Vergabe um die WM 2006

Jack Warner und das Konto „LOC Germany 2006“

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Die Ermittlungsakten gegen Jack Warner stapeln sich.

New York - US-Behörden zeigen die Verbindung von Jack Warner und dem Schweizer Bankkonto auf. Auch in andere WM-Vergaben und eine FIFA-Präsidentschaftswahl könnte Warner verstrickt sein.

Die Anklageschrift der US-Behörden von Ende Mai zeichnen ein Bild der Geschäftspraktiken von Jack Warner und zeigen auch eine Verbindung zu einem Konto mit dem Namen „LOC Germany 2006 Limited“. Wer diese Bankverbindung eingerichtet hatte, geht nicht aus den Akten hervor - Warner konnte demnach aber zumindest über das Konto verfügen.

Die US-Behörden geben auf den 162 Seiten Anklage gegen 14 Personen unter anderem einen Überblick über ein Geflecht von Bestechung, Schmiergeld und Geldwäsche im Umfeld von Warner, der auch in der Affäre um die WM 2006 nun im Fokus steht. Die Entscheidung über eine mögliche Auslieferung des Funktionärs aus Trinidad und Tobago, der inzwischen lebenslang gesperrt ist, an die USA soll am 2. Dezember fallen. Eine Auswahl der Vorwürfe an Warner:

LOC GERMANY 2006: Laut der bereits seit knapp einem halben Jahr bekannten US-Anklage gibt es eine klare Verbindung von Warner zu dem Konto „LOC Germany 2006 Limited“ bei der First Citizens Bank in Trinidad und Tobago. Darauf soll das Unternehmen Traffic Mitte April 2004 40 000 US-Dollar gezahlt haben. Elf Tage zuvor kündigte Warner der Bank an, dass er eine Einzahlung in dieser Höhe erwarte und wies an, dass 60 000 Dollar von diesem Konto auf sein „persönliches Bankkonto“ transferiert werden.

Anfang Juni erfolgte eine erneute Zahlung von 40 000 Dollar von Traffic auf „LOC Germany 2006 Limited“, fünf Tage später verschob Warner das Geld auf sein persönliches Konto. Bei den Deals des Eventmanagement-Unternehmens Traffic und der Karibischen Fußball-Union CFU, dessen Präsident Warner war, geht es um TV-Übertragungsrechte für WM-Qualifikationsspiele.

GOLD CUP: Traffic USA erwarb von 1996 an für fünf Auflagen auch die Vermarktungsrechte der Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft. Bis zum Turnier 2003 fließen Hunderttausende Dollar an Schmiergeldzahlungen an CONCACAF-Präsident Warner. Diese werden versucht, über Mittelsmänner zu verschleiern.

WM-VERGABE 2010: CONCACAF-Präsident Warner berichtet einem Mitverschwörer, dass hohe FIFA-Offizielle, die südafrikanische Regierung und das südafrikanische Bieter-Komitee bereit seien, eine Zahlung von Südafrikas Regierung in Höhe von 10 Millionen Dollar an die CFU zu arrangieren. Diese soll „die afrikanische Diaspora unterstützen“. Der namentlich nicht-genannte Mitverschwörer #1 versteht, dass Warner, er selbst und Mitverschwörer #17 für Südafrika als Gastgeber der WM 2010 stimmen sollen.

Warner deutet an, dass er das Angebot akzeptiert und sagt Mitverschwörer #1 zu, eine Million Dollar weiterzureichen. Die südafrikanische Regierung soll die Zahlungen jedoch nicht direkt aus Regierungstöpfen vornehmen können. In drei Margen weist ein hochrangiger FIFA-Funktionär an, dass zehn Millionen Dollar von einem FIFA-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto fließen. Das Geld landet schließlich auf Konten im Namen der Karibischen Fußball-Union CFU und CONCACAF, kontrolliert von Warner, in Trinidad und Tobago. Durch Geldwäsche bei Mittelsmännern fließen Teile des Geldes schließlich zu Unternehmen in Trindad und Tobago sowie Warners Privatkonten.

FIFA-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL 2011: Mit-Verschwörer #7, ein hoher Funktionär der FIFA und des asiatischen Verbands AFC, erklärt 2011 seine Kandidatur für das FIFA-Präsidentenamt. Ende April fließen 363 537,98 Dollar von einem Konto, das Mit-Verschwörer #7 kontrolliert, auf ein Konto des CFU, das Warner kontrolliert. Im Mai stellt #7 den CFU-Verbänden seine Kandidatur vor, Warner sagt den Funktionären, dass sie sich ein „Geschenk“ abholen könnten. Die Repräsentanten erhalten jeweils einen Umschlag mit 40 000 US-Dollar. Nachdem das System aufliegt und Warner von seinen Posten zurücktritt, veranlasst Mit-Verschwörer #7 eine Zahlung von mehr als 1,2 Millionen Dollar auf ein Konto, das Warner kontrolliert.

dpa

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