA-Kommissionen auf neun reduziert und mit mehr unabhängigen Mitgliedern besetzt werden. Es würde eine Frauenquote geben, die Gehälter der Führungsriege würden offengelegt. „Die Ereignisse vom Donnerstag unterstreichen die Wichtigkeit des Reformpakets. Wir haben einen großen Schritt unternommen“, sagte FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou: „Die Vorschläge zeigen den Weg zu einer Veränderung, die so radikal ist wie nötig.“

Dubiose Gestalten im Weltverband - wie Hawit und Napout - sollen künftig mit strengen Integritätschecks aussortiert werden, die Mitglieder des künftigen „Council“ würden aber weiter von den Konföderationen entsandt. Endgültig verabschieden muss das Paket der FIFA-Kongress aller 209 Nationalverbände am 26. Februar.

Die offensichtlich geplante Aufstockung der Weltmeisterschaften auf 40 Teilnehmer ab der Endrunde 2026, die das Exko alleine hätte beschließen können, wurde dagegen verschoben - vielleicht in weiser Voraussicht auf das zu erwartende Medienecho. „Das Thema wurde zunächst zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben“, sagte Niersbach.

Wegen der Exko-Sitzung waren erneut viele hochrangige Fußball-Funktionäre nach Zürich gereist. Wie viele andere residierten Napout, Präsident des Kontinentalverbandes CONMEBOL (Südamerika), und Hawit (Honduras), Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), im Baur au Lac, wo eine Übernachtung rund 800 Euro kostet und das Silvestermenü 690 Franken. Bis die Kantonspolizei anrollte.

Die FIFA teilte am Morgen zunächst mit, „Kenntnis von den Maßnahmen der US-Justizbehörden“ genommen zu haben: „Die FIFA wird weiter in vollem Umfang mit den US-Ermittlern kooperieren sowie die von der Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft geleiteten Ermittlungen unterstützen. Die FIFA wird keine weitere Stellungnahme zu den heutigen Entwicklungen abgeben.“

Laut New York Times sind die Einsatzkräfte um sechs Uhr am Luxus-Hotel eingetroffen. Der Hotelmanager sprach laut NYT von einer „extremen Situation“. Der suspendierte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (79), gegen den in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet worden war, gehörte nicht zu den Verhafteten. Bei der FIFA spielte der Name Blatter am Donnerstag keine Rolle.

Bereits im Mai war der Weltverband auf ähnliche Weise erschüttert worden. Im Vorfeld des FIFA-Kongresses nahmen die Schweizer Behörden sieben teils hochrangige Funktionäre fest und stürzten die FIFA in die Krise. Auch damals war das Baur au Lac Ziel der Polizeiaktion. Die Bilder der unter Bettlaken abgeführten Funktionäre gingen um die Welt. Zu den Verhafteten gehörte auch der damalige FIFA-Vize Jeffrey Webb (Kaimaninseln), der im Anschluss seiner Auslieferung in die USA zustimmte.

Er war Hawits Vorgänger als CONCACAF-Boss. Die US-Justiz ermittelt seit Monaten gegen Funktionäre der FIFA, es geht vor allem um Ungereimtheiten bei vergangenen Großereignissen. Über amerikanische Banken scheint im großen Stil Geld gewaschen worden zu sein, zudem geht es um Betrug beim Dealen mit Fernsehrechten.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt in einem weiteren Verfahren. Die FIFA selbst griff zuletzt über ihre unabhängige Ethikkommission durch und sperrte etliche frühere Machthaber. Die Prominentesten: Blatter und FIFA-Vizepräsident Michel Platini (60), Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

SID

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